Finanzen

Inflationswarnung: Stärkster Anstieg der Erzeugerpreise seit 10 Jahren

Ein wichtiger Inflationsvorbote ist im März stark nach oben ausgeschlagen: Die deutschen Produzenten hoben ihre Preise so stark an wie seit 2011 nicht mehr.
20.04.2021 08:55
Aktualisiert: 20.04.2021 08:55
Lesezeit: 1 min

Ein wichtiger Inflationsvorbote ist im März stark nach oben ausgeschlagen: Die deutschen Produzenten hoben ihre Preise so stark an wie seit rund neuneinhalb Jahren nicht mehr. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte stiegen um 3,7 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Ein größeres Plus gab es zuletzt im November 2011 mit 4,6 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein Plus von 3,3 Prozent erwartet. Gemessen am Vormonat legten die Preise mit 0,9 Prozent ebenfalls kräftiger zu als vorhergesagt. In der Statistik werden die Preise ab Fabrik geführt - also in der Regel bevor die Produkte etwa in den Einzelhandel kommen. Sie geben damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Inflation.

"Damit dürfte das Risiko steigen, dass es am Ende der Pandemie einen Preisschub geben wird, weil dann womöglich der Überwälzungsspielraum schlagartig steigen wird", kommentierte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch den Anstieg. Unternehmen fiele es dann leichter, höhere Kosten auf die Kunden abzuwälzen.

Die führenden Institute rechnen in ihrem Gutachten für die Bundesregierung im laufenden Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,4 Prozent. 2020 lag sie noch bei 0,5 Prozent. Höhere Rohstoffpreise infolge der anziehenden Weltkonjunktur und Sondereffekte wie der Wegfall der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung sowie die Einführung der CO2-Bepreisung in den Bereichen Verkehr und Wärme gelten als Treiber.

Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise waren im März deutlich höhere Kosten für Energie und Vorleistungsgüter. Energie etwa kostete im Durchschnitt 8,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

"Interessant ist indes, dass die Preise für Vorleistungen ebenfalls deutlich steigen", sagte Niklasch. Besonders stark waren die Anstiege bei metallischen Sekundärrohstoffen (+46,8 Prozent), aber auch bei Futtermitteln für Nutztiere (+15,9 Prozent), gesägtem und gehobeltem Holz (+13,9 Prozent) und Metallen (+12,9 Prozent).

Mehr zum Thema:

Die Inflation in der Euro-Zone ist auf dem Vormarsch

Die Kalte Enteignung der Sparer geht in eine neue Runde

Finanz-Insider: Der Euro ist unrettbar verloren

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt im Plus – Fed lässt Leitzinsen unverändert
28.10.2026

Bewegte Märkte an der Wall Street: Welche Faktoren die aktuellen Börsenkurse steuern und was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
28.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: Streit um eidesstattliche Erklärung – Rücktrittsforderungen für Schulze
28.10.2026

Die Debatte über den Umgang mit der AfD wird zur Zerreißprobe für die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt: Aktueller Tiefpunkt ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Banken: Höhere Zinsen dämpfen bereits die Kreditnachfrage
28.10.2026

Vor ihrer Zinssitzung veröffentlichte die EZB einen Bericht über den Stand der Kreditvergabe der Banken. Daraus geht hervor, dass ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber stürzt ab: Schmerzhafte Lektion oder erwartete Chance an einer runden Marke?
28.10.2026

Der Silberpreis ist auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen und liegt inzwischen mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trump kann nur neidisch sein – Präsident Xi ist bereit für eine vierte Amtszeit
28.10.2026

Im kommenden Jahr soll Xi Jinping eine weitere fünfjährige Amtszeit als mächtiger Präsident Chinas erhalten. In dieser Woche treffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Einkommensausfall: Viele Deutsche haben kaum finanzielle Reserven
28.10.2026

Eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur: Für 37 Prozent wären unerwartete 3.000 Euro ein echtes Problem. Besonders junge...

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Dinge, die mir bei Teslas aktuellem Quartalsbericht aufgefallen sind
28.10.2026

Beim Lesen von Teslas aktuellem Quartalsbericht entstand bei mir der Eindruck, es mit zwei getrennten Unternehmen zu tun zu haben. Das eine...