Deutschland

„Der kleine Prinz“ feiert 75-jähriges Jubiläum

„Der kleine Prinz“ ist das bekannteste und meistgelesene Buch aus Frankreich, doch auch in Deutschland ist das Meisterwerk von Antoine de Saint-Exupéry beliebt. Diese märchenhafte Geschichte erschien erstmals vor 75 Jahren.
31.03.2021 13:01
Aktualisiert: 31.03.2021 13:01
Lesezeit: 3 min
„Der kleine Prinz“ feiert 75-jähriges Jubiläum
Eine Hand zieht am 30.03.2013 in einem Buchgeschäft in Berlin eine Sonderausgabe des Buches "Der kleine Prinz" aus dem Regal. (Foto: dpa)

„Bitte … zeichne mir ein Schaf!“ Mit diesem Satz beginnt nicht nur die Freundschaft zwischen einem notgelandeten Flieger und dem kleinen Prinzen. Damit beginnt auch die märchenhafte Geschichte des gleichnamigen Buches von Antoine de Saint-Exupéry, das zu einem Welterfolg geworden ist. Mit 200 Millionen verkauften Exemplaren ist es das bekannteste, meist übersetzte und meist gelesene Werk der französischen Literatur.

In Frankreich werden jährlich 400 000 Exemplare verkauft, ein Absatzvolumen, das der „Kleinen Prinzen“ zu einem Dauerbestseller macht. Im Corona-Jahr 2020 gehörte er laut einer Umfrage neben der „Pest“ von Albert Camus zur bevorzugten Lektüre der Franzosen. Ein literarisches Phänomen.

Das Erfolgsbuch des Autors und Piloten Antoine de Saint-Exupéry ist in Frankreich erstmals am 6. April 1946 erschienen. Die märchenhafte Geschichte des blonden Winzlings war das letzte Werk von Saint-Exupéry. Knapp zwei Jahre vor dem Erscheinen des Buches war er am 31. Juli 1944 im Alter von 44 Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen. Teile der Maschine wurden erst viele Jahre später im Meer in der Nähe der Île de Riou südlich von Marseille entdeckt.

Ein Phänomen nennt der französische Verlag Gallimard die Geschichte des Buches. Bei Gallimard war es Anfang April vor 75 Jahren erschienen. Wie das Traditionshaus auf seiner Homepage schreibt, waren schon kurze Zeit später, Ende Juni, die rund 10 000 Exemplare der ersten Auflage verkauft. Bis 1958 seien neunzehn Nachdrucke der Taschenbuchversion erschienen, heißt es weiter. Ab 1980 sei das Kultbuch für Kinder dann zum Lieblingsbuch einer ganzen Nation geworden. Heute hat Gallimard den Titel als Märchen für Erwachsene, als Jugendbuch, in gebundener Form, als Taschenbuch oder als CD im Programm.

Für den Verleger Marc Wiltz war das Buch nie wirklich ein Kindermärchen. „Saint-Exupéry hat vielmehr eine Geschichte in Erinnerung an die Kindheit geschrieben“, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Für den Autor ist der „Kleine Prinz“ ein Gleichnis, das vom menschlichen Leben handelt. „Saint-Exupéry greift mit sehr einfachen Symbolen Themen wie Liebe, Freundschaft, Macht, Einsamkeit und Tod auf.“

Das Buch sei mit seinen kindlichen Zeichnungen, die vom Autor selbst stammen, nur vordergründig für junge Leser. „Die Symbole kann man erst als Erwachsener wirklich verstehen“, erklärte Wiltz. In seinem Buch „Le Tour du Monde en 80 Livres“ (dt. Mit 80 Büchern um die Welt) begründet er den phänomenalen Siegeszug des „Kleinen Prinzen“. Alles in dem Buch sei real, fiktiv und symbolisch, wie ein Kondensat des Lebens. Doch nennt der 59-Jährige noch einen weiteren Grund: Der kleine Prinz halte den Erwachsenen einen Spiegel vor. Die wesentliche Frage, die er den Lesern darin stellt, lautet für ihn: Was habt ihr aus euren Kindheitsträumen gemacht?

Saint-Exupéry hat diesen Gedanken mehr oder weniger explizit auch in seiner Geschichte zum Ausdruck gebracht. „Die großen Leute waren einmal Kinder gewesen, aber nur wenige erinnern sich daran“, schreibt er gleich zu Beginn. In der Widmung des Werkes macht er zudem deutlich, dass er das Buch seinem besten Freund zum Geschenk macht - einem Erwachsenen.

„Die Liebe ist vor allem ein Lauschen in der Stille“, „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“: Der „Kleine Prinz“ ist voller Aphorismen und Lebensweisheiten. Die Antoine de Saint-Exupéry-Stiftung in Lyon hat deshalb im Jahr 2020 den 29. Juni, den Tag des Geburtstags des Autors, zum Le Petit Prince Day erkoren.

Mit dem Tag will die Einrichtung jährlich „die humanistischen Werte“ des Buches feiern. Wie die 2008 gegründete Stiftung erklärte, sei das Werk ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Sensibilität.

Für Alban Cerisier vom Verlag Gallimard ist „Der kleine Prinz“ das literarische Testament von Saint-Exupéry. Das Buch sei gewissermaßen ein Selbstporträt, das die Stimmung und das Weltbild des Autors widerspiegle, sagte der Spezialist. Und die waren zur Zeit des Entstehens des Weltbestsellers alles andere als gut.

Als der in Lyon geborene Autor und Pilot das Werk schrieb, befand er sich im Exil in New York, wo er unter der politischen Lage Europas litt. Denn dort herrschte Krieg, Frankreich wurde 1942 von deutschen Truppen besetzt. Hinzu kamen gesundheitliche Beschwerden und ein Fremdheitsgefühl, das ihn auch nach mehr als dreijährigem Aufenthalt in New York noch verfolgte, wo sein Buch bereits am 6. April 1943 erschienen war.

Die Idee zu dem Bestseller soll aus einer Nahtod-Erfahrung heraus entstanden sein. Saint-Exupéry musste 1935 in der Wüste Sahara notlanden. Mehrere Tage vergingen, bis ihn Beduinen retteten. Er fühlte sich „verlassener als ein Schiffbrüchiger auf einem Floß mitten im Ozean“, wie er in dem Erfolgsbuch schreibt, als er plötzlich eine kleine Stimme hörte, die zu ihm sagte: „Bitte ... zeichne mir ein Schaf!“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die kommende Woche wird eine der wichtigsten dieser Berichtssaison.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi baut US-Werk für SUVs: Jobverluste in Deutschland drohen  
25.10.2026

US-Präsident Donald Trump verkündet den Bau eines neuen Autowerks von Audi in den USA. Daraufhin entzündet sich am Auftritt des...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die Ergebnisse amerikanischer Unternehmen übertrumpfen die Marktstimmung deutlich, doch Sorgen über KI-Kosten trüben die Aussichten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Arbeitnehmer in der Dauerkrise: Immer mehr psychische Erkrankungen
25.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...