Politik

Bloomberg-Analyst vergleicht „Great Reset“ mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Bloomberg-Analyst Barry Ritholtz schreibt in einem Artikel unter dem Titel „How to Navigate the Great Reset“, dass die Auswirkungen der aktuellen Pandemie der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ähneln. „Die engste Parallele ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die zu massiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen führte“, so Ritholtz.
01.06.2021 09:51
Aktualisiert: 01.06.2021 09:51
Lesezeit: 3 min
Bloomberg-Analyst vergleicht „Great Reset“ mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Berlin im Jahr 1945. (Foto: Rare Historical Photos)

„In den USA gehen die Sperren der Pandemie zu Ende, und mit ihnen hat eine massive wirtschaftliche Erholung begonnen. Die engste Parallele ist die Nachkriegszeit. Diese Zeit führte zu einem massiven gesellschaftlichen ,Reset‘ in Bezug auf Beschäftigung, Wohnen, Infrastruktur, Löhne und Finanzmärkte – genau wie jetzt“, so Barry Ritholtz in einem Beitrag von „Bloomberg“ (HIER ein Video).

Ritholtz wörtlich: „Berücksichtigen Sie die Umstände beider Zeiträume. Die Nation wird von einem furchterregenden Feind in schwierige Umstände gezwungen. Engpässe sind an der Tagesordnung. Die Regierung und der Privatsektor konzentrieren sich darauf, genügend Munition zu beschaffen, um diesen Feind zu besiegen. Arbeiter sind beurlaubt, die Menschen haben Angst, auch wenn sich die Wirtschaft zu erholen beginnt. Es braucht Zeit, aber bald ist der Sieg nah. Die Wiedereröffnung beginnt mit steigender Inflation, punktueller Rohstoffknappheit, Wohnungsnot, Schwierigkeiten bei der Suche nach Arbeitskräften und einem sehr schwierigen Übergang, da Fabriken und Büros Schwierigkeiten haben, neu zu starten und in eine normalere Umgebung zurückzukehren. Nennen Sie es den ,Great Reset‘. Ob Aktienkurse, Anleiherenditen, das Primat der Städte, Inflation, Löhne, Wohnen, Büroräume, Regierung, Politik, Technologie, Kryptowährungen und sogar der Lebensstil – es gibt keinen Bereich, der nicht zurückgesetzt (,Reset‘, Anm.d.Red.) wird. Wenn wir die Nachkriegszeit als nützliche Analogie verwenden, können wir einige Annahmen darüber treffen, wie der Normalzustand in einer Wirtschaft nach der Pandemie aussieht und wie das nächste Jahrzehnt im Vergleich zum letzten Jahrzehnt aussehen könnte.“

Anschließend geht der Analyst dazu über, die Bedeutung dieses „Resets“ für die einzelnen Branchen zu umschreiben. Das Buch „Winner-Take-All Society“ von Robert H. Frank und Philip J. Cook sei erstmals 1995 veröffentlicht worden. Es beschreibe eine „kopflastige Wirtschaft“. „Ritholtz meint: „Damals hatten die 50 größten Unternehmen der Welt einen Gesamtwert von etwa fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Heute machen die 50 größten Unternehmen 28 Prozent des weltweiten BIP aus. Kann das Große noch größer werden? Das ist schwer zu ergründen, aber es war sicherlich der jüngste Trend.“

Über den Immobilienmarkt schreibt er: „Die steigenden Eigenheimpreise sind zum Teil auf die Finanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt zurückzuführen. Das fehlende Angebot ist darauf zurückzuführen, dass der Wohnungsneubau nach der Krise eingebrochen ist und sich erst seit kurzem wieder erholt. Es kann ein Jahrzehnt dauern, bis das Angebot an neuen Wohnungen die Nachfrage einholt. Die Erschwinglichkeit bleibt für junge Familien ein Thema. Nach einigen Schätzungen haben wir in größeren Städten etwa 20 Prozent überschüssige Bürofläche. In diesen Metropolregionen gibt es auch die teuersten Wohnungen des Landes zum Kauf oder zur Miete. Eine naheliegende Lösung bietet sich an: die überschüssige Bürofläche in Wohnraum umzuwandeln, junge Arbeiter anzuziehen und dabei die Nachbarschaften zu revitalisieren. Denken Sie daran, wie sich die Viertel rund um die Wall Street und das World Trade Center verändert haben.“

