Finanzen

Platzt die Börsen-Blase? DWN rechneten im Dezember 2020 mit einem Crash im zweiten Quartal 2021

Die internationalen Börsen schnellen von einem Rekordhoch zum nächsten. Einige Analysten befürchten mittlerweile, dass die aktuelle Spekulationsblase platzen könnte. Genau davor hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten bereits am 10. Dezember 2020 gewarnt. Allerdings gibt es auch Gegenstimmen.
29.05.2021 14:39
Aktualisiert: 29.05.2021 14:39
Lesezeit: 3 min
Platzt die Börsen-Blase? DWN rechneten im Dezember 2020 mit einem Crash im zweiten Quartal 2021
Die Spekulationsblase an den Börsen könnte bald platzen. (Foto: dpa) Foto: epa Yonhap

Folgt auf die längste Börsen-Hausse der Geschichte eine der kürzesten? Über diese Frage zerbrechen sich die Experten die Köpfe, während Dax, Dow Jones & Co von Rekordhoch zu Rekordhoch eilen. Einige von ihnen trauen dem Braten nicht und warnen vor einem nahenden Kursabschwung. „Wir befürchten zunehmend, dass des kurzfristig zu einem Rückschlag kommt“, sagt etwa Grace Peters, Anlagestrategin bei der Bank JPMorgan. Die Börsen hätten sich ungewöhnlich rasch vom Coronavirus-Schock erholt, berichtet „Hellenic Shipping News“.

So notiert der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 derzeit etwa 24 Prozent über seinem Hoch, das er unmittelbar vor dem von der Pandemie ausgelösten Börsencrash im Februar 2020 erreicht hatte. Im Nachklang der Finanzkrise dauerte es etwa fünf Jahre, bis der Markt sich ähnlich stark erholt hatte. Der europäische breit gefasste Stoxx600 liegt derzeit zwar nur drei Prozent über seinem Rekord vom Februar 2020. Aber auch bei ihm hatte die vergleichbare Erholung nach 2008 ähnlich lang gedauert wie bei seinem US-Pendant. Der Dax brauchte wegen der europäischen Schuldenkrise sogar fast zehn Jahre, bis er genauso viel zugelegt hatte wie in der jüngsten Rally. Die Ausführungen von Peters und weiteren Analysten sind deshalb so interessant, weil die Deutschen Wirtschaftsnachrichten bereits am 10. Dezember 202o für das zweite Quartal 2021 (frühestens im April 2021) einen Börsen-Crash prognostiziert hatten. In der Analyse heißt es: „Es ist immer falsch, den Teufel an die Wand zu malen. Doch zu Beginn oder im Verlauf des zweiten Quartals 2021 könnte es an den US-amerikanischen Börsen gewaltig krachen. Können Sie sich vorstellen, dass der S&P 500, der Dow Jones und der Nasdaq binnen kürzester Zeit um 30, 40 oder sogar 50 Prozent abrutschen? Doch genau das wird meines Erachtens mit einer hohen Wahrscheinlichkeit passieren, denn die Kursgewinne an den Börsen stehen in einem Missverhältnis zur wirtschaftlichen Realität. Die Steigerungen sind schlichtweg disproportional. Wenn dieses Szenario eintreten sollte, würden die europäischen Börsen dies sehr deutlich zu spüren bekommen. Ein Domino-Effekt würde in erster Linie die Börsen in Südeuropa (Italien, Spanien und Griechenland) plus der Türkei hart treffen.“

Der „Bullenmarkt“ zwischen 2009 und 2020 bescherte dem weltweiten Aktienmarkt ein Kursplus von 237 Prozent und war der längste der Geschichte. Der Bulle steht an der Börse für steigende Kurse. Darauf folgte ein Rekord-„Bärenmarkt“, der durch einen Kursrückgang von mindestens 20 Prozent definiert wird. Durch den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie und den weltweiten wirtschaftlichen Stillstand stürzten die Börsen vergangenes Jahr weltweit binnen vier Wochen um rund ein Drittel ab. Seither geht es fast ununterbrochen bergauf. Im Schnitt summiert sich das Plus der weltweiten Aktienmärkte im Vergleich zu den Tiefs von 2020 auf 73 Prozent. Die Marktkapitalisierung wuchs um insgesamt 42 Billionen Dollar. Das entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA, Chinas, Japans und Deutschlands zusammengerechnet.

