Wirtschaft

Wenn Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen wird, erwartet die EU ein kalter Winter

Einer Analyse zufolge müsste Nord Stream 2 bald in Betrieb genommen werden, damit die EU-Haushalte zu erschwinglichen Preisen mit Gas versorgt werden. Denn die Gaspreise sind drastisch in die Höhe geschossen.
17.09.2021 09:44
Aktualisiert: 17.09.2021 09:44
Lesezeit: 1 min
Wenn Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen wird, erwartet die EU ein kalter Winter
Die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2. (Grafik: Nord Stream 2)

Haushalte in ganz Europa sind aufgrund eines weltweiten Anstiegs der Großhandelspreise für Strom und Gas mit viel höheren Energiekosten im Winter konfrontiert, und Verbrauchergruppen haben gewarnt, dass die Schwächsten in der Region infolgedessen von Energiearmut betroffen sein könnten, meldet der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur „Reuters“.

Energieunternehmen zahlen einen Großhandelspreis für den Kauf von Gas und Strom, den sie dann an die Verbraucher weiterverkaufen. Wie auf jedem Markt kann dies je nach Angebot und Nachfrage steigen oder fallen.

Die Preise sind aufgrund geringer Gasvorräte, hoher CO2-Preise in der Europäischen Union, geringer Lieferungen von Flüssiggastankern aufgrund der höheren Nachfrage aus Asien, geringerer Gaslieferungen aus Russland, geringer erneuerbarer Produktion und Gas- und Atomwartungsausfällen in die Höhe geschossen.

Die europäischen Benchmark-Gaspreise am niederländischen TTF-Hub sind seit Januar um mehr als 250 Prozent gestiegen, während sich die deutschen und französischen Benchmark-Stromverträge beide verdoppelt haben.

Die Winterheizsaison in Europa beginnt in der Regel im Oktober, und für den Rest dieses Jahres wird kein nennenswerter Rückgang der Großhandelspreise prognostiziert. Das norwegische Unternehmen Equinor (EQNR.OL) erwartet, dass die Treiber der derzeit hohen Gaspreise auch im Herbst und Winter bleiben werden. Equinor ist nach Gazprom der zweigrößte europäische Gaslieferant. Eine rasche Inbetriebnahme der Nord Stream 2-Pipeline von Russland nach Deutschland könnte helfen, die hohen Gaspreise in Europa auszugleichen, sagte ein russischer Kreml-Sprecher laut einer Analyse des englischsprachigen Diensts von „Reuters“.

Gazprom hat die Bauarbeiten abgeschlossen, wird jedoch erst nach Genehmigung durch eine deutsche Regulierungsbehörde mit der Förderung von Gas nach Europa beginnen, und kommerzielle Lieferungen werden kurzfristig nicht erwartet.

Im Winter 2021/2022 droht eine Gasknappheit (Mehr HIER). Bei der stark gestiegenen Inflation im Juli in Deutschland trugen die Gaspreise einen Anstieg von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bei. Deutlich übertrumpft wurde Erdgas allerdings von den Preisaufschlägen bei Heizöl (plus 53,6 Prozent) und Sprit (plus 24,7 Prozent). Zusätzlichen Schub erhalten die Preise von der Anfang des Jahres eingeführten Sondersteuer auf das Naturgas CO2 in Höhe von 25 Euro je Tonne, welche auch auf Diesel, Benzin und Heizöl berechnet wird. Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte hätte die Inflationsrate nach Angaben der Wiesbadener Statistiker im Juli bei 2,9 Prozent gelegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ölpreissprung und Spannungen im Nahen Osten ließen US-Märkte uneinheitlich schließen
02.03.2026

Der US-Aktienmarkt schloss am Montag uneinheitlich, während der Rohölpreis einen starken Sprung machte. Investoren wogen die Folgen der...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Deutsche kommen nicht zurück - Lufthansa-Airbus fliegt leer von Abu Dhabi nach München
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt europäischen Erdgas-Preis um fast 50 Prozent steigen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der europäischer Erdgas-Preis um fast 50 Prozent nach Produktionsstopp. Analysten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...