Unternehmen

Deutsche Chip-Hersteller: Mit europäischem Masterplan die Übermacht Chinas bekämpfen

Die deutsche Mikroelektronik-Industrie, die stark an der pandemiegebeutelten Autobranche hängt, sucht händerringend um politische Unterstützung. Jetzt will der Fachverband VDE die EU in die Pflicht nehmen.
28.01.2021 17:16
Aktualisiert: 28.01.2021 17:16
Lesezeit: 2 min
Deutsche Chip-Hersteller: Mit europäischem Masterplan die Übermacht Chinas bekämpfen
Ein Modul von Infineon. (Foto: dpa) Foto: Andreas Gebert

„Die Mikroelektronik muss in Europa bleiben, wir brauchen eine europäische Technologiestrategie, einen Masterplan. Um langfristig den Wohlstand zu wahren, muss Europa den Aufbau eigener Mikroelektronikfertigungen sehr viel stärker und engagierter forcieren. Die systemrelevante Chip-Industrie hat Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft. Die aktuelle Krise in der Autoindustrie zeigt, wie hoch die Abhängigkeit unserer Industrie von Halbleiterherstellern in Asien und USA ist“, mahnt der Fachverband VDE.

Diese Aussagen gehören zu zwei Positionspapieren, die die Branchenvertretung gerade veröffentlicht hat. Damit erhöht sich der politische Druck auf die Entscheidungsträger in der EU und in Deutschland, um dem Wirtschaftszweig wieder auf die Beine zu helfen, der stark unter der Corona-Krise leidet.

Insbesondere Engpässe bei der Lieferung von Mikroelektronik für die Auto-Fertigung machen den deutschen Unternehmen zu schaffen. Die Fahrzeugindustrie ist im vergangenen Jahr heftig eingebrochen, so dass die Hersteller weiter Arbeitsplätze abbauen. Beispielspiele hat gerade MAN angekündigt, bis in Deutschland zum Ende des kommenden Jahres 3.500 Jobs zu streichen. Zusätzlich will Volkswagen wegen Engpässen bei den Computerchips die Kurzarbeit in seinem größten Werk in Wolfsburg ausweiten.

Hintergrund: Die Chipindustrie ist tatsächlich von besonderer Bedeutung, wie es der VDE behauptet. So steuern die europäischen Hersteller grundsätzlich ungefähr zehn Prozent zur europäischen Gesamtwirtschaft bei – also etwa 1,4 Billionen Euro. Dabei gehören die deutschen Unternehmen zur Spitze - beispielsweise Infineon, dessen Aktie im Dax gelistet ist.

Deutsche beim Verbrauch Weltspitze, bei der Herstellung überhaupt nicht

Allerdings haben die Deutschen grundsätzlich ein besonderes Problem – unabhängig von der Pandemie: Beim Verbrauch von Elektronik-Produkten liegt das Land zwar in den internationalen Statistiken weit vorne – gemeinsam mit den US-Amerikanern und Japanern. Doch kontrollieren die deutschen Produzenten gerade einmal einen Anteil am Weltmarkt zwischen drei bis Prozent. Hier dominieren unangefochten China (etwa 35 Prozent) und die USA (rund 19 Prozent). Die EU erreicht insgesamt etwa zehn Prozent.

Da die Industrie für Deutschland eine so bedeutsam ist, hat sich auch schon längst die Bundesregierung damit beschäftigt. Gerade erst im November hat sie ein Rahmenprogramm für Mikroelektronik verlängert, das die Forschung fördern soll. Das alte Konzept, das von 2016 an gegolten hatte, war gerade Ende 2020 ausgelaufen.

Es geht um Fördermittel von insgesamt 400 Millionen Euro, die von 2021 bis 2024 ausgegeben werden sollen. Das betrifft auch die Herstellung von Autos, aber auch von Zügen und Industriemaschinen. Aber auch die Herstellung von Smartphones und anderen Alltagsgeräten wird unterstützt.

"Mit leistungsfähiger Mikroelektronik können wir die Zukunft Deutschlands und Europas gestalten. Durch das neue Rahmenprogramm zur Förderung der Mikroelektronik möchte ich erreichen, dass wir zum großen internationalen Treiber bei der Entwicklung und Fertigung nachhaltiger und vertrauenswürdiger Mikroelektronik werden. Deutschland und die Europäische Union müssen auch künftig in der Lage sein, Schlüsseltechnologien wie die Mikroelektronik aus eigener Kompetenz heraus zu verstehen, herzustellen und weiterzuentwickeln“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Dass der Fachverband VDE Monate später noch einmal zwei neue Positionspapieren veröffentlicht, wirkt deswegen etwas überraschend. Offenbar waren die Funktionäre mit der bisherigen Förderung durch die Bundesregierung überhaupt nicht zufrieden. Oder es kann auch ein Zeichen dafür sein, wie stark die Branche durch die Pandemie unter Druck steht.

Anmerkung der Redaktion: Hier befindet sich das erste und da das zweite Positionspapier.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das Ende der Mitte: Hellweg und das Baumarkt-Sterben
11.07.2026

Die Krise verlässt die Baustellen: Mit Hellweg und den zum Verbund gehörenden BayWa Bau- und Gartenmärkten geraten über 100 Märkte in...

DWN
Finanzen
Finanzen In Luxusuhren investieren: „Ziemlich furchtbar, wenn unter dem Anzug eines Mannes eine riesige Garmin hervorschaut“
11.07.2026

Eine Luxusuhr verbindet Status, Leidenschaft für Uhren und in manchen Fällen auch die Hoffnung, Geld zu vermehren. Erfahrene...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW iX3 im Test: Elektrischer SUV mit erstaunlicher Reichweite
11.07.2026

Der neue BMW iX3 50 xDrive verbindet kräftige Fahrleistungen mit einer Reichweite, die im Alltag wirklich überzeugt. Zwei Elektromotoren,...

DWN
Politik
Politik Politik und Gesellschaft: Warum die Geburtenrate in Deutschland weiter sinkt
11.07.2026

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist auf den niedrigsten Wert seit rund 30 Jahren...

DWN
Panorama
Panorama Trump verdiente im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde, den größten Teil davon mit Kryptowährungen
11.07.2026

Der Vermögensbericht des US-Präsidenten und des Vizepräsidenten wurde veröffentlicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Was passiert, wenn eine Kuh eine Smartwatch bekommt?
11.07.2026

HeroLabs, das slowenische Start-up des Jahres, hat fast sechstausend Kühe mit den MooHero-Smart-Halsbändern ausgestattet; nun...

DWN
Finanzen
Finanzen Schuldenweltmeister Deutschland: Regierung plant noch mehr Schulden - wird die Defizitgrenze gekillt?
10.07.2026

Die Staatsverschuldung wächst unter Bundesfinanzminister Klingbeil rasant und die Regierung hat bisher keinen Plan gegen steigende...