Diese Rally hat auch das sogenannte KGV in die Höhe getrieben. Dieses Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn je Aktie ist für Börsianer ein wichtiger Gradmesser bei der Beurteilung, ob ein Papier überteuert und reif für eine Korrektur ist. Mit etwa 21 liegt das durchschnittliche KGV aller 500 S&P-Werte derzeit knapp unter dem Niveau der Dotcom-Blase vom Jahrtausendwechsel. Stoxx600 und Dax sind davon zwar noch weiter entfernt, aber auch ihre KGVs liegen über dem langjährigen Mittel von jeweils etwa 15.

Ein noch deutlicheres Warnsignal für eine Spekulationsblase liefert einer Studie des Vermögensverwalters Kleinwort Hambros zufolge das um Konjunkturzyklen bereinigte KGV – auf englisch abgekürzt CAPE. Seit 1870 hätten Börsenhaussen im Schnitt mit einem CAPE von 11,5 begonnen und bei etwa 20 geendet. Die aktuelle Rally sei im März 2020 mit einem CAPE-Wert von 24,8 gestartet und liege jetzt bei 37.

Einige Experten widersprechen der Analyse der Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Sie bezweifeln die Aussagekraft der aktuellen Zahlen. Schließlich lagen die Zinsen Anfang 2020 bereits nahe ihren aktuellen Rekordtiefs und seitdem wurden billionenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt. Deshalb hinkten Vergleiche zu früheren Börsenzyklen. Beziehe man diese Faktoren mit ein, erschienen Aktien selbst bei den aktuellen KGVs kaum überteuert.

Fahad Kamal, Chef-Anleger von Kleinwort Hambros, weist zudem darauf hin, dass sich der Konjunktur- und der Börsenzyklus, die sich üblicherweise im Gleichklang bewegen, voneinander abgekoppelt hätten. Die Aktienkurse seien schon weit gelaufen, während der Wirtschaftsaufschwung noch am Anfang stehe. Eine Straffung der geldpolitischen Zügel durch die Notenbanken sei zwar ein Risiko für den Aktienmarkt. Bei einer kräftigen Konjunkturerholung werde dieser Effekt aber idealerweise ausgeglichen.

Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, bestehe kein Grund zur Besorgnis, wirft Norman Villamin, Chef-Anleger des Vermögensverwalters UBP ein. Die Erfahrung seit der Finanzkrise zeige, dass die Notenbanken rasch mit neuen Geldspritzen auf jede Verlangsamung der Erholung reagierten. „Wir befinden uns noch recht am Anfang des Börsenzyklus.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert
13.02.2026

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und...

DWN
Politik
Politik Kakaopreis unter Druck: Schwache Nachfrage und wachsende Lagerbestände belasten den Markt
13.02.2026

Der Kakaopreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen, weil steigende Produktion und schwächere Nachfrage den...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: Umweltminister kritisiert US-Pläne zur Lockerung von Klimaregeln
13.02.2026

Die US-Umweltbehörde will eine zentrale Regel zur Regulierung von Treibhausgasen aufheben. Bundesumweltminister Schneider nennt das...

DWN
Politik
Politik Bürokratie-Debatte der EU: Von der Leyen kritisiert nationale Auflagen
13.02.2026

Der Streit über Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit in der EU verschärft sich, nachdem Ursula von der Leyen die Mitgliedstaaten in die...

DWN
Finanzen
Finanzen Pfandbriefbank-Aktie stürzt auf Rekordtief: Immobilienkrise belastet länger als erwartet
13.02.2026

Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) findet keinen Boden. Trotz des teuren Rückzugs aus dem US-Markt zwingt die schleppende Erholung der...

DWN
Politik
Politik NATO-Einsatz über Island: Deutsche Eurofighter starten zur Arktis-Mission
13.02.2026

Deutschland verstärkt seine Präsenz im hohen Norden. Wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie Zukunftspessimismus die Wirtschaft bremst
13.02.2026

Ein düsterer Blick in die Zukunft und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung belasten den Standort Deutschland immer stärker. Laut...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau-Jobs in Gefahr: Deutscher Anlagenbau baut 22.000 Stellen ab
13.02.2026

Die anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt der deutschen Schlüsselindustrie. Im Jahr 2025 ist die Zahl...