Deutschland

Realitätsverlust oder blanker Hohn? Altmaier lobt Kneipen und Reisebüros für Durchhaltewillen

Bundeswirtschaftsminister Altmaier meint, er sei beeindruckt vom Durchhaltewillen der Modeboutiquen, der Eckkneipen und der Reisebüros. Was er mit dieser kryptischen Aussage bezwecken will, bleibt unklar.
26.04.2021 20:49
Aktualisiert: 26.04.2021 20:49
Lesezeit: 1 min
Realitätsverlust oder blanker Hohn? Altmaier lobt Kneipen und Reisebüros für Durchhaltewillen
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, schaut im Plenum auf sein Handy. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der im Jahr 2012 gefordert hatte, nicht über seine „sexuelle Identität“ definiert zu werden, zollt den tausenden Firmen hierzulande seinen Respekt, die unter den staatlichen Corona-Beschränkungen leiden. „Ich möchte unseren Unternehmen Mut machen, den Modeboutiquen, den Eckkneipen, den Reisebüros. Ihr Durchhaltewillen beeindruckt mich zutiefst. Wir kommen gemeinsam wieder aus dieser Krise raus“, sagte Altmaier den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Er rechne spätestens im Sommer mit einer deutlichen Entspannung.

Es bleibt ungeklärt, ob Altmaier an Realitätsverlust leidet oder seine Worte als blanker Hohn aufzufassen sind. Schließlich wurde beispielsweise das Gastgewerbe durch die Lockdowns in die größte Krise der Nachkriegszeit gestürzt (HIER). Die versprochenen November-Hilfen werden vielerorts erst jetzt ausgezahlt und der aktuelle Bundeslockdown stellt einen weiteren Schlag gegen den deutschen Mittelstand dar.

Wenn man sich die finanzielle Lage der deutschen Unternehmer anschaut, sind viele schwer angeschlagen. Ein hochrangiger Metall-Vertreter hatte zuvor vor einer „tickenden Zeitbombe“ bei den anstehenden Insolvenzen gewarnt. Doch noch dramatischer ist, dass die anstehende Insolvenz-Welle eine Lawine von faulen Krediten nach sich ziehen wird, die in einem Banken-Crash münden würde (HIER).

Laut Experten wird es 2021 eine große Pleitewelle geben – nicht zuletzt wegen der neuen Regeln, die eine Sanierung in Eigenregie ermöglichen. Aber im Grunde sind viele Unternehmen nicht mehr zu retten. Bis zur Bundestagswahl wird die Politik allerdings alles daran setzen, sie am Leben zu halten – dann beginnt das große Sterben (HIER).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie: Warum SAP im KI-Wettlauf plötzlich unter Druck gerät
14.05.2026

SAP steht mit seiner neuen KI-Offensive vor einer Bewährungsprobe, die über Wachstum, Vertrauen der Investoren und die Stärke der...

DWN
Panorama
Panorama ESC gewinnen: Gibt es eine Erfolgsformel für den Eurovision Song Contest?
14.05.2026

Der Eurovision Song Contest begeistert seit Jahrzehnten Europa – doch nach welchen Regeln wird dort wirklich gewonnen? Zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Geothermie: Deutschland bohrt sich frei
14.05.2026

Unter Deutschlands Städten liegt ein gigantischer Wärmespeicher, der kaum genutzt wird. Jetzt drängt die Geothermie in den Mittelpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorge: Wie Pensionsfonds funktionieren und warum Zeit ein Schlüsselfaktor ist
14.05.2026

Die zusätzliche Altersvorsorge gewinnt an Gewicht, da die gesetzliche Rente für viele Menschen den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte
14.05.2026

Ferrari wagt den radikalsten Schritt seiner Geschichte und ersetzt ikonische Motoren durch Strom. Der neue Ferrari Luce soll nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen eBay-Deal sorgt für Zweifel: Warum Michael Burry seine GameStop-Aktien verkauft hat
14.05.2026

Michael Burry zieht bei der GameStop-Aktie die Reißleine, während Ryan Cohen mit eBay den bislang kühnsten Umbau des Konzerns anstrebt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lebenslauf verliert an Bedeutung: Warum sich der Bewerbungsprozess verändert
14.05.2026

Der Lebenslauf gilt für viele Arbeitgeber weiterhin als zentrales Instrument im Bewerbungsprozess und prägt maßgeblich die Auswahl von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktivität durch KI: Nobelpreisträger Philippe Aghion warnt vor Risiken für den Arbeitsmarkt
14.05.2026

Die KI-Revolution verspricht mehr Produktivität, stellt die EU-Arbeitsmärkte aber gleichzeitig vor eine politische Bewährungsprobe. Kann...