Wirtschaft

Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der Ausverkauf im Bereich der Hochtechnologie weiter. Die Politik der „Energiewende“ tut ihr Übriges, um die Firmen aus dem Land zu treiben.
24.02.2021 17:44
Aktualisiert: 24.02.2021 17:44
Lesezeit: 3 min
Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen
Die Physikerin Steffi Block (l) und Student Christopher Naß prüfen Nanostrukturen auf einem Wafer in einem Reinraumlabor am 11.10.2013 in der Westsächsischen Hochschule in Zwickau. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers wird den Münchener Hersteller Siltronic übernehmen – den weltweit drittgrößten Produzenten von Wafern für die Halbleiterindustrie.

Globalwafers hatte Mitte Februar sein Übernahmeangebot für den Münchener Waferhersteller gesichert. Nach Auslaufen der Frist lag die Annahmequote Mitte Februar bei 56,92 Prozent, wie das Unternehmen in Hsinchu (Taiwan) mitteilte. Die weitere Annahmefrist laufe nun vom 16. Februar bis 1. März. Globalwafers hatte sein Angebot zweimal aufgestockt auf zuletzt 145 Euro je Aktie, was einem Volumen von insgesamt knapp 4,4 Milliarden Euro entspricht. Die Mindestannahmeschwelle wurde Ende Januar zudem von von 65 auf 50 Prozent gesenkt.

Damit habe der Zusammenschluss erste wichtige Hürden genommen, teilte Siltronic in einer separaten Mitteilung mit. So habe auch das Bundeskartellamt die Übernahme in der vergangenen Woche freigegeben. Die Behörde habe keine Anhaltspunkte dafür gesehen, dass der Wettbewerb in der Waferindustrie durch dieses Vorhaben behindert werden könnte. So stünden ausreichende aktuelle und potenzielle Beschaffungsalternativen zur Verfügung. Beide Unternehmen erwarten vorbehaltlich weiterer Genehmigungen den Abschluss der Übernahme in der zweiten Jahreshälfte 2021.

Das Management von Siltronic stand von Anfang an hinter dem geplanten Zusammenschluss. In einer bereits Anfang Dezember 2020 unterzeichneten Zusammenschlussvereinbarung hatten sich beide Unternehmen auf eine Standortgarantie für die deutschen Siltronic-Standorte sowie einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen an den deutschen Standorten bis Ende 2024 geeinigt.

Ausverkauf in Deutschlands „Zukunftsbranchen“

Die Übernahme von Siltronic durch den taiwanesischen Konkurrenten erstaunt. Denn die Bundesregierung bekräftigt seit Jahren ihre Bereitschaft, Übernahmen deutscher Firmen in strategisch wichtigen Branchen oder „Zukunftsindustrien“ genau zu prüfen und wenn nötig zu verhindern.

Zu diesem Zweck hatte die Bundesregierung erst Ende 2018 ein Gesetz erlassen, das es ihr ermöglicht, Übernahmen deutscher Unternehmen aus strategisch wichtigen Bereichen durch ausländische Käufer zu blockieren. Im April forderte Altmaier weitergehende Eingriffsrechte der Bundesregierung bei Übernahmen deutscher Firmen aus dem Nicht-EU-Ausland, wurde dafür aber vom Bundesverband der deutschen Industrie scharf kritisiert.

Angemerkt sei: Es handelt sich bei der Übernahme von Siltronic nicht um eine feindliche Übernahme, sondern um eine einvernehmliche Lösung.

Welche zentrale Bedeutung insbesondere die Halbleiterbranche – deren drittgrößter Produzent Siltronic weltweit ist – inzwischen für die Weltwirtschaft als Ganzes einnimmt, zeigt sich seit Wochen in den immensen Produktionsausfällen bei Automobilkonzernen und anderen Industriebetrieben auf der ganzen Welt, welche aufgrund eines Angebotsmangels nicht mehr an ausreichend Halbleiter-Chips kommen und deshalb Kurzarbeit einführen und Produktionen stilllegen müssen.

