Deutschland

Bundeswehr: Einsatzbereitschaft der Waffensysteme steigt auf 76 Prozent

Die Einsatzbereitschaft von 71 Hauptwaffensystemen der Bundeswehr ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Bei "marktverfügbaren Lkw" liegt die Einsatzbereitschaft sogar bei über 90 Prozent.
31.05.2021 15:50
Lesezeit: 2 min
Bundeswehr: Einsatzbereitschaft der Waffensysteme steigt auf 76 Prozent
Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr wird entladen. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Die Einsatzbereitschaft von 71 Hauptwaffensystemen der Bundeswehr ist nach Zahlen aus dem Verteidigungsministerium leicht gestiegen. Nach einem am Montag veröffentlichten Bericht liegt sie nun bei 76 Prozent, nach gut 70 Prozent im Vorjahreszeitraum. Sorgen bereiten alte Systeme, die bald ausgemustert werden sollen, aber auch neu eingeführte Hightechlösungen. Spitzenwerte erreicht die Bundeswehr - wenig erstaunlich - bei "marktverfügbaren Lkw", wie sie in ähnlicher Bauart auch zivil über deutsche Straßen rollen und allein im vergangenen Jahr mit mehr als 2200 Stück an die Truppe gingen. Hier liegt die Einsatzbereitschaft bei über 90 Prozent.

Dagegen bleiben vor allem die Hubschrauber technische Sorgenkinder, auch wenn deren Einsatzbereitschaft nun "erstmalig über 40 Prozent" beträgt. In dem Bericht werden "vereinzelt positive Tendenzen" ausgemacht. Jedoch: "Bei den alten Hubschraubern gelingt nur noch unter großen Anstrengungen ein operativer Flugbetrieb. Eine Neubeschaffung der Folgemuster ist zwingend erforderlich."

Bei einem zweiten Problemfall - dem Schützenpanzer Puma - wurden laut Bericht "sichtbare Fortschritte" erreicht: Die materielle Einsatzbereitschaft habe durchschnittlich 54 Prozent betragen und in der Spitze 60 Prozent. Dafür habe die Bundeswehr mit der Industrie zahlreiche Maßnahmen in einer Zielvereinbarung festgeschrieben.

"Unsere Benchmark von 70 Prozent durchschnittlicher materieller Einsatzbereitschaft übertrafen 44 Hauptwaffensysteme, 11 lagen unter 50 Prozent (davon 7 Altsysteme)", heißt es in dem Bericht, der den Zeitraum November 2020 bis April 2021 betrachtet und aus einem öffentlichen und einem geheimen Teil besteht.

Die durchschnittliche materielle Einsatzbereitschaft von Kampffahrzeugen liege nun bei 71 Prozent, für Kampfeinheiten der Marine bei 75 Prozent, für die Kampf- und Transportflugzeuge bei 64 Prozent, für alle Unterstützungsfahrzeuge - gemeint sind Logistik, Sanität und die Cybertruppe CIR - bei 80 Prozent, heißt es in dem Papier.

Auch die Behebung lange bekannter Probleme holt die Bundeswehr ein, weil nun Maschinen nachgebessert werden müssen. Ein Beispiel ist das Transportflugzeug A400M, wo 16 von 36 Maschinen betroffen sind. "Die Auslieferungen erfolgten mit zahlreichen technischen Mängeln, die zusätzliche Kontrollen/Inspektionen erfordern", heißt es. Zudem führten fehlende Ersatzteile und Wartungskapazitäten zum Stau bei erforderlichen Inspektionen, sodass zahlreiche A400M auf Abruf in die Instandsetzung warteten.

"Ich möchte verhindern, dass bei einzelnen Waffensystemen nahezu jedes zweite Einzelsystem statt in der Truppe für Ausbildung und Übung in Umrüstungsmaßnahmen oder aufwendigen Instandsetzungen bei der Industrie steht", erklärte dazu Generalinspekteur Eberhard Zorn, ranghöchster Soldat der Bundeswehr. Er verwies auch auf die besondere Belastung, die sich für die Bundeswehr aus der Amtshilfe in der Corona-Pandemie ergeben habe. Das wirkte sich auf Übungen und Wartungspausen aus. Das Material wurde reduziert eingesetzt und somit geringer beansprucht. Gleichzeitig wurden die Standzeiten vermehrt zur vorbeugenden Instandhaltung und Schadensbehebung genutzt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Direktinvestitionen. Europas neue Angst vor China-Geld
27.05.2026

China investiert so viel wie nie in Europas Schlüsselindustrien. Ausgerechnet jetzt verschärft die EU ihre Regeln für ausländische...

DWN
Finanzen
Finanzen Immer mehr Superreiche: Börsenboom treibt Reichtum - kommt die Vermögenssteuer?
27.05.2026

Die Gruppe Superreicher ist in Deutschland 2025 sprungartig um fast 30 Prozent gewachsen. 5.000 Menschen besitzen ein Viertel des gesamten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Ein spürbarer Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist weiter nicht in Sicht - im Gegenteil: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einführung: Erfolg entscheidet sich im Mindset, nicht im Code
27.05.2026

Bei der Implementierung von KI denken viele zunächst an die technischen und datenschutzrechtlichen Komponenten. Doch der eigentliche...

DWN
Politik
Politik Kindergeld 2027: Regierung will Familien entlasten - was sich ändert
27.05.2026

Die Geburtenrate befindet sich in Deutschland auf einem historischen Tiefstand. Viele können sich Kinder nicht mehr leisten, trotz Eltern-...