Deutschland

IG Metall: Autobauer missbrauchen Klima-Vorschriften, um Mitarbeiter loszuwerden und Werke zu schließen

Die IG Metall geht einem ungeheuren Verdacht nach.
01.08.2021 10:00
Aktualisiert: 01.08.2021 10:00
Lesezeit: 1 min
IG Metall: Autobauer missbrauchen Klima-Vorschriften, um Mitarbeiter loszuwerden und Werke zu schließen
Angestellte mit Mundschutzen arbeiten an der Montagelinie im portugiesischen Autowerk von Volkswagen Autoeuropa. (Foto: dpa) Foto: Pedro Fiuza

Die IG Metall warnt vor einem massiven Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie im Zuge verstärkter Klimaschutz-Anstrengungen. „Wir beobachten, dass viele Unternehmen das Anziehen der Klimaschutzvorgaben für eine verschärfte Restrukturierung missbrauchen“, sagte Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag) laut Vorab-Bericht. Diese Entwicklung sei gekennzeichnet durch Pläne für Standort-Verlagerungen in sogenannte Best-Cost-Länder vor allem in Osteuropa.

„Wir erleben schon jetzt, dass Standorte noch einmal richtig ausgepresst werden mit neuen Schichtsystemen und Wochenendarbeit. Die Leute werden nicht weiter qualifiziert, sie sollen einfach fallengelassen werden, weil bereits feststeht, dass der Standort in zwei, drei Jahren dichtgemacht wird.“

Um einen Kahlschlag bei den Jobs vor allem bei Autozulieferern und in der Stahlbranche zu verhindern, fordert die IG Metall den Ausbau der Mitbestimmung und ein Recht auf mehr Qualifizierung sowie mehr staatliche Hilfen. „Wir brauchen ein festgeschriebenes Recht auf Qualifizierung“, sagte Köhlinger dem RND. „Es kann nicht sein, dass ein Unternehmer nach Gutsherrenart entscheidet, wer sich qualifizieren darf und wer nicht.“ Wichtig sei außerdem, dass Qualifizierung immer vor der Entlassung kommen müsse.

Daimlers Konzernchef Ola Källenius stimmt die Belegschaft unterdessen auf einen Beschäftigungsabbau im Zuge der Transformation zur Elektromobilität in den kommenden zehn Jahren ein. „Man muss auch ehrlich mit den Menschen sein: Die Montage eines Verbrennungsmotors bringt mehr Arbeit mit sich als der Bau einer Elektroachse“, sagte Källenius der Zeitung Welt am Sonntag. „Selbst wenn wir den kompletten elektrischen Antriebsstrang selbst bauen würden, werden wir Ende der Dekade weniger Menschen beschäftigen.“

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