Deutschland

Schlag gegen Kinderporno-Plattform: Wer befindet sich unter den 400.000 Nutzern?

Der deutschen Polizei war zuvor ein Schlag gegen einen Kinderporno-Ring gelungen. Die betroffene Plattform soll 400.000 Mitglieder haben.
04.05.2021 17:52
Aktualisiert: 04.05.2021 17:52
Lesezeit: 1 min
Schlag gegen Kinderporno-Plattform: Wer befindet sich unter den 400.000 Nutzern?
Eine Polizeibeamtin trägt am 19.05.2011 in Frankfurt am Main (Hessen) am Rande von Spurensicherungsmaßnahmen ihre Dienstwaffe am Gürtel. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Den deutschen Strafverfolgungsbehörden war zuvor ein großer Schlag gegen die weltweite Verbreitung von Kinderpornografie gelungen. Dabei wurden eine der größten kinderpornografischen Plattformen im sogenannten Darknet abgeschaltet und Mitte April vier deutsche Männer festgenommen, wie das Bundeskriminalamt und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Montag mitteilten. Es handele sich um drei mutmaßliche Betreiber und einen Mann, der verdächtigt werde, eines der aktivsten Mitglieder der Plattform „Boystown“ gewesen zu sein. Die Plattform soll seit mindestens Juni 2019 existiert und zuletzt mehr als 400.000 Mitglieder gezählt haben. Auf ihr soll weltweit kinderpornografisches Material ausgetauscht worden sein, hauptsächlich Missbrauchsaufnahmen von Jungen.

Den Festnahmen vorausgegangen seien mehrmonatige Ermittlungen im Rahmen einer durch Deutschland initiierten Task Force unter der Koordination von Europol und Beteiligung von Strafverfolgungsbehörden in den Niederlanden, Schweden, Australien, den USA und Kanada, erklärte das BKA. Insgesamt seien dann Mitte April sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg durchsucht worden. Daraufhin seien die vier Verdächtigen festgenommen worden. In Deutschland seien das ein 40-Jähriger aus dem Kreis Paderborn und ein 49-Jähriger aus dem Landkreis München als mutmaßliche Betreiber und ein 64-Jähriger aus Hamburg, der um Verdacht stehe, über 3.500 Beiträge gepostet zu haben. Ein 58 Jähriger, der aus Norddeutschland stammen und seit mehreren Jahren in Südamerika leben soll, sei zudem ebenfalls als mutmaßlicher Betreiber in Paraguay festgenommen worden. Er soll auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls nach Deutschland ausgeliefert werden.

Wenn diesem gruseligen Netz 400.000 Mitglieder angehören, ist es nicht komplett ausgeschlossen, dass auch namhafte deutsche Politiker oder Prominente dem Netz angehören. Das BKA hätte in solch einem Fall die Pflicht, offenzulegen, wie viele Landes- oder Bundespolitiker diesem Netz angehören. Wie sehr vor allem die Eliten in derartige Netzwerke verstrickt sein können, hatte bereits 2014 der große Missbrauchsskandal in Großbritannien gezeigt, in dem Prominente und Politiker involviert gewesen sind. Darüber hatte unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. „Ein Pädophilenring: unter den Tätern auch Politiker, von der Polizei gedeckt. Es sind unglaubliche Anschuldigungen“, hatte das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) damals berichtet.

Im Februar 2020 wurde enthüllt, dass britische Politiker den sexuellen Missbrauch von Kindern ignoriert und über Jahrzehnte hinweg aktiv Vorwürfe vertuscht haben. In dem offiziellen 173-seitigen Bericht wurde festgestellt, dass mehrere Abgeordnete in den 1970er und 1980er Jahren, darunter Peter Morrison und Cyril Smith, „bekanntermaßen oder angeblich in ihrem sexuellen Interesse an Kindern aktiv waren und in vielerlei Hinsicht vor Strafverfolgung geschützt waren“, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Produktionskosten in Deutschland sind astronomisch
03.09.2026

In den Jahren 2031, 2032 und 2034 sollen Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm geschlossen werden. Dort arbeiten 45.000 Menschen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hoffnung für die Wirtschaft? Ifo erhöht Prognose deutlich
03.09.2026

Die deutsche Wirtschaft kommt überraschend kräftig aus der Krise – doch der Aufschwung hat einen hohen Preis. Das Ifo-Institut hebt...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
03.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Finanzen
Finanzen Niederländische Zentralbank holt 86 Tonnen Gold von USA und Kanada nach Europa
03.09.2026

Die Niederlande ziehen 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa ab und bringen sie nach London. Dahinter steckt die Sorge vor geopolitischen...

DWN
Politik
Politik Neueste Gespräche zwischen USA und Russland irritieren Europa
03.09.2026

Zuletzt schienen die USA beschlossen zu haben, die tief eingeschlafenen Gespräche mit Moskau wiederzubeleben. Zwar liegt über dem Besuch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum die Inflation in Deutschland (bislang) niedriger als im Euroraum ist – und warum das kein Vorteil ist
03.09.2026

Noch steht Deutschland im Vergleich mit vielen europäischen Ländern gut da, was die Inflationsrate angeht. Doch das könnte sich bald...

DWN
Finanzen
Finanzen Chronische Unterfinanzierung der Bahn: Bündnis fordert langfristig mehr Geld
03.09.2026

Der neue Haushaltsentwurf kürzt ausgerechnet die Mittel für Sanierung und Ausbau des Schienennetzes um 1,3 Milliarden Euro....

DWN
Panorama
Panorama Neom: Saudi-Arabien bremst seinen Billionen-Traum
03.09.2026

Saudi-Arabien wollte mit Neom zeigen, wie die Stadt der Zukunft aussieht. Doch nun stockt ausgerechnet das spektakulärste Prestigeprojekt...