Deutschland

Autofahrer: Klimavorgaben werden verschärft, Spritpreise werden drastisch steigen

Union und SPD wollen die Klimavorgabe für Treibstoffe noch einmal über die bisherigen Regierungspläne hinaus verschärfen. Eine ganz bestimmte Lobby hat ein großes Interesse daran.
18.05.2021 16:28
Aktualisiert: 18.05.2021 16:28
Lesezeit: 1 min

Union und SPD wollen die Klimavorgabe für Treibstoffe noch einmal über die bisherigen Regierungspläne hinaus verschärfen. Der bereits vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf des Umweltministeriums soll im Bundestag noch einmal deutlich verändert beschlossen werden, wie der Änderungsantrag der Koalition zeigt, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. Demnach soll die Minderung von Treibhausgasen in Kraftstoffen nun bis 2030 auf 25 Prozent angehoben werden. Die Regierung hatte bisher lediglich 22 Prozent vorgesehen. Dies könnte Benzin oder Diesel noch einmal verteuern. Zudem soll diese sogenannten Minderungsquote schon früher und damit gleichmäßiger über die Jahre von den derzeit rund sechs Prozent ansteigen. Der Anteil des umstrittenen Palmöls soll dabei auf dem Stand von 2019 eingefroren und 2023 gar nicht mehr angerechnet werden. Im Regierungsplan war dies erst für 2026 vorgesehen.

Nach Angaben aus Koalitionskreise sollte das Vorhaben noch am Dienstag in den Fraktionen beschlossen und dann am Donnerstag im Bundestag zur Abstimmung gestellt werden.

An der Verschärfung hatte sowohl die Biokraftstoffindustrie ein Interesse, aber auch von anderen Wirtschaftsverbänden gibt es Unterstützung. Auch Strom für E-Autos wird mit angerechnet. Vor allem wird sich davon versprochen, dass neue Kraftstoffe auf Basis von Wasserstoff so schneller in den Markt kommen und Produktionsanlagen im großen Stil aufgebaut werden. Eine gerade aus der Autoindustrie geforderte Unterquote für sogenannte E-Fuels, also synthetischer Sprit häufig mit Einsatz von Wasserstoff hergestellt, ist dagegen nicht vorgesehen. Die Autoindustrie wollte damit eine Perspektive für Verbrenner mit deren Einsatz schaffen.

Mit der Treibhausgas-Minderungs-Quote setzt Deutschland die Vorgaben der EU-Erneuerbaren-Richtlinie (RED II) um, geht aber über deren Vorgaben hinaus. Mineralölunternehmen müssen den Treibhausgas-Ausstoß ihrer Kraftstoffe um den Wert der Quote mindern, indem sie etwa Biokraftstoffe beimischen. Da diese derzeit kaum zur Verfügung stehen und zudem vergleichsweise teuer sind, dürfte sich der Druck auf die Spritpreise noch erhöhen. Umweltschützer wiederum sehen trotz des Palmöl-Verbots die Gefahr, dass anderer Biosprit mit Einsatz von Getreide zuviel Raum bekommt und etwa zur Rodung von Wäldern in Entwicklungländern führt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Morningstar-Analyse zum Iran-Krieg: Steigender Ölpreis belastet Weltwirtschaft
05.03.2026

Die Finanzmärkte reagieren bislang gelassen auf den Krieg gegen den Iran, doch eine Morningstar-Analyse warnt vor möglichen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten schlagen Alarm: Straße von Hormus könnte monatelang blockiert werden
05.03.2026

Experten warnen, dass Iran die für den globalen Ölhandel zentrale Straße von Hormus über längere Zeit unter Druck setzen könnte. Wie...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld-Reform beschlossen: Strengere Regeln für 5,5 Millionen Empfänger
05.03.2026

Der Bundestag zieht die Zügel beim Bürgergeld deutlich an: strengere Regeln, härtere Sanktionen, mehr Druck zur Arbeitsaufnahme....

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank macht Verlust von 8,6 Milliarden Euro
05.03.2026

Die Bundesbank schreibt erneut Milliardenverluste, eine Auszahlung an den Bund bleibt aus. Die Geldpolitik der EZB hinterlässt tiefe...