Deutschland

AKTUELL: Wegen Halbleiter-Knappheit: Bereitet jetzt auch BMW Produktionsstopps vor?

Der Konzern bestätigt es zwar nicht - aber glaubhaften Informationen zufolge bereitet sich BMW darauf vor, Bänder vorübergehend stillzulegen.
07.05.2021 15:58
Lesezeit: 2 min

Stehen bei BMW Produktionsstopps bevor? Laut einer Konzern-internen Information, die an die Deutschen Wirtschaftsnachrichten durchgesickert ist, soll der Münchener Autobauer aufgrund von fehlenden Halbleitern sowie dem Fehlen eines anderen wichtigen Bauteils die Stilllegung von Fertigungsbändern planen.

Die Automobilwoche veröffentlichte heute einen Artikel mit dem Titel: „Chipmangel: BMW bereitet sich auf weitere Ausfälle vor“. Das „weitere“ bezieht sich auf den zeitweiligen Produktionsstopp in den Werken Regensburg und Oxford, der zwei beziehungsweise drei Tage dauerte.

BMW hatte kürzlich seine Quartalszahlen vorgelegt und in dem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass im ersten Quartal die Versorgung mit Halbleitern aufrechterhalten werden konnte. Die Automobilwoche zitiert Konzern-Chef Oliver Zipse: „"Im zweiten Quartal können wir nicht davon ausgehen, dass wir ganz ungeschoren davonkommen. Wir gehen davon aus, dass es im Produktionsprogramm die eine oder andere Anpassung geben wird.“

Die DWN haben bei BMW nachgefragt. Eine Konzern-Sprecherin teilte mit: „Aufgrund der Verfügbarkeit von Halbleiter-Komponenten wurden bei der BMW Group vereinzelt Anpassungen des Produktionsprogramms vorgenommen. Dank des hoch-flexiblen Produktionssystems der BMW Group und der flexiblen Arbeitszeitmodelle können Anpassungen relativ kurzfristig erfolgen.

In unseren Werken in Oxford und Regensburg wurden vergangene und diese Woche wenige Schichten reduziert. In den weiteren BMW Group Werken läuft die Produktion weiter wie geplant.

Unser Ziel ist es, die Versorgung unserer Werke weiterhin sicherzustellen.

Wir haben das benötigte Volumen für 2021 fristgerecht bestellt und erwarten, dass unsere Lieferanten entsprechend der Bestellungen vertragsgerecht liefern.

Wir beobachten das Thema intensiv und sind hierzu in einem ständigen Austausch mit unseren Lieferanten.“

Eine ganze Reihe der anderen deutschen Autobauer ist durch den Halbleiter-Knappheit bereits dazu gezwungen gewesen, vorübergehende Produktionsstopps durchzuführen. Betroffen sind Daimler, VW, Audi und vor allem Ford – bei den Kölnern haben sich Konzern-Leitung und Betriebsrat auf wochenlange Kurzarbeit geeinigt.

Wie die DWN bereits letzte Woche berichteten, haben primär zwei Faktoren die gegenwärtigen Halbleiter-Knappheit ausgelöst. Zum einen erfuhren Artikel der Unterhaltungselektronik in den vergangenen Monaten aufgrund der pandemiebedingten Schließungen und verstärkter Heimarbeit einen Boom. Ein Großteil der verfügbaren Halbleiterprodukte wurde in dieses Segment geleitet und fehlt nun den Autobauern und anderen Unternehmen. Zum anderen decken sich chinesische Firmen seit einiger Zeit mit den strategisch wertvollen Vorprodukten ein, um mögliche Sanktionen der US-Regierung besser abfedern zu können.

Der Sprecher des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Eckehart Rotter, bezeichnete die Situation letzte Woche als „sehr angespannt“. " Laut ihrem Chefvolkswirt Jens Ulbrich rechne die Bundesbank damit, dass sich die durch die Halbleiter-Knappheit hervorgerufene Problematik im zweiten Quartal eher noch etwas verschärft. Erst „ab der Jahresmitte könnte es sich dann normalisieren."

Der Großteil der Halbleiter wird in China, den USA, Südkorea und vor allem Taiwan – wobei die Insel mittel- oder sogar kurzfristig wieder Teil Chinas werden könnte - produziert. Deswegen fordern immer mehr Akteure, unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dass Europa eine eigene Halbleiter-Fertigung auf die Beine stellt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleiherenditen setzen Aktien weiterhin unter Druck
02.10.2026

Zinsängste und Arbeitsmarktdaten bewegen die Börsen – was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Raffinerien stoppen Exporte: Was passiert mit den Dieselpreisen in Europa?
02.10.2026

Der weltweite Dieselmarkt steht bereits massiv unter Druck. Nun drosseln chinesische Raffinerien ihre Exporte und konzentrieren sich auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor
02.10.2026

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Scandit stoppt Diebstahl an der Selbstbedienungskasse
02.10.2026

Selbstbedienungskassen sparen Personal, öffnen Händlern aber eine teure Schwachstelle: Kunden scannen Waren falsch oder gar nicht. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: VDMA verlangt Importverbote für Risikoprodukte aus China
02.10.2026

Deutschlands Maschinenbauer warnen vor Wettbewerbsnachteilen durch Produkte, die europäische Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen....

DWN
Technologie
Technologie „Völliger Mist“: So fällt die Kritik an Europas Microsoft-Teams-Alternative aus
02.10.2026

Element Pro soll die Kommunikation sicherstellen, falls Microsoft Teams ausfällt. Die Europäische Kommission betreibt die Lösung auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KNDS zwischen Börse und Panzern: Investoren warten, Waffenaufträge wachsen
02.10.2026

Der Börsengang ist vorerst verschoben, die Auftragsbücher dagegen füllen sich weiter. Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bonuszahlungen: Wenn Boni aus dem Ruder laufen
02.10.2026

Bonusprogramme waren früher oft spontane Belohnungen, heute sind sie ein professionelles Steuerungsinstrument für Vorstände und...