Deutschland

Wegen Niedrigzinsen und Krise: Goldschatz der Deutschen ist so groß wie nie

Die Deutschen decken sich vermehrt mit Goldmünzen und Goldbarren ein.
03.05.2021 13:00
Lesezeit: 3 min
Wegen Niedrigzinsen und Krise: Goldschatz der Deutschen ist so groß wie nie
Goldbareen in der Firma Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG in Pforzheim. (Foto: dpa) Foto: Uli Deck

Die Menschen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ihren Goldschatz weiter vergrößert. Die Corona-Pandemie befeuerte die Nachfrage nach dem Edelmetall nochmals, wie Forscher der Steinbeis-Hochschule Berlin für die Reisebank ermittelt haben. Einer repräsentativen Umfrage unter 2.000 Erwachsenen zufolge besitzen Privatleute hierzulande nun die Rekordmenge von 9.089 Tonnen des Edelmetalls. Mehr als die Hälfte davon (5.194 Tonnen) sind Barren und Münzen, knapp 3.900 Tonnen Goldschmuck. Seit der vorigen Erhebung aus dem Jahr 2019 nahm die als Wertanlage angeschaffte Goldmenge der Privathaushalte in Deutschland demnach um 269 Tonnen zu.

Gold sei während der Corona-Krise als sicherer Hafen stark gefragt gewesen, erläutert Studienautor Jens Kleine vom Steinbeis Research Center for Financial Services. Es seien „insbesondere die Suche nach Werterhalt, nach Inflationsschutz und - ganz wichtig - auch der Wunsch, einen realen Wert in der Hand halten zu wollen, die die Nachfrage nach Gold verstärken und es gegenüber anderen Anlageklassen hier in die Pole-Position bringen“, sagt Kleine. Zusammen mit den 3.362 Tonnen der Bundesbank (Ende 2020) sind 6,2 Prozent der weltweiten Vorräte des Edelmetalls in deutschem Besitz. Packte man den kompletten Goldbesitz der Privathaushalte in Deutschland und der Bundesbank von 12.451 Tonnen in einen Würfel, hätte dieser eine Kantenlänge von etwas mehr als 8,6 Metern. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Studie Anfang Februar war dieser Goldschatz 616 Milliarden Euro wert.

„Ganz offenbar setzen die Deutschen im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn sehr gerne auf Gold“, stellt Kleine fest. „Das kann man schon am Goldbestand der Zentralbanken ablesen. Die Bundesbank hält nach den USA den zweitgrößten Bestand weltweit. Und auch in der Krise haben die Deutschen im Vergleich zu den anderen Nachbarn massiv zugekauft.“

Gut zwei Drittel der Bundesbürger (68 Prozent) besitzen der Studie zufolge Gold in Form von Schmuck, Barren oder Münzen oder mittelbar über ein spezielles Wertpapier wie „Xetra-Gold“ oder „Euwax Gold“. Die Deutsche Börse verzeichnete vor allem im ersten Halbjahr 2020 starke Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen, als die grassierende Pandemie an den Aktienmärkten zwischenzeitlich für einen Crash sorgte. Ende Dezember lagerten 216,9 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren des Frankfurter Marktbetreibers und damit 13,7 Tonnen mehr als zu Jahresbeginn 2020. Für jede Xetra-Gold-Anleihe, die Anleger zeichnen, legt die Deutsche Börse ein Gramm des Edelmetalls in ihren Tresor. Überwiegend lassen Anleger das Gold bei der Börse hinter dicken Mauern lagern. 6,8 Tonnen ließen sich Xetra-Gold-Zeichner seit Einführung dieser börsengehandelten Schuldverschreibung 2007 ausliefern. Auch in der Reisebank-Studie gab die Mehrheit der Goldbesitzer an, sie verwahrten ihr Gold im Schließfach bei einer Bank (41,5 Prozent) oder bei einem Edelmetallanbieter (10,7 Prozent). Mehr als jeder dritte Befragte (38 Prozent) jedoch bunkert Barren, Münzen und Co. in den heimischen vier Wänden.

Im Schnitt nennt jeder Deutsche über 18 Jahre der Studie zufolge 56 Gramm Goldschmuck und 75 Gramm des glänzenden Edelmetalls in Form von Barren oder Münzen sein Eigen. Die regionalen Unterschiede sind groß: In Süddeutschland liegen im Schnitt pro Anleger 95 Gramm Gold als Anlage in den Tresoren, in Ostdeutschland sind es 61 Gramm.

Gut drei Viertel (76,6 Prozent) der Befragten beantworteten die Frage, ob sie weiterhin Gold kaufen werden, mit Ja. „Die Nachfrage nach Gold ist im Jahres-Vergleich unverändert sehr hoch“, sagt der Chefhändler der Reisebank, Christof Wilms. „Wir sind in einer Niedrigzinsphase und die Krisen-Indikatoren sind unverändert vorhanden.“

Experten rechnen mit einem tendenziell steigenden Goldpreis - gemessen je Feinunze (31,1 Gramm) - in diesem Jahr: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Goldpreis sein bisheriges Rekordhoch von 2072,50 Dollar überschreitet“, prognostizierte Hans-Günter Ritter, langjähriger Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus, Ende Januar. „Nachdem die Anleger zunächst Schutz in Gold vor den ersten Auswirkungen von Covid-19 gesucht hatten, haben wir im ersten Quartal 2021 einen Ausverkauf beim Goldpreis gesehen, als das Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung wuchs und die US-Zinsen stark anstiegen“, analysierte jüngst Louise Street von der Lobby-Organisation World Gold Council. „Trotzdem behält Gold seine Relevanz in gut ausbalancierten Portfolios, vor allem angesichts des drohenden Inflationsrisikos.“

Das Edelmetall verliert trotz Preisschwankungen seinen Wert auch in Krisenzeiten nie ganz. Allerdings gibt es für Gold weder Zinsen noch Dividenden. In der Summe legen Privathaushalte in Deutschland daher nur ein Bruchteil ihres Vermögens in Gold an. Zum Vergleich: Allein das Geldvermögen der Menschen hierzulande kletterte nach Zahlen der Bundesbank im Jahr der Corona-Krise 2020 auf den Rekordwert von 6,95 Billionen Euro. Berücksichtigt sind dabei Bargeld, Wertpapiere, Bankeinlagen sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen.

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