Technologie

Ist eine zentrale Blockchain-Instanz zur totalen Kontrolle der Bürger in Planung?

Es gibt Forderungen, wonach nach Corona unsere Gesundheit, unser Finanzwesen und alle Teile der Gesellschaft der Blockchain-Technologie unterworfen werden sollen. Doch dies birgt eine Gefahr in sich. Sollte das Blockchain-System zentralisiert werden, würden die Menschen einer totalen Kontrolle unterworfen werden.
30.03.2021 17:23
Aktualisiert: 30.03.2021 17:23
Lesezeit: 3 min
Ist eine zentrale Blockchain-Instanz zur totalen Kontrolle der Bürger in Planung?
Kommt es zur Verschmelzung unserer physischen, digitalen und biologischen Identität? (Foto: Pixabay)

Ein Whitepaper, das von einer Gruppe von Vordenkern zusammengestellt und von Dr. Jane Thomason und Jannah Patchay gemeinsam herausgegeben wurde, trägt den Titel: „Covid und die neue Weltordnung“.

„Wir haben Gremien globaler Vordenker zusammengebracht, um die Auswirkungen der aktuellen Krise zu untersuchen, und darauf aufgebaut, um einen Überblick über unsere Welt und ihre Herausforderungen sowie über das neue Denken und die neuen Technologien zu erhalten, die es uns ermöglichen, im Verlauf der Wiederherstellung nach der COVID-19-Pandemie bessere Wege zum Aufbau zu finden“, sagt Thomason, Executive Director von Fintech.TV .

Das Papier behandelt einige der makroökonomischen Veränderungen, die sich aus den Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesellschaft ergeben haben. Die Auswirkungen erstrecken sich auf das Gesundheitswesen, auf kleine und mittelständische Unternehmen, auf das Währungssystem und auf die Regierungsführung. Viele dieser Veränderungen sind auf unsere scheinbar systematische Unfähigkeit zurückzuführen, effektiv auf die Krise zu reagieren. Das Papier fordert ein Umdenken beim Wirtschaftssystem, ein Umdenken dessen, was wir wertschätzen, und ein Umdenken, wie wir leben, so Lawrence Wintermeyer von „Fintech“ in einem Artikel des Magazins „Forbes“.

„COVID-19 hat die Fragilität der Nationalstaaten und die schwächen der bestehenden Weltordnung aufgedeckt. Es enthüllte die (...) Schwäche aller Staaten (…) Die Wahrheit ist, dass wir in Großbritannien eine schreckliche Zahl von Todesopfern und eine zusammengebrochene Wirtschaft haben“, sagt Lord Holmes von Richmond, Abgeordneter des House of Lords.

Dr. Alex Cahana, Chefarzt bei „ConsenSys Health“ und Blockchain-Experte der Vereinten Nationen für das Gesundheitswesen, macht auf die verstärkte Zusammenarbeit im Gesundheitssektor aufmerksam, die durch die Pandemie hervorgerufen wurde, und zitiert: Wir haben eine beispiellose globale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen gesehen (…) Wie können wir diese Art der Zusammenarbeit ausbauen, und (...) den Datenaustausch und ethische Ansätze ermöglichen, um zukünftige Pandemien vorherzusagen und Blockchain zu verwenden?

Wintermeyer wörtlich:Blockchain ist mehr als eine neue technologische Infrastruktur. Es erleichtert die Zusammenarbeit und ermöglicht es großen globalen Gemeinschaften von Menschen, sich unabhängig von einer zentralen Regierungseinheit zu verbinden. Blockchain-Netzwerke bieten uns neue Möglichkeiten, Anreizsysteme zu entwerfen und aufzubauen, und wir haben die Fähigkeit, schnell groß angelegte Strukturen aufzubauen und zu implementieren.“

Lord Holmes sagt: „Die Pandemie hat dazu beigetragen, unsere kollektive Erkenntnis zu kristallisieren, dass die derzeitige globale Wirtschaftsordnung und unsere Finanzmärkte nicht in der Lage sind, die umfassenderen Umwelt- und Sozialprobleme der Menschheit anzugehen.“

Wintermeyer fügt hinzu: „COVID-19 hat es den Regierungen auch ermöglicht, beispiellose Datenschutzverletzungen zu implementieren, indem sie Technologie, Gesichtserkennung, Kameras, Scan- und Tracking-Technologie mit wenig öffentlichem Widerstand einsetzen. Weltweit führen immer mehr Menschen online Transaktionen durch, bei denen ihre Gegenparteien, ihr Standort und ihre Kaufgewohnheiten sowohl von Behörden als auch von Unternehmen zur Überwachung aufgezeichnet werden können.“

