Technologie

Frankreichs Militär testet Roboter im Häuserkampf

Das französische Militär hat getestet, wie sich eine Reihe von Robotern im Häuserkampf bewähren. Ein Soldat berichtet, dass eine Maschine ihm das Leben gerettet hat.
19.04.2021 16:56
Lesezeit: 3 min
Frankreichs Militär testet Roboter im Häuserkampf
Der Katzenroboter der US-Firma Boston Dynamics hilft den Soldaten. (Screenshot: Ouest-France)

Spot, der vierbeinige Roboter der US-Firma Boston Dynamics, ist äußerst vielseitig einsetzbar. So kam er zum Beispiel im letzten Jahr zum Einsatz, um die Corona-Abstandsregeln durchzusetzen. Nun hat das französische Militär getestet, welche Vorteile der Roboter auf dem Schlachtfeld im Zusammenspiel mit Soldaten bietet.

Der Roboter von Boston Dynamics wurde während einer zweitägigen Trainingsübung zur Aufklärung eingesetzt. Bilder der Übungen wurden von Frankreichs wichtigster Militärschule, der École Spéciale Militaire de Saint-Cyr, auf Twitter geteilt. Die Militärschule beschrieb die Tests als "Sensibilisierung der Kadetten für die Herausforderungen von morgen", zu denen auch die "Robotisierung des Schlachtfelds" gehört.

Laut einem Bericht der französischen Zeitung Ouest-France war Spot einer von einer ganzen Reihe von Robotern, die von den Studenten der französischen Militärschule École Militaire Interarmes getestet wurden. Ziel der Tests sei es gewesen, die Nützlichkeit der verschiedenen Roboter auf den möglichen Schlachtfeldern der Zukunft zu beurteilen.

Michael Perry, Vice President of Business Development bei Boston Dynamics, sagte gegenüber The Verge, dass sein Unternehmen über die Nutzung seiner Roboter durch das französische Militär bescheid wisse. Über den genauen Umfang des Einsatzes sei Bosten Dynamics jedoch nicht informiert worden, da der Roboter vom europäischen Vertreiber Shark Robotics an das Militär ausgeliefert worden sei.

"Beim Häuserkampf ohne Roboter bin ich gestorben"

Während des zweitägigen Einsatzes führten die Soldaten eine Reihe von Szenarien durch, darunter eine Offensivaktion zur Eroberung einer Kreuzung, Defensivaktionen bei Tag und Nacht sowie einen Häuserkampf. Jedes Szenario wurde erst mit Menschen und dann mit Menschen und Robotern zusammen durchgeführt, um zu sehen, welchen Unterschied die Maschinen tatsächlich machen.

Teilnehmer sagen, dass die Roboter dazu beitrugen, die Truppen zu schützen, dass sie aber die Operationen verlangsamten. "Während des Häuserkampfes ohne Roboter bin ich gestorben. Aber ich bin nicht gestorben, als wir den Roboter zuerst eine Erkundung durchführen ließen", sagt ein Soldat. Ein Problem war die Akkulaufzeit von Spot. Offenbar ging ihm während einer Übung der Strom aus.

Der 31 Kilogramm schwere Spot ist mit Kameras ausgestattet und kann ferngesteuert werden. Seine vier Beine ermöglichen es ihm, in einem Gelände zu navigieren, das für Roboter mit Rädern oder Laufflächen eine Herausforderung darstellen würde. Bisher wurde er zur Fernerkundung einer Reihe von Umgebungen eingesetzt, von Baustellen über Fabriken bis hin zu unterirdischen Minen.

Neben Spot testete das französische Militär auch OPTIO-X20, ein ferngesteuertes Panzerfahrzeug mit einer automatischen Kanone, das von der estnischen Firma Milrem Robotics wird, das Radfahrzeug ULTRO zum Transport von Ausrüstung, das von der staatlichen französischen Militärfirma Nexter wird, und das Radfahrzeug Barakuda, das den Soldaten als eine Art fahrbare Panzerung Schutz bieten kann.

