Politik

In Istanbul wurde das West-Nil-Virus entdeckt

Mediziner der Universität Istanbul teilen mit, dass bei diversen verstorbenen Vögeln das West-Nil-Virus entdeckt wurde. Das Virus kann durch Mücken auf Menschen übergehen. Allerdings berichtet das RKI: „Die Infektionen verlaufen überwiegend klinisch unauffällig. Etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa 3–6 Tage andauert. Die Inkubationszeit beträgt 2–14 Tage.“
05.06.2021 14:23
Aktualisiert: 05.06.2021 14:23
Lesezeit: 2 min
In Istanbul wurde das West-Nil-Virus entdeckt
Eine asiatische Buschmücke sitzt am 23.09.2005 auf einem Finger. Diese Mücke verbreitet sich in Deutschland, vorallem im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz und ist Überträger des in Einzelfällen tödlichen West-Nil-Virus. (Foto: dpa) Foto: James Gathany

Der Mediziner von der Universität Istanbul, Prof. Dr. Hüseyin Yılmaz, hat am Samstag mitgeteilt, dass bei Obduktionen an 36 Vögel im Großraum Istanbul bei acht Krähen und einer Echten Elster das West-Nil-Virus entdeckt wurde. Das West-Nil-Virus behülltes ist ein RNA-Virus des Typs ss-RNA aus der Familie Flaviviridae. „Von toten Vögeln sollte Abstand genommen werden“, zitiert der türkische Sender „NTV“ Yılmaz. Die Universität Istanbul beobachtet die Situation seit einem Jahr.

„Unsere Bürger sollten nicht glauben, dass das Virus direkt von Vögeln auf Menschen übertragen wird. Allerdings ist Vorsicht geboten. Wenn beispielsweise Kleinkinder tote Vögel mit ihren Händen berühren, um ihre Hände anschließend im Mundbereich zu betätigen, kann es zu Infektionen kommen. Das Virus wird über den Blutweg übertragen – beispielsweise über offene Stellen an den Händen oder am Körper. Doch die Hauptübertragung läuft über Mücken, die zuvor das Blut von infizierten Vögeln absorbiert haben, um anschließend auf menschliche Körper andocken“, zitiert die Zeitung „Sözcü“ den Mediziner.

Stechmücken hätten das Potenzial, andere Lebenswesen mit über 50 Virenarten zu infizieren. Dazu gehöre auch das West-Nil-Virus. „Hauptsächlich wird das Virus von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus aber auch auf Säugetiere (v.a. Pferde) oder Menschen übertragen. Vektoren sind verschiedene Stechmücken, aber die auch deutschlandweit verbreiteten Culex-Mücken gelten als Hauptvektoren. Im Gegensatz zu Vögeln (Amplifikationswirte) sind Menschen und Pferde Fehlwirte, mit nur niedriggradiger Virämie, und somit selbst keine Virusquelle für Mücken. Häufig dienen Häufungen toter Vögel und erkrankte Pferde als Auslöser dafür, die Fallsuche auch auf Menschen auszudehnen“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit.

Über den klinischen Verlauf der Krankheit berichtet das RKI: „Die Infektionen verlaufen überwiegend klinisch unauffällig. Etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa 3–6 Tage andauert. Die Inkubationszeit beträgt 2–14 Tage. Der Krankheitsbeginn ist abrupt mit Fieber (teilweise biphasisch), Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Bei etwa 50% dieser Erkrankten findet man ein blasses, makulopapulöses Exanthem, das sich vom Stamm zum Kopf und zu den Gliedmaßen ausbreitet. Nur etwa jede 100. infizierte Person – erkranken schwer an einer neuroinvasiven Form der Erkrankung. Bei einem Teil dieser Patienten tritt eine zumeist gutartige Meningitis auf. In seltenen Fällen entwickelt sich eine Enzephalitis. Mögliche Symptome sind dann mentale Veränderungen, Muskelschwäche, schlaffe Lähmungen, Ataxie, extrapyramidale Symptome, Optikusneuritis und Veränderungen der anderen Hirnnerven, Polyradikulitis, epileptische Anfälle. Selten wurden Entzündungen des Herzens oder der Leber beobachtet. Das West-Nil-Fieber heilt in der Regel komplikationslos aus, bei Enzephalitis-Patienten sind Spätfolgen jedoch relativ häufig (etwa 50%). Ca. 5–10% der Patienten mit einer neuroinvasiven West-Nil-Erkrankung sterben, vor allem Ältere und Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung oder einer Immunsuppression.“

