Deutschland

Bundesrechungshof hält Herauswachsen aus Schulden für unrealistisch

Der Bundesrechnungshof warnt vor einer überbordenden Verschuldung.
08.04.2021 14:15
Aktualisiert: 08.04.2021 14:15
Lesezeit: 1 min

Der Bundesrechnungshof warnt vor einer überbordenden Verschuldung. Ein Herauswachsen aus der Corona-Krise sei nicht realistisch, sagte der Präsident des Bundesrechnungshofes, Kay Scheller, am Donnerstag. Genau das plant Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz aber. Er warnte diese Woche erneut, die staatlichen Corona-Hilfen dürften keinesfalls zu früh zurückgenommen werden.

„Die Bundesfinanzen sind weiter im Klammergriff der Corona-Pandemie“, sagte Scheller. „Die gewaltige Schulden-Lawine verhindert ein Herauswachsen aus dem Defizit. Die Zinsen können nicht weiter fallen und eine Rückkehr zu stetig steigenden Steuereinnahmen wie vor der Krise ist derzeit nicht realistisch zu erwarten.“ Die nächste Regierung werde daher große Probleme erben. Steuerliche Subventionen müssten auf den Prüfstand und bei der Haushaltsaufstellung mehr Prioritäten gesetzt werden, forderte der Bundesrechnungshof.

Tatsächlich stehe der Haushalt aber auf einem schwachen Fundament. „Ein Nachtrag jagt den nächsten. Ohne strukturelle Reformen wird es nicht gelingen, die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie zu beheben.“ Beispielsweise müssten die Corona-Hilfen zielgenauer werden. Vor allem die Finanzlage des Bundes sei besorgniserregend. Von 2020 bis 2022 seien die Kredite von null auf über 450 Milliarden Euro explodiert. „In drei Haushaltsjahren nimmt der Bund mehr neue Kredite auf als in den letzten 20 Jahren zuvor.“

In Deutschland ist die Verschuldung wegen der Corona-Krise bislang von 60 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung auf rund 70 Prozent gestiegen. Damit steht Deutschland deutlich besser da als viele andere Industriestaaten. Der Internationale Währungsfonds rechnet dieses Jahr noch mit einem leichten Zuwachs. In den Jahren danach dürfte die Quote aber nach unten gehen - und 2025 wieder unter 60 Prozent liegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Inflationssorgen spalten die Wall Street
13.05.2026

Während eine überraschende Wirtschaftsentwicklung für Nervosität sorgt, richten Anleger ihre Blicke auf neue Chancen – ein Balanceakt...

DWN
Politik
Politik Versorgungssicherheit im Fokus: Kabinett beschließt Bau neuer Gaskraftwerke
13.05.2026

Um die Stabilität des deutschen Stromnetzes langfristig zu garantieren, hat die Bundesregierung den Weg für eine neue Generation von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sondersteuer für Energiegewinne: Wie die EU-Pläne Europas Energiesektor belasten
13.05.2026

Eine neue Sondersteuer für den Energiesektor könnte die Debatte über hohe Energiepreise in der EU erneut verschärfen. Welche Folgen...

DWN
Politik
Politik Schienenverkehr ohne Grenzen: EU plant Stärkung der Fahrgastrechte bei Fernreisen
13.05.2026

Die Europäische Kommission möchte das Bahnfahren über Ländergrenzen hinweg attraktiver gestalten und den Schutz für Reisende massiv...

DWN
Politik
Politik Wechsel in Stuttgart besiegelt: Cem Özdemir übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten
13.05.2026

In Baden-Württemberg bricht eine neue politische Ära an: Cem Özdemir wurde vom Landtag zum Nachfolger von Winfried Kretschmann gewählt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entlastungsprämie endgültig vom Tisch: DMB begrüßt Aus der 1000-Euro-Prämie
13.05.2026

Nach heftiger Kritik aus Wirtschaft und Ländern ist die geplante Entlastungsprämie endgültig gescheitert. Vor allem mittelständische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
13.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflationsgefahr: Bundesbank-Präsident Nagel stellt Zinserhöhung in Aussicht
13.05.2026

Bundesbankchef Joachim Nagel warnt eindringlich vor einer anhaltenden Teuerungswelle und bereitet die Verbraucher auf weiter steigende...