Wirtschaft

Italienischer Staat will Verkauf von Fahrzeughersteller an China verhindern

Der italienische Staat würde bei einem Verkauf der Lkw- und Bus-Marke Iveco an die chinesische FAW von seinen Eingriffsrechten Gebrauch machen.
05.03.2021 08:00
Lesezeit: 1 min

Der italienische Staat würde bei einem Verkauf der Lkw- und Bus-Marke Iveco an die chinesische FAW von seinen Eingriffsrechten Gebrauch machen. Das machte Industrieminister Giancarlo Giorgetti klar. Bei Übernahmen von Unternehmen in Branchen von nationalem Interesse kann die Regierung ein Veto einlegen oder strenge Auflagen machen. Iveco würde unter diese Vorschrift fallen, sagte Giorgetti. Die Industrieholding CNH will ihr Lkw- und Bus-Geschäft eigentlich abspalten und separat an die Börse bringen, spricht aber auch mit dem chinesischen Autobauer FAW, der Interesse an Iveco gezeigt hatte.

Chinesische Investitionen in Italien ähneln Investitionen in andere fortgeschrittene Volkswirtschaften, weisen jedoch auch länderspezifische Merkmale auf. Aus Sicht chinesischer Investoren ist Italien nicht nur als breiter Markt und strategisches Tor zum Mittelmeer ein attraktives Reiseziel, sondern auch, weil es als wertvolle Quelle für strategische Vermögenswerte angesehen wird - sowohl in der traditionellen als auch in der fortgeschrittenen Industrie, berichtet das „Instituto Affari Internatzionali“ (IAI).

Laut dem italienischen Parlamentarischen Ausschuss für die Sicherheit der Republik (Copasir) stiegen die ausländischen Direktinvestitionen Chinas in Italien von 573 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2018. So haben beispielsweise die italienischen Energie- und Gasinfrastrukturbetreiber Snam und Chinas State Grid International Development (SGID), eine Tochtergesellschaft der chinesischen State Grid Corporation, eine Vereinbarung unterzeichnet , die den Weg für die Nutzung italienischer Biogas- und Biomethan-Technologien zur Stromerzeugung im ländlichen China ebnen könnte. Die Partner möchten auch eine mögliche Zusammenarbeit bei der Instandhaltung und Optimierung von Verkehrsnetzen und Erdgasspeichern in zwei anderen Ländern bewerten, in denen SGID tätig ist - Australien und Portugal. Schon vor diesen Vereinbarungen waren SGID und Snam finanziell miteinander verbunden. Im Jahr 2014 gab SDIG rund 2 Milliarden Euro aus, 35 Prozent der Holdinggesellschaft CDP Reti mit einem Anteil von 30 Prozent an Snam und 29,9 Prozent an Terna, dem Eigentümer des nationalen Netzes Italiens, zu erwerben .

„China Daily“ wörtlich: „China spielt seit langem eine wichtige Rolle im italienischen Sektor für grüne Energie. ,Ein großer Teil des italienischen Photovoltaikmarktes kommt aus China‘, sagt Luca Lacoboni, Klima-Aktivist bei Greenpeace Italien. China dominiert die globale Solarversorgungskette, einschließlich der Herstellung von Siliziumwafern - dünnen Halbleiterscheiben, die in Solarzellen verwendet werden.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskrise in Deutschland: Großinsolvenzen erreichen neue Höchststände
11.01.2026

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen in Deutschland verschärft sich spürbar und reicht inzwischen über einzelne Branchen hinaus....

DWN
Finanzen
Finanzen D-Mark-Schatz: Menschen machen alte Scheine zu Geld
11.01.2026

Handgeschriebene Botschaften auf alten D-Mark-Scheinen: Was die Bundesbank im vergangenen Jahr zum Umtausch erhielt – und warum ein Teil...

DWN
Finanzen
Finanzen So lief das Börsenjahr 2025: Edelmetalle im Höhenflug und Krypto unter Druck
11.01.2026

Die Finanzmärkte haben sich zuletzt deutlich auseinanderentwickelt und Anleger vor neue Bewertungsfragen gestellt. Welche Anlageklassen...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategie: Falsche Prognosen sind besser als keine Prognosen
11.01.2026

Prognosen sind notorisch unzuverlässig – und dennoch unverzichtbar. Ob Wetter, Kapitalmärkte oder Geschichte: Wir wissen, dass...

DWN
Technologie
Technologie Arbeitswelt 50 plus: Wie die KI ältere Arbeitnehmer benachteiligt
11.01.2026

Die KI ist nicht objektiv, sondern lernt aus dem Internet. Dort grassieren Vorurteile - auch gegenüber Arbeitnehmern über 50. Diese...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr in Litauen: Litauens Präsident setzt auf deutsche Brigade ab 2027
11.01.2026

Ab Ende 2027 sollen in Litauen fast 5.000 Bundeswehr-Soldaten die Ostflanke schützen. Für Präsident Nauseda ist das gesetzt, trotz neuer...

DWN
Politik
Politik „America first“: USA steigen aus 66 internationalen Organisationen aus
11.01.2026

Die USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück. Der Austritt wird damit begründet, dass die Organisationen,...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 02: Die wichtigsten Analysen der Woche
11.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 02 des neuen Jahres fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...