Finanzen

DWN-Börsenausblick: Dax-Schwergewichte und US-Banken müssen im Juli wieder neue Impulse geben

Lesezeit: 5 min
30.06.2021 16:30  Aktualisiert: 30.06.2021 16:30
Der abgelaufene Monat Juni verlief nicht sonderlich erfolgreich, auch wenn der Dax zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch aufgestellt hat. Denn im Großen und Ganzen hat der Markt seitwärts tendiert.
DWN-Börsenausblick: Dax-Schwergewichte und US-Banken müssen im Juli wieder neue Impulse geben
Gegen Ende des Monats Juli gibt es wichtige Zahlenpräsentationen. (Foto: dpa)

Die Dax-Schwergewichte Daimler, SAP und BASF und die US-Banken mit ihren Quartalsergebnissen: Das sind die wichtigsten Ereignisse im kommenden Monat Juli, die für Bewegung an den Märkten sorgen könnten.

Während bei den deutschen Konzernen ganz klar zu sehen ist, wie sie sich schrittweise vom vergangenen Horror-Jahr erholen, haben die US-Banken immer noch damit zu tun. Das geht zumindest aus den Schätzungen der Analysten hervor.

Inwieweit ihre Erwartungen getroffen werden, wird entscheidend sein, in welche Richtung sich das deutsche Leitbarometer entwickelt.

Gibt es vielleicht doch wieder neue Rekorde oder ist die Party jetzt wirklich vorbei?

Derzeit sieht es so aus, als wisse der Dax nicht, wohin. Denn das deutsche Leitbarometer hat im abgelaufenen Juni überwiegend seitwärts tendiert und ist schließlich bei Niveaus jenseits von 15.530 Zählern gelandet.

Es gab zwar Mitte des Monats mit 15.802 Punkten einen neuen Rekord, doch richtig überzeugend war dies nicht. Danach hat sich der Index kaum entwickelt.

Ansonsten dürfte die US-Fed ihre aktuelle Null-Zinspolitik wohl kaum so schnell ändern, obwohl die Inflation zwischenzeitlich stark gestiegen ist. Die Notenbank hat ihre Politik vor einigen Wochen nur dahingehend korrigiert, dass die Zinserhöhungen früher als erwartet erfolgen könnten. Jetzt sind sie der Bank zufolge bereits 2023 möglich, nachdem sie zuvor von einem Termin im Jahr 2024 gesprochen hatte.

Analysten: Daimler schreibt wieder kräftig schwarz

Während von der US-Fed nur wenig Impulse zu erwarten sind, könnten wichtige Dax-Werte wie Daimler für neuen Schwung an den deutschen Märkten sorgen. So präsentiert der deutsche Autobauer am 21. Juli seine Ergebnisse fürs zweite Quartal. Die Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,84 Euro. In Vorjahreszeitraum hatte es noch ein Minus von 1,87 je Papier gegeben. Die Erlöse werden wohl bei fast 42,1 Milliarden Euro gelegen haben. Im Krisenjahr hatten noch 30,2 Milliarden Euro in den Büchern gestanden.

Der Kurs hat in vergangenen vier Wochen zwei Prozent auf Werte um 75 Euro verloren, kann also positive Impulse gut gebrauchen.

Am selben Tag publiziert mit SAP ein weiteres Dax-Schwergewicht seine Zweitquartalsergebnisse, das allerdings im Gegensatz zu Daimler kaum vom Fleck gekommen sein dürfte. Der Gewinn je Aktie hat wohl bei 1,19 Euro gelegen, mutmaßen die Analysten. Zwölf Monate zuvor hat das Plus noch 1,17 Euro betragen. Die Erlöse dürften im zweiten Quartal 2021 6,6 Milliarden Euro erreicht haben. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 6,7 Milliarden Dollar gewesen, also etwas weniger.

Viele Analysten hatten Deutschlands größten Software-Konzern voreilig bejubelt, weil sie damit gerechnet hatten, dass SAP indirekt von der Pandemie profitiert. Denn viele Kunden würden verstärkt auf die Digitalisierung setzen, was dem Konzern zugutekomme, hieß es. Doch hatten die Experten sich verkalkuliert, und die zusätzlichen Einnahmen aus den Digitalisierungsprojekten sind dann doch nicht zustande gekommen. Letztlich ist der Konzern ähnlich wie abhängig von der Gesamtkonjunktur, die nicht durch die Krise weiter unter Druck gestanden hat.

So hat die SAP-Aktie im Juni etwa ein Prozent auf Niveaus um 142 Euro verloren, sich also etwas schlechter als der Markt entwickelt.

BASF steigt dann am 28. Juli ins Rennen um die Publikation der Quartalsergebnisse ein: Die Analysten gehen davon aus, es einen Gewinn je Aktie von 1,63 Euro gegeben hat. Zwölf Monate zuvor standen lediglich 25 Cent in den Büchern. Die Umsätze haben wahrscheinlich um fast 40 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro verbessert, glauben die Experten. Dabei hat der BASF-Kurs im Juni 1,1 Prozent auf Werte um 66 Euro eingebüßt.

Südzucker performt besser als der Markt

Die Präsentationen deutscher Unternehmen sind ansonsten nur sehr rar gesät. Zu den wenigen gehört der SDAX-Wert der Südzucker AG, die am 8. Juli an die Anleger herantritt. Es geht um das erste Geschäftsquartal, das am 31. Mai geendet hat.

Die Schätzungen liegen bei 25 Cent je Aktie. Die Erlöse dürften wohl um 0,4 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro gestiegen sein. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten mit einem Plus je Aktie von 80 Cent. Die Erlöse werden wohl bei etwas mehr als sieben Milliarden Euro gelegen haben, also nur wenig mehr als noch zwölf Monate zuvor.

