Politik

US-Geheimdienste uneinig zu Ursprung des Corona-Virus

Unter amerikanischen Geheimdiensten herrscht Uneinigkeit hinsichtlich des Ursprungs des Coronavirus. Die US-Regierung fordert mehr Transparenz von China. Peking wiederum fordert eine Untersuchung der Vorfälle rund um das US-Militärlabor Fort Detrick.
30.08.2021 14:00
Lesezeit: 2 min
US-Geheimdienste uneinig zu Ursprung des Corona-Virus
Eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des «U.S. National Institute of Health» zeigt das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) (orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt. (Foto: dpa) Foto: ---

Die US-Geheimdienste sind sich nach mehrmonatiger Prüfung weiter uneinig über den Ursprung des Coronavirus. Ob das Virus aus einem Labor stamme oder von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sei, sei offen, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Beides seien "plausible Hypothesen". "Wir kommen zu dem Schluss, dass das Virus nicht als biologische Waffe entwickelt wurde", hieß es weiter. Konsens gebe es auch darüber, dass die chinesischen Behörden vor dem ersten Ausbruch von Covid-19 keine Kenntnis von dem Virus gehabt hätten.

Mehrere Geheimdienste vermuten, dass das Coronavirus vom Tier auf den Menschen übertragen worden sei - allerdings mit niedriger Sicherheit. Ein Mitglied des Geheimdienstapparates sprach sich mit "moderatem Vertrauen" dafür aus, dass der Ursprung des Virus mit einem Laborvorfall zusammenhängen könnte. Weitere Mitglieder der Geheimdienste hingegen konnten keine der beiden Theorien ausschließen.

Wenn keine weiteren Informationen zur Verfügung gestellt würden, sei eine genauere Schlussfolgerung nicht möglich, hieß es weiter in dem Papier. Dafür brauche man vor allem die Unterstützung Chinas. "Peking behindert jedoch weiterhin die globalen Ermittlungen, weigert sich, Informationen auszutauschen und beschuldigt andere Länder, darunter auch die Vereinigten Staaten."

China verweigert sich hinsichtlich einer Offenlegung gegenüber den US-Geheimdiensten unter Verweis auf seine Souveränität und den bisher bereits erfolgten WHO-Untersuchungen. Peking fordert zudem, dass die Unregelmäßigkeiten im amerikanischen Militärlabor Fort Detrick, welche eine zeitweise Schließung des Labors zur Folge hatten, zunächst Gegenstand der US-Untersuchung sein sollten. Die USA verweigern eine derartige Untersuchung. "Es gibt viele Zweifel über Fort Detrick - und die USA haben mehr als 200 biologische Labore in der Welt", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, Ende Mai. "Wie viele Geheimnisse halten die USA zurück?" Wenn die USA China aufforderten, sich an einer umfassenden Untersuchung zu beteiligen, fordere China seinerseits die USA auf, dem chinesischen Beispiel zu folgen und internationale Ermittlungen zuzulassen.

Wie die New York Times berichtete, wurde der Forschungsbetrieb im Labor Fort Detrick im August 2019 eingestellt, weil eigenen Angaben zufolge kontaminiertes Abwasser nicht mehr sicher entsorgt werden konnte. Das Labor wird vom Militär genutzt und beheimatet unter anderem das United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID).

US-Präsident Joe Biden hatte im Mai amerikanische Geheimdienste damit beauftragt, dem Ursprung der Corona-Pandemie auf den Grund zu gehen. Er hatte diese damals angewiesen, binnen 90 Tagen einen weiteren Bericht dazu vorzulegen. In einem ersten Bericht waren die Geheimdienste bereits zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. "Die Welt verdient Antworten, und ich werde nicht ruhen, bis wir sie bekommen", reagierte Biden auf den neuesten Bericht. Daher werde man China auch weiter dazu drängen, entsprechende Informationen bereitzustellen. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte mehrmals öffentlich behauptet, dass das Coronavirus aus dem chinesischen Virenlabor in Wuhan stamme. Belege lieferte der ehemalige Präsident nicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Er war Spitzenmanager bei der NATO, jetzt hat er zehn Milliarden Euro für eine entscheidende Aufgabe bekommen
01.10.2026

Europa besitzt nur einen Bruchteil der weltweiten KI-Rechenleistung und liegt bei führenden Modellen weit hinter den USA und China. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...