Über das Problem der Inflation führt er aus: „Mit der Nachkriegszeit als Orientierungshilfe sollten wir mit Rohstoffknappheit, Herausforderungen bei der Einstellung, steigenden Löhnen und einem Anstieg der Inflation rechnen. Wir sollten jedoch auch davon ausgehen, dass dies nur vorübergehender Zustand sein wird, da mehr Produktionen online gehen und sich der Markt dreht, um die erhöhte Nachfrage zu befriedigen. Anstelle einer anhaltenden Inflation könnte dies ein kurzer, scharfer Neustart nach oben sein (…) Die Wiedereröffnung nach der Pandemie mag in Bezug auf Veränderungen nicht so bedeutend sein wie die Nachkriegszeit, aber sie wird immer noch sehr bedeutsam sein.“

Aus den Ausführungen von Ritholtz geht hervor, dass wir vor großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen stehen, die real sind. Einen Vergleich zum Zweiten Weltkrieg hatte im April 2020 auch der renommierte ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger gezogen. Kissinger hatte zu Beginn der Corona-Pandemie gesagt, dass die Menschen sich nach der Pandemie auf eine „neue Weltordnung“ einstellen müssen. Das Pandemie-Jahr 2020 verglich er mit dem Jahr 1944 – als die Ardennen-Offensive der deutschen Streitkräfte gegen die Alliierten stattfand (HIER).

Mehr zum Thema:

Der „Great Reset“ ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine Realität

Der „Great Reset“ ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine Realität – Teil 2

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Ukraine-Hilfe: Deutschland gibt 250 Millionen Euro für Energie-Reparaturen
03.09.2026

Deutschland unterstützt die Ukraine erneut mit einer hohen Millionensumme beim Wiederaufbau beschädigter Energieinfrastruktur. Mit...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt: Diese neuen Steuern liegen auf dem Tisch
03.09.2026

Die EU braucht Geld für den nächsten Siebenjahreshaushalt und für die Rückzahlung der Corona-Schulden. Deshalb liegen nun acht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunktur: Licht am Ende des Tunnels? Ende der vierjährigen Flaute rückt näher
03.09.2026

Nach Jahren der Schwäche kommt überraschend Optimismus für die deutsche Wirtschaft auf. Führende Institute heben ihre Prognosen für...

DWN
Politik
Politik Goethe-Institute vor dem Aus: Moskau verschärft Konflikt mit Berlin
03.09.2026

Nach der Schließung des Russischen Hauses in Berlin droht Moskau mit der Schließung der Goethe-Institute in Russland. Außenminister...

DWN
Politik
Politik KI und Jobs im Umbruch: SPD sucht Antworten auf die Arbeitswelt von morgen
03.09.2026

Die SPD-Bundestagsfraktion will klären, wie Politik auf den schnellen Wandel durch Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt reagieren...

DWN
Panorama
Panorama Strom, Bahn, Flughafen: 10 Fälle von Sabotage in Deutschland
03.09.2026

Anschläge und Anschlagsversuche auf Stromnetze, Bahnstrecken und Flughäfen sind in Deutschland keine Thriller-Fantasien mehr. Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
03.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland baut 5000 Kampfdrohnen für die Ukraine
03.09.2026

Deutschland startet die Serienproduktion Tausender Kampfdrohnen für die Ukraine. Die Waffen sollen weitreichend sein, elektronischen...