Zur Situation in Deutschland führt das RKI aus: „In Monitoring-Programmen untersuchen das Bernhard-Nocht-Institut und das Friedrich-Loeffler-Institut gemeinsam mit Veterinärbehörden schon seit längerem Wildvögel und Stechmücken auf WNV. In den Sommermonaten 2018, 2019 und 2020 – während der Mückensaison – wurden WNV-Funde (Subtyp 2) bei Vögeln und Pferden berichtet, überwiegend in Ostdeutschland. Eine Übersicht der Funde bei Tieren ist auf den West-Nil-Virus-Seiten des FLI zu finden. Offensichtlich zirkuliert das Virus zumindest regional zwischen Mücken und Vögeln. 2019 wurden erste in Deutschland durch Mücken übertragene Fälle von West-Nil-Fieber bekannt: Die betroffenen Personen waren im Spätsommer 2019 in Ostdeutschland erkrankt. Auch im Spätsommer 2020 wurden einzelne Fälle in Ostdeutschland berichtet (siehe Epid Bull 36/2020 und Epid Bull 37/2020). Da nur ein kleiner Teil der Infizierten Symptome zeigt und nur etwa einer von 100 Infizierten schwer erkrankt, ist davon auszugehen, dass es weitere nicht-diagnostizierte Infektionen gab.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie KI und digitale Steuerberatung: Der Gamechanger für den deutschen Mittelstand

Die Digitalisierung verändert die deutsche Wirtschaft in rasantem Tempo. Während große Unternehmen bereits seit Jahren auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trump-Zölle: Wie Washington Europas Exporte ins Visier nimmt
04.06.2026

Donald Trump ist mit seinen alten Zöllen juristisch gescheitert. Nun versucht Washington es erneut und setzt auf den Vorwurf der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen SpaceX will bei Rekord-Börsengang 75 Milliarden Dollar einsammeln
04.06.2026

Die Raumfahrtfirma SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk erzielt bislang vergleichsweise geringe Umsätze und schreibt tiefrote Zahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ukraine als Innovationsstandort: Kann das Land zum europäischen Kalifornien werden?
04.06.2026

Die Ukraine kämpft nicht nur um Territorium, sondern auch um ihre wirtschaftliche Zukunft. Aus Drohnen, KI-Technologien und Wiederaufbau...

DWN
Politik
Politik Welche Konsequenzen hat Deutschlands Scheitern beim UN-Sicherheitsrat?
04.06.2026

Deutschland wollte zurück an den Tisch der Weltpolitik – und scheiterte überraschend deutlich. Nun wächst der Druck auf Kanzler Merz...

DWN
Politik
Politik Deutsche Migrationspolitik: Zahl der Einbürgerungen steigt auf Höchststand
04.06.2026

Noch nie seit Beginn der Statistik haben sich in Deutschland mehr Menschen einbürgern lassen als 2025. Es ist der fünfte Anstieg in...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Energiewelle rollt an: Warum Öl, Gas und grüne Energie zugleich gewinnen könnten
04.06.2026

KI, Rechenzentren und der Hunger nach Strom verändern die globalen Energiemärkte grundlegend. Ein britischer Großinvestor sieht eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Korea-Aktien im Rausch: Warum Anleger jetzt Asien feiern
04.06.2026

Erst eroberte K-Pop die Welt, nun ziehen Korea-Aktien die Anleger in ihren Bann. Samsung und SK Hynix treiben einen Markt nach oben, der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Rallye an der Wall Street endet, da Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis in die Höhe treiben
03.06.2026

Lesen Sie, welche überraschenden Wendungen die Finanzmärkte in Atem halten und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.