Deutschland

Fünf Tage Streik ab Donnerstag: Weselsky legt die Deutsche Bahn schon wieder lahm

Eskalation zur Ferienzeit: Bahnkunden müssen sich von Donnerstag an auf den bislang längsten Streik dieser Tarifrunde einstellen. Unklar bleibt, ob sich Gewerkschaftsboss Weselsky mit seiner Aktion wirklich nur für die Lokführer einsetzt, oder sich gegenüber der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft profilieren möchte. Auf jeden Fall ist der Streik eine schlechte Nachricht für alle Demonstranten.
30.08.2021 21:09
Aktualisiert: 30.08.2021 21:09
Lesezeit: 3 min
Fünf Tage Streik ab Donnerstag: Weselsky legt die Deutsche Bahn schon wieder lahm
Claus Weselsky (r), Bundesvorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, gibt am Ostbahnhof ein Statement ab und spricht zu streikenden Lokführern. (Foto: dpa) Foto: Wolfgang Kumm

Eskalation zur Ferienzeit: Bahnkunden müssen sich von Donnerstag an auf den bislang längsten Streik dieser Tarifrunde einstellen. Für fünf Tage will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Bahnverkehr lahmlegen, wie ihr Vorsitzender, Claus Weselsky, am Montag in Frankfurt am Main sagte. Erst am Dienstag (7.9.) um 2.00 Uhr soll demnach Schluss sein. Damit ist beim dritten Streik innerhalb weniger Wochen nun im Personenverkehr auch ein Wochenende betroffen. Im Güterverkehr sollen die GDL-Mitglieder schon am Mittwochabend die Arbeit niederlegen.

Der Arbeitskampf wird neben hunderttausenden Pendlern wieder auch zahlreiche Reisende treffen. Die Urlaubssaison läuft noch, in Sachsen und Thüringen enden am Wochenende die Schulferien.

„Es ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich“, sagte Weselsky. „Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen.“ Niemand solle glauben, dass die GDL nicht auch längere Streiks könne, betonte er. Einen unbefristeten Arbeitskampf schloss Weselsky zunächst allerdings aus. „Unsere Botschaft an die Bahnreisenden ist, dass es uns leid tut, dass wir in einen dritten Arbeitskampf gehen.“ Empören sollten sich die Reisenden aber nicht über die Gewerkschaft, sondern über das Management der Bahn. Es habe kein neues Tarifangebot vorgelegt.

Die Deutsche Bahn kündigte am Montag an, auch im dritten Streik „ein verlässliches Mobilitätsangebot“ von rund einem Viertel der üblicherweise geplanten Züge im Fernverkehr zu machen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll es demnach erneut ein Grundangebot von 40 Prozent der Züge geben.

„Wer kann, sollte seine Reise auf die Zeit vor oder nach dem Streik verschieben“, teilte der Konzern mit. Reisende könnten Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben. Auch eine Erstattung sei möglich.

Die Lufthansa kündigte an, wegen des Streiks bei der Bahn ab Donnerstag größere Flugzeuge einzusetzen. Die Flugfrequenz erhöhen wolle der Konzern aber nicht, sagte eine Sprecherin.

Erst in der Nacht zu Mittwoch vergangener Woche war der jüngste Streik zu Ende gegangen. Am Tag danach lief der Verkehr wieder weitgehend normal.

Nach der Ankündigung des ersten Streiks hatte der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mitgeteilt: „Mit seinem Konfrontationskurs gefährdet GDL-Chef Weselsky vorsätzlich die Gesundheit von Bahnreisenden. Wer in Zeiten von Corona Fahrgäste in hoffnungslos überfüllte Züge zwingt, nur um sich gegenüber einer konkurrierenden Gewerkschaft zu profilieren, handelt unethisch. Dazu kommt der wirtschaftliche Schaden von mindestens 100 Millionen Euro je Streiktag. Herr Weselsky sollte sein unverantwortliches Spiel mit dem Feuer sofort beenden und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die Bahn sollte prüfen, inwieweit er und seine Gewerkschaft für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden können.“ Die Beschäftigten bei der Deutschen Bahn und den verbundenen Unternehmen sind teilweise auch in der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) organisiert.

Im Tarifkonflikt gab es seit dem ersten Streik keine Annäherung mit dem Management. In Interviews der vergangenen Tage hatte Bahnchef Richard Lutz die Gewerkschaft aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dem GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky warf er zugleich vor, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten. Die Worte des Konzernchefs gingen ihm „gelinde gesagt am Steiß vorbei“, erwiderte Weselsky am Montag.

Der Fahrgastverband Pro Bahn warf der Gewerkschaft vor, mit ihrem Streikrecht nicht mehr behutsam genug umzugehen. Sie schade dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende, sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann. „Ich kenne genügend Leute, die sagen: Wenn das so weitergeht, dann war's das mit Bahnfahren.“

Die Bahn will zwar die Löhne und Gehälter wie von der GDL gefordert um 3,2 Prozent erhöhen. Umstritten ist jedoch, zu welchen Zeitpunkten die einzelnen Stufen greifen sollen und wie lange der neue Tarifvertrag gelten soll. Die GDL will eine Laufzeit von 28 Monaten. Das Bahnangebot liefe auf 40 Monate hinaus. „Das ist ein vollkommen anderer Tarifabschluss“, betonte Weselsky.

Aufgerufen ist erneut nicht nur das Personal in den Zügen, etwa Lokführerinnen und Lokführer, sondern auch Beschäftigte in der Infrastruktur.

Die GDL will damit ihren Einfluss unter den Beschäftigten in Konkurrenz zur EVG ausweiten. Sie sieht ihre Stärke vor allem durch das sogenannte Tarifeinheitsgesetz gefährdet. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. Aus Sicht der Deutschen Bahn ist das in einem Großteil der rund 300 Bahn-Unternehmen die EVG. Die GDL zweifelt das an.

Eine weitere Folge des Streiks dürfte sein, dass die Ansammlungen bei den Demonstrationen, die aktuell bundesweit stattfinden, drastisch zurückgehen werden.

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