Der Branchenverband VDE schlug bei der Politik vor einiger Zeit angesichts der Entwicklung Alarm: „Die Mikroelektronik muss in Europa bleiben, wir brauchen eine europäische Technologiestrategie, einen Masterplan. Um langfristig den Wohlstand zu wahren, muss Europa den Aufbau eigener Mikroelektronikfertigungen sehr viel stärker und engagierter forcieren. Die systemrelevante Chip-Industrie hat Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft. Die aktuelle Krise in der Autoindustrie zeigt, wie hoch die Abhängigkeit unserer Industrie von Halbleiterherstellern in Asien und USA ist“, mahnt der Fachverband VDE", zitierten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten damals aus einem Schreiben des Verbands.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Verkauf des deutschen Batterie-Unternehmens Akasol aus Darmstadt an den amerikanischen Borg Warner-Konzern aus demselben Grund für Kopfschütteln gesorgt – auch die Batteriebranche wird wie die Halbleiterindustrie von der Bundesregierung zu den strategisch wichtigen Wirtschaftszweigen für die Zukunft gezählt.

Energiewende treibt deutsche Firmen aus dem Land

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Siltronic nicht zuletzt auch durch die von der Bundesregierung verfolgte energiepolitische Strategie – dem Volk als „Energiewende“ verkauft – buchstäblich aus dem Land getrieben wird.

So berichtet das Handelsblatt, dass der Vorstandsvorsitzende von Siltronic, Christoph von Plotho, unter anderem die immens hohen Strompreise als Begründung für den Wegzug anführt:

„Der Münchener Chipzulieferer Siltronic steht vor dem Verkauf nach Asien. Siltronic-Chef Christoph von Plotho macht dafür unter anderem die hohen Energiekosten in Deutschland verantwortlich: „Durch den hohen Strompreis wird der Standort unattraktiv“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sein Unternehmen zahle am Standort Singapur „weniger als die Hälfte des Strompreises“. Kostentreiber hierzulande sei vor allem die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Ein weiterer Faktor seien die vergleichsweise hohen Personalkosten in Deutschland.

Der Manager berührt damit ein Kernproblem der deutschen Energiepolitik. Deutsche Industrieunternehmen zahlen im weltweiten und auch im europäischen Vergleich hohe Strompreise. Einer der Gründe dafür ist die EEG-Umlage, mit der über den Strompreis der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird.“

Damit die Strompreise in Zukunft nicht weiter steigen, will die Bundesregierung die ausufernden Kosten der „Energiewende“ künftig einfach direkt aus dem Steueraufkommen finanzieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?
15.05.2026

Wladimir Putin steht in Russland zunehmend für ein System, das Kontrolle, Abschottung und Misstrauen zum Machtprinzip erhebt. Wie tief hat...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Berliner KI-Unternehmen Unframe will Datenchaos in Firmen ordnen
15.05.2026

Unframe will Unternehmen helfen, verstreute Informationen in nutzbare Arbeitsabläufe zu übersetzen. Im Fokus stehen Datenanalyse,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr
15.05.2026

Die Golfkrise verschärft die Spannungen im Containerverkehr und lenkt Handelsrouten zunehmend in Richtung Afrika. Welche Folgen hat diese...

DWN
Politik
Politik Trump und Xi demonstrieren Einigkeit: Doch hinter den Kulissen dominieren harte Konflikte
15.05.2026

Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping dominieren höfliche Gesten und gegenseitiges Lob. Dennoch verfolgen Washington und Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs rutscht unter 24.000 Punkte: Berichtssaison verliert an Schwung
15.05.2026

Während die US-Börsen von der KI-Euphorie profitieren, zeigt sich der DAX-Kurs vor dem Wochenende deutlich schwächer. Anleger richten...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 20: Die wichtigsten Analysen der Woche
15.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 20 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Rekordaufträge reichen nicht mehr – Zweifel bei Anlegern bleiben
15.05.2026

Rekordaufträge, Milliarden aus Verteidigungshaushalten und neue Großprojekte: Eigentlich spricht vieles für die Rheinmetall-Aktie,...