Finanzen

Mit einem Goldstandard wäre Corona anders verlaufen

Nur ein reines Fiat-Geldsystem ermöglicht extrem hohe staatliche Ausgaben. Dies zeigen nun erneut die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise. Letztere wäre anders verlaufen, wenn es heute noch einen Goldstandard geben würde.
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02.10.2021 11:54
Aktualisiert: 02.10.2021 11:54
Lesezeit: 4 min
Mit einem Goldstandard wäre Corona anders verlaufen
Lesen Sie in unserer Serie das Für und Wider des Goldstandards. (Foto: dpa) Foto: DB Bundesbank

Anlässlich des 50-jährigen Jahrestags des sogenannten Nixon-Schocks – der US-Präsident hob einseitig den Vertrag von Bretton Woods auf und beendete so die Bindung des Dollars ans Gold – ist eine erneute Diskussion ausgebrochen: Der historische Schritt Nixons wird von seinen Befürwortern vehement verteidigt und von seinen Kritikern aufs Schärfste verurteilt. Während erstere das Ende des Goldstandards von Bretton Woods als eine Befreiung des Dollars und der gesamten Weltwirtschaft vom Gold betrachten, sehen die anderen darin nicht nur einen eklatanten Vertragsbruch, sondern vor allem auch eine Ermächtigung der großen Zentralbanken zum Gelddrucken, das zu einer massiven Bereicherung des oberen ein Prozent der Bevölkerung auf Kosten der Mittelschicht geführt hat.

Beide konträren Positionen werden in diesem Heft vorgestellt – das heißt verteidigt als auch abgelehnt. Weiterhin berichten wir darüber, wie die von der US-Regierung geprellten europäischen Staaten auf den Vertragsbruch im Jahr 1971 reagierten, wie zahlreiche Staaten der Welt seit langem auf einen neuen Goldstandard hinarbeiten und warum ein Goldstandard heute wieder funktionieren könnte. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Anstrengungen einige Staaten der Welt ihre Goldreserven im Laufe der Zeit ausgebaut haben und dem Ende des Dollar-Systems offenbar bereits ungeduldig entgegenfiebern.

Ein Goldstandard hat ohne Zweifel viele Vorteile gegenüber dem seit nunmehr 50 Jahren bestehenden reinen Fiat-Währungssystem, das eine massive Inflation, riesige Schuldenberge und die bereits erwähnte Umverteilung an die Reichen bewirkt hat. Wir lassen aber auch die Skeptiker zu Wort kommen, die vor der Schaffung eines neuen Goldstandards warnen. Denn bisher ist jeder Goldstandard der Geschichte letztlich gescheitert. Möglicherweise kann ein neues auf Gold basierendes System aus den Fehlern seiner Vorläufer lernen und sie in Zukunft vermeiden. Oder kann möglicherweise Bitcoin dort erfolgreich sein, wo Gold immer wieder gescheitert ist?

Sollte es tatsächlich gelingen, einen neuen globalen Goldstandard zu etablieren, so wäre dies nicht nur ein Sieg für die Arbeiter dieser Welt, sondern auch für den Frieden – denn ohne fast grenzenloses Drucken von Geld sind große zerstörerische Kriege kaum möglich. Auch die Unternehmen und Bürger würden wieder zu mehr Sparsamkeit gezwungen, wenn die Zentralbanken nicht unbegrenzt Geld drucken könnten. Denn die Zombie-Unternehmen lasten auf der Effektivität der Wirtschaft, und der übermäßige Konsum mit aus dem Nichts geschaffenen Geld bedeutet mehr Ressourcenverbrauch und mehr Umweltbelastung. Also würde auch der Umweltschutz von einem Goldstandard profitieren.

Welche Folgen ein Fiat-Währungssystem haben kann, zeigt auch die andauernde Corona-Krise. Denn die Lockdowns und andere teure Maßnahmen wurden von der Bevölkerung wohl nur deshalb in großen Teilen akzeptiert, weil der Staat mit dreistelligen Milliardensummen die Folgen dieser Politik abfedern konnte. Im vergangenen Jahr stiegen die staatlichen Ausgaben hierzulande um 12 Prozent auf 1,68 Billionen Euro. Das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung, das allein auf die teure Corona-Politik und deren Folgen zurückzuführen ist, summierte sich auf 189,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 war noch ein Überschuss von 45,2 Milliarden Euro erzielt worden.

Mit anderen Worten: Die Corona-Politik kostete jeden Deutschen, vom Kleinkind bis zum Greis, allein über den Weg der dafür nötigen staatlichen Mehrausgaben weit über 2.000 Euro. Zwar wurden ihnen diese Kosten (noch) nicht in Form von Steuern und Abgaben aufgebürdet, doch die dafür nötige Schuldenaufnahme, die durch Gelddrucken bei der Europäischen Zentralbank ermöglicht worden ist, bringt eine entsprechende Entwertung des Euro mit sich und muss möglicherweise auch irgendwann einmal wieder aus Steuereinnahmen zurückgezahlt werden.

Mit einem Goldstandard hätte es die Corona-Krise in dieser Form nicht geben können. Selbst die massive Panikmache durch Politik und Verbände sowie durch die Medien hätte den Großteil der Bürger wohl nicht davon überzeugen können, dass sie plötzlich deutlich mehr Steuern zahlen sollen oder dass sie plötzlich ohne staatliche Hilfen in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, weil ihre Unternehmen infolge der Lockdowns pleite sind. Wahrscheinlich hätten sich dann doch mehr Bürger gefragt, ob die Corona-Maßnahmen in ihrer Gesamtheit überhaupt sinnvoll sind, und hätten nach Möglichkeiten gesucht, wie man gegebenenfalls auf andere, weniger kostenintensive Weise mit dem Virus umgehen kann.

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