Deutschland

Tiefschlag für die Energiewende: Kohle löst Windkraft als wichtigster Energieträger Deutschlands ab

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes wecken ernste Zweifel an der Machbarkeit der Energiewende.
13.09.2021 10:37
Aktualisiert: 13.09.2021 10:37
Lesezeit: 2 min

Kohle hat als Energieträger für die Stromproduktion im gesamten ersten Halbjahr 2021 die Windkraft vom ersten Platz verdrängt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 258,9 Milliarden Kilowattstunden stammten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie. Das war gut ein Fünftel (20,9 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor, wie die Wiesbadener Behörde am Montag mitteilte.

Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank dagegen zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 44 Prozent.

Wegen des windarmen Frühjahrs sei der Anteil der Windenergie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel (21 Prozent) gesunken, erklärten die Statistiker. Dadurch sank der Anteil der Windkraft an der ins Netz eingespeisten Menge von 29,1 Prozent auf 22,1 Prozent. Die Einspeisung von 57,1 Milliarden Kilowattstunden Windstrom war der niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2018.

Gefüllt wurde die Lücke nach Angaben des Bundesamtes vor allem durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken. Sie steuerten mit 70,2 Milliarden Kilowattstunden gut ein Drittel (35,5 Prozent) mehr bei als vor Jahresfrist. Kohle machte damit in den ersten sechs Monaten 27,1 Prozent der eingespeisten Strommenge aus, nach 20,8 Prozent ein Jahr zuvor.

Die Kohlekraft war nicht nur im ersten Halbjahr die wichtigste Stromquelle in Deutschland: Bereits im Herbstquartal 2020 stammte der größte Teil des Stroms hierzulande aus der Kohleverstromung.

Nach Kohle und Windkraft war Erdgas im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit einem Anteil von 14,4 Prozent kurz vor der Kernenergie (12,4 Prozent) der drittwichtigste Energieträger für die Stromproduktion in Deutschland.

Energiewende vor großen Schwierigkeiten

Laut bisheriger Gesetzeslage soll Deutschland spätestens 2038 ganz auf die Kohlekraft verzichten. Die Grünen fordern sogar ein Vorziehen des Ausstiegs auf das Jahr 2030. Zudem wird Deutschland Ende des Jahres 2022 alle verbliebenen Atomkraftwerke abgeschaltet haben. Stand heute bedeutet dies, dass die Politik die Nutzung der wichtigsten und der drittwichtigsten Stromquelle hierzulande verbieten wird.

Die neuesten Zahlen decken das Grundproblem der Energiewende auf: die Schwankungsanfälligkeit von Wind- und Solarkraft. Es können demnach noch so viele Windräder und Solarpanelen aufgestellt werden - wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, erzeugen diese kein Strom und es muss auf konventionelle Quellen zurückgegriffen werden.

Es bleibt völlig unklar, wie die Sicherheit der Stromversorgung gewährleistet werden soll, wenn der Anteil der alternativen Energiequellen im Strommix weiter steigt - zumal der Bedarf an Strom in Zukunft noch kräftig steigen wird, wie DWN-Kolumnist Ronald Barazon jüngst im Rahmen einer Analyse ausführte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Markenstreit eskaliert: Ritter Sport kämpft weiter um das Schoko-Quadrat
09.02.2026

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport setzt den juristischen Feldzug gegen einen quadratischen Haferriegel aus Mannheim fort und zieht vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand setzt auf „Made in Germany“: Rückzug vom US-Geschäft:
09.02.2026

Angesichts drohender US-Zölle forcieren deutsche Mittelständler eine Rückbesinnung auf den heimischen Markt und europäische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Netzpaket 2026: Heftige Kritik an Reiches Ökostrom-Reform
09.02.2026

Wirtschaftsministerin Reiche will den Netzausbau und die Erneuerbaren Energien synchronisieren, um Kosten zu senken. Doch die Pläne...

DWN
Politik
Politik MSC-Sicherheitsreport 2026: Experten warnen vor „Politik mit der Abrissbirne“
09.02.2026

Kurz vor dem Start der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) zeichnet der neue Sicherheitsbericht ein düsteres Bild der Weltlage....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Playmobil schließt Werk in Deutschland: Mit Stellenabbau aus der Krise?
09.02.2026

Nach Jahren der Krise sieht Playmobil eine Trendumkehr: Sprechende Figuren, Fußball, Wrestling und Barbie – sollen neue Zielgruppen...

DWN
Politik
Politik Grundrente im Kampf gegen Altersarmut: Über eine Million Deutsche betroffen
09.02.2026

Ein kleiner Betrag mit großer Wirkung: Rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland profitieren aktuell von der Grundrente. Eine neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit-Aktie auf Rekordkurs: Milliardengewinne und Mega-Dividenden bis 2028
09.02.2026

Die italienische Großbank Unicredit setzt ihren rasanten Wachstumskurs fort. Mit ambitionierten Gewinnzielen bis 2028 und Versprechen...

DWN
Politik
Politik Arbeitspflicht beim Bürgergeld? Bundesarbeitsministerium reagiert skeptisch auf CDU-Vorstoß
09.02.2026

Die Debatte um strengere Regeln beim Bürgergeld nimmt wieder Fahrt auf. Ein Vorstoß aus Sachsen-Anhalt für eine mögliche Arbeitspflicht...