Ratgeber
Anzeige

So wirkt sich das Online Glücksspiel auf die deutsche Wirtschaft aus

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren für so viel Furore gesorgt, wie das Glücksspiel im Internet. Mehrere Versuche waren nötig, um den neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrag in die Wege zu leiten.
11.09.2023 10:00
Lesezeit: 3 min

Dieser wird von vielen als ein wahrer Kompromiss angesehen, ganz nach dem Motto: ein guter Kompromiss ist, wenn niemand glücklich ist. Doch einmal abgesehen von Streitpunkten wie Spielerschutz und Spielsucht, wie wirkt sich die neue Regelung auf die Wirtschaft in Deutschland aus?

Prohibition – Ein Blick in die Vergangenheit und Gegenwart

In der Vergangenheit wurden bereits mehrere Versuche gestartet, Produkte mit Suchtgefahr und potenziellen negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verbieten. Die Prohibition sorgte in den USA bereits in den ersten sechs Monaten für einen Verlust von zirka 2 Millionen USD an Steuereinahmen.

Dabei waren kluge Köpfe wie Samuel Crowther der Meinung, dass das Alkoholverbot die Wirtschaft stärken würde. Diese Annahme beruhte unter anderem darauf, dass hierdurch die Armut bekämpft werden könne. Ein lobenswertes Ziel, doch die Mittel erfüllten diesen Zweck nicht.

Stattdessen entstand eine Schattenwirtschaft, welche die Herstellung von alkoholhaltigen Getränken sowie den Alkoholkonsum fern von regulatorischen Maßnahmen aufblühen ließ. Armut und Kriminalität gingen nicht zurück. Im Gegenteil, sie wuchsen.

Ähnliches ist auch heute beim Verbot von Drogen zu erkennen. Bleiben wir beim Beispiel der Vereinten Staaten, wo die Anführer der organisierten Kriminalität um die 10 bis 50 Milliarden USD pro Jahr mit dem Drogenhandel verdienen.

Vorteile der Legalität des Glücksspiels in Deutschland

Genau wie Alkohol und Drogen hat auch das Glücksspiel einen schlechten Ruf. Es wird mit Abhängigkeit, Schulden und kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht. Dabei werden viele Formen dieser Freizeitbeschäftigung seit Jahrhunderten legal angeboten. Eine Art Lotterie, genauer gesagt Keno, wurde beispielsweise in der Han Dynastie eingesetzt, um den Bau der Chinesischen Mauer zu finanzieren.

Auch lokale Spielbanken gehören hierzulande zum Alltag. Der Unterschied hierin zum Online Glücksspiel besteht jedoch darin, dass diese vom Staat angeboten werden und nicht von privaten Unternehmen. Online Casinos mit einer deutschen Lizenz überbrücken diese Diskrepanz jedoch.

Auf der einen Seite ermöglichen sie einen regulierten Raum, in dem Glücksspiel nach Vorgaben des Staates legal und sicher angeboten werden kann. Auf der anderen Seite fließen Profite aus den Online Casinos in Form von Steuergeldern in die Taschen des Staates, in Form von Gehältern in die Taschen der Bevölkerung.

Das legale Angebot des Glücksspiels hat somit zahlreiche Vorteile, mitunter:

  • Reguliertes Angebot, das den Schutz von Spielern ermöglicht
  • Einnahmen durch Steuergeldern
  • Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Einnahmen durch Lizenzkosten
  • Weitere Förderung der Wirtschaft durch z.B. Vermietung von Bürogebäuden
  • Gezielte Datenerhebung um die Auswirkung des Online Glücksspiels auf das Land und dessen Bevölkerung zu messen

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 enthält verpasste Chancen

Da das Glücksspiel in Deutschland nicht explizit verboten war, konnten Spieler auch vor dem GlüStV 2021 Online Casinos und Internet Buchmacher nutzen. Vor allem Anbieter mit einer Lizenz aus anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Malta, waren sehr beliebt. Um die Legalität zu unterstreichen, wurde nämlich auf das EU-Gesetz des freien Waren- und Dienstleistungsverkehr hingedeutet.

