Finanzen

Dax bereit für neue Rekorde, Gold schießt auf Dreimonatshoch

Nach den zuletzt heftigen Kursschwankungen haben es Dax-Investoren zum Wochenanfang wieder ruhiger angehen lassen. Turbulenter ging es bei Gold und Bitcoin zu.
17.05.2021 18:43
Aktualisiert: 17.05.2021 19:43
Lesezeit: 3 min
Dax bereit für neue Rekorde, Gold schießt auf Dreimonatshoch
Aussagen von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock setzten am Montag dem Luftfahrtsektor zu. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Knapp unter dem Dax-Rekordhoch hat die Anleger am Montag der Mut verlassen. Analyst Konstantin Oldenburg von CMC Markets sprach von moderaten Gewinnmitnahmen, nachdem sich der deutsche Leitindex in nur zwei Tagen um bis zu über 650 Punkte erholt hatte.

Gleich zum Börsenstart hatte sich der Dax bis auf knapp 20 Punkte an seine erst einen Monat alte Bestmarke herangerobbt. Mehr war nach den jüngsten Gewinnen aber nicht drin - zum Schluss eines lethargischen Handelstages wiesen die Kurstafeln ein Minus von 0,13 Prozent auf 15 396,62 Punkte aus. Kaum besser schlug sich der MDax der mittelgroßen Unternehmen, der letztlich 0,05 Prozent auf 32 124,23 Punkte verlor.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verabschiedete sich 0,26 Prozent tiefer bei 4006,84 Zählern. In Paris und London standen ebenfalls moderate Verluste zu Buche. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stand zum europäischen Handelsende etwa ein halbes Prozent im Minus.

Nun müssten die Investoren auf die nächsten positiven Impulse warten, die den Dax über sein bisheriges Rekordhoch tragen könnten, so CMC-Experte Oldenburg weiter. "Das Fundament für die Fortsetzung der Rally zumindest wurde mit dem erneuten Test der Unterstützungszone bei 14 800 Punkten in der vergangenen Woche gelegt".

Unter Druck standen Aktien aus dem Luftfahrtsektor. Im MDax zählten die Titel des Flughafenbetreibers Fraport und der Fluggesellschaft Lufthansa mit Abschlägen von jeweils rund zwei Prozent zu den größten Verlierern, Börsianer brachten dies in Zusammenhang mit Aussagen der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die sich für eine Abschaffung von Kurzstreckenflügen und gegen billige Ticketpreise ausgesprochen hatte. Auch verschreckten Sorgen über eine hochansteckende Variante des Coronavirus die Anleger in Reiseaktien europaweit.

Die Aktien des Flugzeugbauers Airbus büßten über zweieinhalb Prozent ein - hier belastete zudem die Ankündigung der deutschen Belegschaften sowie der Gewerkschaft IG Metall, Umbauplänen die "rote Karte" zeigen zu wollen. Die Titel des Triebwerksbauers MTU verloren als Dax-Schlusslicht 2,8 Prozent.

Die Anteilsscheine von Bayer konnten ihr Minus bis zum Handelsende auf rund ein halbes Prozent eindämmen. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern musste einen erneuten Rückschlag in einem zweiten US-Berufungsverfahren wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat hinnehmen. Ein Händler urteilte, dies sei wieder ein Dämpfer für die Anlegerhoffnungen, die Rechtsrisiken zu begrenzen.

Die Aktien der Deutschen Telekom profitierten hingegen von einem positiven Analystenkommentar: Sie stiegen als einer der besten Dax-Werte um mehr als zweieinhalb Prozent, nachdem Simon Coles von der britischen Investmentbank Barclays sie auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel auf 23 Euro angehoben hatte. Er zeigte sich für die heimischen Großhandels-Sparte, in der die Bonner die Geschäfte mit anderen Telekommunikationsanbietern oder Wiederverkäufern bündeln, optimistischer als bisher. Zudem könnten die Anleger mittelfristig wohl auf höhere Dividenden hoffen.

Die im Nebenwerte-Index SDax gelisteten Papiere von Eckert & Ziegler reagierten mit einem Kursgewinn von 1,8 Prozent auf die jüngste Geschäftsentwicklung des Medizintechnik-Unternehmens. Im laufenden Jahr sind die Aktien bereits um mehr als 70 Prozent nach oben geschnellt. Eckert & Ziegler profitierte im ersten Quartal vom Verkauf seiner Tumorbestrahlungssparte: Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt.

Am deutschen Anleihemarkt lag die Umlaufrendite stabil bei minus 0,20 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 143,88 Punkte. Der Bund-Future fiel zuletzt um 0,27 Prozent auf 168,87 Zähler.

Der Euro war zuletzt 1,2156 US-Dollar wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs davor auf 1,2143 (Freitag: 1,2123) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8235 (0,8249) Euro gekostet.

Gold auf Dreimonatshoch, Bitcoin unter Druck

Die anhaltenden Inflationssorgen und ein Rückgang der Renditen von US-Staatsanleihen ließen den Goldpreis mit 1861 Dollar pro Feinunze auf den höchsten Wert seit dreieinhalb Monaten steigen. "Es gibt eine Flucht aus den Aktienmärkten in die Sicherheit und die Erwartung, dass die Inflationszahlen auch in Zukunft viel stärker ausfallen werden", sagte Jeffrey Sica, Gründer von Circle Squared Alternative Investments.

Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen fielen auf den niedrigsten Stand seit fast einer Woche. Auch die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Bundesanleihe ging auf minus 0,128 Prozent zurück, blieb aber in Reichweite ihres jüngsten Zwei-Jahres-Hochs.

Bei den Kryptowährungen sorgte Elon Musk erneut für Aufregung. Mit einem Tweet schürte der Tesla-Chef Spekulationen, dass der Elektroautobauer seine milliardenschweren Investitionen in Bitcoin zurückfahren oder auflösen könnte und schickte damit digitale Währungen auf Talfahrt. Auch wenn Musk einen Tweet hinterher schob und damit klarstellte, keine Bitcoin verkauft zu haben, blieben Bitcoin & Co unter Druck. Bitcoin notierte 13 Prozent niedriger bei 43.000 Dollar, Ether verbilligte sich um 18 Prozent auf 3267 Dollar. Damit liegt die größte digitale Währung Bitcoin rund ein Drittel unter dem Mitte April erzielten Rekordhoch.

Mehr zum Thema: Inflations-Angst: Bitcoin und Gold existieren außerhalb des Fiat-Geldsystems

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