Boston Dynamics hat in der Vergangenheit Roboter für die US-Armee entwickelt, die Kooperation aber inzwischen beendet. Spot wird weiterhin von einer Reihe von US-Polizeieinheiten getestet, unter anderem in New York, aber Boston Dynamics hat immer betont, dass seine Maschinen niemals bewaffnet sein werden. "Wir wollen eindeutig nicht, dass irgendein Kunde den Roboter benutzt, um Menschen zu verletzen", sagt Perry.

Tatsächlich verbieten die Geschäftsbedingungen von Spot, dass der Roboter eingesetzt wird, "um eine Person oder ein Tier zu verletzen oder einzuschüchtern, ihn als Waffe zu benutzen oder um eine Waffe zu unterstützen". Aber wird wirklich niemand "verletzt oder eingeschüchtert", wenn ein Roboter den Behörden oder gar dem Militär dabei hilft, Gebäude auszukundschaften?

Perry sagte gegenüber The Verge, dass Bosten Dynamics "noch evaluiert", ob sie künftig bestimmte Einsatzformen durch Kunden im Kriegswesen verbieten werden. Doch manche Einsätze durch das Militär seien durchaus akzeptabel. "Wenn das Militär die Robotik einsetzt, um Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen, dann ist das unserer Ansicht nach eine völlig zulässige Verwendung der Technologie", so Perry.

Weltweit setzen Militärs zunehmend Roboter auf dem Schlachtfeld ein. Ferngesteuerte Drohnen sind bisher das wichtigste Einsatzfeld, aber zum Beispiel werden derzeit auch Roboter getestet, die auskundschaften, vermessen und patrouillieren können. So testet etwa die US Air Force derzeit vierbeinige Roboter der Firma Ghost Robotics, die Spot ähneln. Sie sollen stationäre Überwachungskameras ersetzen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Unternehmen
Unternehmen Vertrauensarbeitszeit: Wann Überstunden erlaubt sind
03.01.2026

Vertrauensarbeitszeit verspricht Freiheit und Flexibilität, doch sie birgt rechtliche Fallstricke. Besonders bei Überstunden herrscht oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Forschungszulage 2026: Bis zu 4,2 Mio. Euro Förderung für Betriebe
03.01.2026

Mit höheren Fördersätzen und pauschalen Gemeinkosten wird die Forschungszulage zu einem der wirkungsvollsten Wettbewerbshebel für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Job Rotation: Wie Unternehmen mit Mitarbeiter-Rotation die Monotonie besiegen
03.01.2026

Arbeitgeber werden permanent vor die Herausforderung gestellt, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn: Viele wünschen sich Weiterentwicklung und...

DWN
Finanzen
Finanzen 4 Kriterien bei der Aktienauswahl: Eine erfolgreiche Strategie für nachhaltige Investments
03.01.2026

Viele Anleger verlieren sich bei der Aktienauswahl in Zahlen und Prognosen, ohne bessere Ergebnisse zu erzielen. Lässt sich der...

DWN
Panorama
Panorama Vorsätze der Deutschen: Mehr Zeit mit Familie und Freunden
03.01.2026

Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen die vergangenen Monate Revue passieren – und fassen neue Vorsätze. Die meisten bleiben dabei den...

DWN
Panorama
Panorama Himmelsspektakel im neuen Jahr: Totale Sonnenfinsternis zieht im August über Europa
03.01.2026

Ein seltenes astronomisches Ereignis wirft seine Schatten voraus: Am 12. August 2026 verdunkelt der Mond weite Teile der Sonne und sorgt...

DWN
Technologie
Technologie KMU und die KI-Frage: Weitertrainieren, proprietär bleiben oder Open Source?
03.01.2026

Nach der Testphase wird es ernst für den Mittelstand. Wer generative KI dauerhaft wirtschaftlich und unabhängig betreiben will, muss...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street beginnt das Jahr 2026 mit einem verhaltenen Anstieg
02.01.2026

Der US-Aktienmarkt startete mit einem moderaten Anstieg in das Jahr 2026, doch blieben die Anleger nach einem starken Jahr vorsichtig und...