Online Casinos sind weiterhin eine rechtliche Grauzone

Während das Angebot von Sportwetten im Internet mittlerweile eindeutig geregelt ist und nur von deutschen Betreibern zur Verfügung gestellt werden darf, ist die Rechtslage in Hinblick auf Online Casinos nach wie vor etwas schwammig. Es gibt zwar immer mehr Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, doch auch ausländische Seiten können noch genutzt werden.

Zu starke Einschränkungen

Aufgrund der sehr strengen Vorgaben sind diese bei deutschen Spielern weiterhin beliebt. Die deutsche Glücksspiellizenz sieht nämlich unter anderem vor, dass nur Online Slots, jedoch keine weiteren beliebten Casino-Spiele wie zum Beispiel Live Dealer oder Tischspiele angeboten werden dürfen. Einsätze sind auf 1 € pro Runde beschränkt und Einzahlungen flächendeckend über alle deutschen Online Casinos hinweg auf 1000 € pro Monat, ganz gleich, ob sich ein Spieler mehr leisten könnte.

Viele Spieler empfinden diese Einschränkungen als staatliche Bevormundung. Zwar ist das Glücksspiel erlaubt, doch nur auf eine Art und Weise, die in der Praxis für wenig Freude sorgt. Das kann genau wie ein Verbot dafür sorgen, dass auf andere Optionen zurückgegriffen wird, die weder der deutschen Wirtschaft noch der Gesellschaft einen Nutzen bringt.

Weiterhin international statt lokal

Zudem werden Lizenzen zwar in Deutschland vergeben, doch viele Betreiber haben ihren Sitz nach wie vor im Ausland. Da hat zum Beispiel die Schweiz eine für die lokale Wirtschaft bessere Lösung gefunden. Online Casinos werden mit entsprechender Schweizer Lizenz zugelassen, die aber nur erworben werden kann, wenn der Betreiber auch im Land ansässig ist.

Nur so können hierzulande Arbeitsplätze geschaffen und von den Vorteilen eines lokal anzutreffenden Unternehmens profitiert werden. Das könnte auch der Talentabwanderung entgegenwirken, die Experten aus dieser Branche seit vielen Jahren in die Ferne ruft.

Natürlich verdient der deutsche Staat seit Einführung einer bundesweiten Lizenz am Online Glücksspiel mehr mit als zuvor, doch einige Chancen wurden mit der aktuellen Gesetzgebung verpasst. Die lokale Wirtschaft könnte durch ein legales, sicheres und vernünftiges Spielangebot noch weiter gefördert werden.


DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach und Ölpreis schießt in die Höhe, da die Spannungen um Hormus steigen
23.04.2026

Ein turbulenter Handelstag wirft Fragen auf: Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte die globalen Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Energiepläne der EU: Unsicherheit im Markt für Solaranlagen und Wärmepumpen
23.04.2026

Die EU-Energiepolitik setzt verstärkt auf Förderprogramme für Wärmepumpen und Solaranlagen, doch in der Installationsbranche wächst...

DWN
Politik
Politik Stopp von kasachischem Öl: Russland stoppt Lieferung zur PCK-Raffinerie in Schwedt
23.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg belastet Energiemarkt: EU reagiert mit Krisenpaket
23.04.2026

Die EU reagiert auf steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs mit einem ersten Krisenpaket und bereitet sich auf politische...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwere Ukraine-Hilfe: EU bricht Blockade und verschärft Sanktionen
23.04.2026

Nach dem Ende des wochenlangen Widerstands aus Ungarn hat die Europäische Union den Weg für ein massives Unterstützungspaket...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Konzern drosselt China-Ziele – Fokus auf Rendite statt Volumen
23.04.2026

Der Volkswagen-Konzern zieht Konsequenzen aus dem schwierigen Marktumfeld in Fernost. Angesichts eines verschärften Preiskampfes und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenmarkt in Deutschland: Ghosting bei Bewerbungen nimmt zu
23.04.2026

Bewerber erhalten einer Umfrage zufolge oft nicht einmal eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Das führt zu Frust und dazu, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektro-SUV Cupra Tavascan im Test: Viel Leistung, solide Reichweite und hoher Preis
23.04.2026

Der Cupra Tavascan positioniert sich als sportlicher Elektro-SUV mit viel Komfort und starker Reichweite. Doch trotz überzeugender Technik...