Jeremy Wilson, Vorsitzender der Denkfabrik „Whitechapel“, meint, dass die technologische Revolution, die durch die Pandemie begünstigt wird, noch nie dagewesene Veränderungen nach sich ziehen werde. Klimawandel und soziale Gerechtigkeit sind Wintermeyer zufolge keine Randthemen mehr, sie wurden direkt in den Vordergrund unserer Aufmerksamkeit gerückt.

Chip.de definiert Blockchain mit folgenden Worten: „Eine Blockchain ist eine Datenbank. Sie enthält Transaktionsdatensätze und wächst stetig. Der Clou: Die Blockchain stellt ein webbasiertes, öffentliches und dezentralisiertes Buchhaltungssystem dar. Das heißt: Jeder Computer, der Teil des Netzwerks ist, verwaltet eine vollständige Spiegelung der Blockchain.“

Das Blockchain-System ist eigentlich dezentral organisiert. Doch in diesem Zusammenhang ist auf eine Gefahr hinzuweisen. Es fällt zunächst auf, dass die weltweiten Notenbanken darauf pochen, die dezentralen Kryptowährungen durch die Einführung von eigenen Kryptowährungen zu ersetzen. Dabei geht es um die Einführung von digitalen Zentralbankwährungen (CBDC). Somit ist ein genereller Zentralisierungsansatz zu erkennen, von dem auch alle anderen Bereiche des Lebens, in denen das Blockchain-System angewandt werden soll, betroffen sein werden – früher oder später.

Die Blockchain-Technologie ist somit ein zweischneidiges Schwert. Wenn es dezentral angewandt wird, kann es durchaus zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden. Doch es kann auch zur totalen Kontrolle der Menschen missbraucht werden, wenn es zentral kontrolliert und gesteuert wird? Missbraucht werden kann es nämlich dann, wenn die Kontrolle des Blockchain-Systems der Entscheidungs- und Kontrollbefugnis einer kleinen technologischen Elite obliegt, was uns wiederum zurückführt zu George Orwells Roman „1984.

Eine „Verschmelzung unserer physischen, digitalen und biologischen Identität“, die der Gründer des Weltwirtschaftsforums predigt, wäre das Ergebnis (Mehr HIER).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Globaler Anleiheausverkauf drückt US-Aktien ins Minus
01.09.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Wall Street belasten und warum Tech-Aktien jetzt besonders im Fokus stehen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regel zwingt Ritter Sport zum Überkleben
01.09.2026

Wegen neuer EU-Vorgaben muss Ritter Sport alte Verpackungen mit Stickern überkleben. Was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt...

DWN
Politik
Politik Europa unter Druck: Experte warnt vor gefährlicher Doppelkonfrontation
01.09.2026

Europa gerät von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck. China verschärft den Handelskonflikt, Russland könnte den Krieg weiter...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter in Angst: Die Furcht vor dem Wohnungsverlust
01.09.2026

Die Wohnkosten steigen, und immer mehr Mieter fürchten, ihre Wohnung bald nicht mehr bezahlen zu können. Der Mieterbund fordert...

DWN
Technologie
Technologie China: Solar schlägt Kohle, doch Ausbau verliert an Tempo
01.09.2026

China ist Weltmeister beim Ausbau der Solarenergie. Doch das Land gilt zugleich als großer Klimasünder und will nicht von der Kohle...

DWN
Politik
Politik Berichte: Regierung sieht Russland hinter Drohnen-Vorfall
01.09.2026

Der Verdacht wiegt schwer: Die Bundesregierung macht offenbar einen russischen Geheimdienst für den versuchten Drohnenanschlag am...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Möbelbranche kämpft weiter gegen die Flaute
01.09.2026

Die Deutschen halten sich beim Möbelkauf zurück – und bringen eine ganze Branche in Bedrängnis. Steigende Kosten, sinkende Umsätze...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung falsch ausgefüllt? Jetzt zählt schnelles Handeln
01.09.2026

Eine vergessene Ausgabe, eine falsche Zahl oder eine nicht angegebene Einkunft: Fehler in der Steuererklärung passieren schnell. Wer sie...