Der Kurs sich im Juni etwa ein Prozent auf Werte um 13,50 Euro nach vorne geschoben hat. Zum Vergleich: Der SDAX hat im selben Zeitraum 2,8 Prozent verloren, folglich wesentlich mehr.

Goldman Sachs im Plus, JPMorgan und Bank of America schwächeln

In den USA gewähren wichtige Banken Einblicke in ihre Bücher: So wird am 13. Juli Goldman Sachs, dessen Kurs im Juni um 2,2 Prozent auf Werte 372 Dollar gestiegen ist, ihre Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen. Die Analysten gehen von einem Plus von 9,44 Dollar aus. Zwölf Monate zuvor hatte es noch einen Gewinn von 6,26 Dollar gegeben. Die Erlöse haben im zweiten Quartal 2021 wohl bei 11,827 Milliarden Dollar gelegen, glauben die Experten. Im Vorjahreszeitraum hatte das Niveau noch 13,295 Milliarden Dollar betragen.

Danach folgt am selben Tag JPMorgan Chase, das im zweiten Geschäftsquartal wahrscheinlich einen Gewinn je Aktie von 3,10 Dollar erwirtschaftet hat. Damit rechnen jedenfalls die Analysten. Zwölf Monate zuvor gab es noch ein Plus von 1,38 Dollar. Die Umsätze lagen wahrscheinlich bei 29,948 Milliarden Dollar, während im Vorjahreszeitraum noch 33,8 Milliarden Dollar betragen hatten. Die Gewinne sollen also steigen. Und das, obwohl die Erlöse zurückgehen. Das Management hat offenbar aus der Krise seine richtigen Schlüsse gezogen und das Unternehmen effizient restrukturiert.

Der Kurs entwickelt sich allerdings anders als bei Goldman Sachs. So hat die Aktie im Juni ein Minus von fast vier Prozent auf Niveaus um 154 Dollar hinnehmen müssen.

Darüber hinaus tritt am 14. Juli die Bank of America (BoA) an die Anleger heran. Die Analysten rechnen damit, dass das Finanzinstitut einen Gewinn je Aktie von 77 Cent erwirtschaftet hat. Zwölf Monate zuvor hatte das Plus noch bei 37 Cent gelegen. Die Erlöse haben den Schätzungen zufolge wohl bei 21,9 Milliarden Dollar gelegen. Im Vorjahreszeitraum hat das Unternehmen noch Volumina von 22,3 Milliarden Dollar erreicht. Der Kurs hat sich im Juni um ein Prozent auf Werte um 41 Dollar verringert.

Zusätzlich tritt am 14. Juli die City-Group in Erscheinung. Die Experten gehen davon, dass der Gewinn je Aktie im zweiten Quartal bei 2,03 Dollar gelegen hat. Zwölf Monate zuvor betrug das Plus noch 50 Cent. Die Umsätze haben wohl bei 17,6 Milliarden Dollar gelegen, glauben die Fachleute. Im vergangenen Jahr haben die Volumina noch 19,8 Milliarden Dollar betragen. Die Aktie hat fast acht Prozent auf Niveaus unter 70 Dollar verloren.

Am 15. Juli informiert Morgan Stanley die Anleger, wie sich die Geschäfte im zweiten Quartal entwickelt haben. Die Analysten gehen davon aus, dass der Gewinn je Aktie bei 1,65 Dollar je Papier gelegen hat. Die Umsätze haben den Erwartungen zufolge wohl 14,1 Milliarden Dollar betragen, während sie zwölf Monate zuvor noch bei 13,4 Milliarden Dollar gelegen haben. Die Aktie von Morgan Stanley hat einen Gewinn von etwa zwei Prozent auf Niveaus um 90 Dollar erzielt.

General Electric wohl wieder im Plus, Apple explodiert um 50 Prozent

Am 16. Juli zeigt sich der Weltkonzern General Electric den Börsianern. Es geht ebenso um die Ergebnisse im zweiten Quartal. Die Analysten rechnen damit, dass der Gewinn je Aktie bei vier Cent gelegen hat. Zwölf Monate zuvor hatte es noch ein Minus von 15 Cent gegeben. Der Erlöse haben wohl 18,2 Milliarden Dollar betragen, glauben die Fachleute. Im Vorjahreszeitraum standen noch 17,8 Milliarden Dollar zu Buche. Der Kurs hat im Juni vier Prozent auf Werte um 13 Dollar eingebüßt.

Am 19. Juli tritt IBM an die Anleger heran. Die Analysten rechnen damit, dass das Unternehmen im zweiten Quartal ein Plus von 2,31 Dollar erreicht hat. Zwölf Monate zuvor hatte es noch einen Gewinn von 2,18 Dollar gegeben. Die Umsätze haben wahrscheinlich 18,3 Milliarden Dollar betragen, sagen die Experten. Zwölf Monate zuvor waren es noch 18,1 Milliarden Dollar gewesen. Der Aktienkurs hat im Juni vier Prozent auf 146 Dollar gewonnen.

Apple zeigt sich am 27. Juli den Anlegern. Die Analysten glauben, dass im zweiten Quartal die Ergebnisse bei 0,99 Dollar gelegen haben. Zwölf Monate zuvor freuten sich die Börsianer noch über 0,65 Dollar. Das wären mehr als die Hälfte des Gewinns, den Apple im Corona-Krisenjahr erreicht hatte. Und auch bei den Erlösen hat es wohl einen erheblichen Sprung gegeben. So gehen die Analysten von einem Volumen von 72,5 Milliarden Dollar aus. Damit hätte sich die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent verbessert. Der Aktienkurs hat satte zwölf Prozent auf 136 Dollar gewonnen, sich also von allen Weltaktien am besten entwickelt.

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