Deutschland

Deutsche Wissenschaftler forschen an Zwillings-Kindern

Lesezeit: 1 min
04.04.2021 16:25
Was ist entscheidender für unsere Eigenschaften: Was wir von unseren Eltern erben oder wie wir aufwachsen? Das wollen deutsche Forscher herausfinden. Deshalb betreiben sie Forschungen an Zwillings-Kindern.
Deutsche Wissenschaftler forschen an Zwillings-Kindern
Die Zwillinge Alina (l-r) und Amelie rodeln mit ihren Schlitten einen Hügel hinab. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Wieso sind wir eigentlich so, wie wir sind? Wieso schreibt jemand gute Noten, ohne viel zu lernen? Und warum ist jemand richtig sportlich? Wissenschaftler vermuten, dass dabei zwei Dinge eine Rolle spielen: Auf der einen Seite beeinflussen uns unsere Erb-Anlagen, also unsere Gene. Sie tragen die Bauanleitungen für den Körper. Auf der anderen Seite ist aber auch die Umwelt wichtig, also wie Eltern zum Beispiel ein Kind erziehen.

Forscher wissen bei vielen Fragen nicht, was eine größere Rolle spielt. Aber: „Bei der Antwort können Zwillinge helfen“, sagt der Forscher Rainer Riemann. Seit 2014 läuft in Deutschland eine Studie, für die Familien mit Zwillingen befragt werden. Die Wissenschaftler wollen zum Beispiel herausfinden, wie stark die Gene und die Umwelt beeinflussen, wie schlau jemand ist.

„Zwillinge eignen sich für solche Forschungen sehr gut, weil sie unter sehr ähnlichen Umweltbedingungen aufwachsen“, erklärt Rainer Riemann. Sie sind direkt hintereinander geboren und wachsen in derselben Familie auf. Oft gehen sie auch in die gleiche Klasse.

Die Forscher befragen zwei Arten von Zwillingen: eineiige und zweieine. Eineiige Zwillinge sehen genau gleich aus und haben die gleichen Gene. Zweieiige Zwillinge unterscheiden sich voneinander und sind sich so ähnlich oder unähnlich wie alle Geschwister. Ihre Gene sind nur ungefähr zur Hälfte gleich. Wenn die Forscher beide Arten von Zwillingen befragen, können sie die Ergebnisse hinterher vergleichen.

Die Wissenschaftler untersuchen zum Beispiel, welche Schulnoten die Kinder schreiben. Dabei haben sie schon eine interessante Entdeckung gemacht: Meist schreiben die Zwillinge, die die gleichen Gene haben, ähnlichere Noten in der Schule als die zweieiigen Zwillinge. Daraus haben die Wissenschaftler etwas gefolgert: Weil die Noten der Zwillinge mit den gleichen Genen ähnlicher sind als bei den anderen Zwillingen, spielen die Gene bei den Leistungen in der Schule eine wichtige Rolle.

„Wenn die Kinder noch klein sind, sind diese Unterschiede noch nicht so groß“, sagt Rainer Riemann. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Familie dann noch einen großen Einfluss hat. Die Eltern kontrollieren vielleicht, ob die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Wenn die Kinder älter werden, nimmt dieser Einfluss ab und die Noten unterscheiden sich bei den Zwillingen stärker, die genetisch verschieden sind. „Dann spielen die Gene eine größere Rolle“, sagt Rainer Riemann. Die Wissenschaftler vermuten durch diese Ergebnisse, dass unsere Intelligenz nicht nur durch unsere Umwelt bestimmt ist, sondern wir sie auch zu einem großen Maß erben.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland FDP stellt sich gegen Faesers Pläne für leichtere Einbürgerungen

Die FDP stellt sich gegen Pläne des Innenministeriums, die deutsche Staatsbürgerschaft schneller an Ausländer zu vergeben.

DWN
Politik
Politik Taiwan: Oppositionelle Kuomintang gewinnt Abstimmung über künftige China-Strategie

Wende in Taiwans China-Politik? Die oppositionelle Kuomintang hat eine Abstimmung über das Verhältnis zum Nachbarn gegen die Regierung...

DWN
Politik
Politik Europol zerschlägt eines der größten Kokain-Kartelle Europas

Die Polizeibehörde Europol hat ein großes Drogenkartell zerschlagen und dutzende Personen festgenommen.

DWN
Politik
Politik Oskar Lafontaine: „Europa zahlt den Preis für die Feigheit der eigenen Staatenlenker“

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten im Gespräch mit Oskar Lafontaine über den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands, den...

DWN
Politik
Politik Multipolare Weltordnung: Organisationen des Globalen Südens erhalten verstärkt Zulauf

Das Interesse an einer Mitgliedschaft in Organisationen, die dezidiert als Alternative zu westlich dominierten Strukturen aufgebaut wurden,...

DWN
Deutschland
Deutschland Marktwirtschaft adé: Staat für Hälfte des Wirtschaftswachstums verantwortlich

Der Anteil öffentlicher Ausgaben am BIP liegt über 50 Prozent. Ein baldiges Ende des staatlichen Eingreifens ist nicht Sicht. Damit...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verluste: Europas Windenergie stürzt in eine Krise

Die Windenergie wird seit Jahren in Europa als Prestigeprojekt angesehen und staatlich unterstützt. Nun befinden sich führende Konzerne...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum JPMorgan das klassische 60/40-Portfolio zurückholt

Das klassische 60/40-Portfolio verzeichnete in diesem Jahr massive Verluste. Doch holt JPMorgan die Strategie wieder hervor und erwartet...