Wirtschaft

Dax-Familie wird größer: Ab Montag 40 Unternehmen

In der ersten deutschen Börsenliga wird es voller: Mehr als 30 Jahre nach dem Start des Dax setzt die Deutsche Börse eine historische Erweiterung um. Strengere Regeln sollen zudem verhindern, dass sich ein Fall wie der Wirecard-Absturz wiederholt.
18.09.2021 12:36
Aktualisiert: 18.09.2021 12:36
Lesezeit: 2 min

Der Dax-Kurszettel wird länger: Von diesem Montag (20.9.) an spielen 40 statt 30 Konzerne in der ersten deutschen Börsenliga. Die zehn Aufsteiger in den Deutschen Aktienindex - kurz: Dax - hatte die Deutsche Börse Anfang September benannt. Der Leitindex soll die deutsche Wirtschaft umfassender abbilden, zudem müssen die Unternehmen strengere Regeln erfüllen, um zur Dax-Familie zu gehören.

Unter den zehn Dax-Neulingen ist Airbus mit Abstand das Unternehmen mit dem größten Börsenwert. Mit dem deutsch-französischen Flugzeughersteller bekommt der deutsche Leitindex ein weiteres Schwergewicht auf dem Niveau des Autoherstellers Daimler und des Versicherungsriesen Allianz.

Neu im Dax sind außerdem: der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise sowie der Online-Modehändler Zalando.

Die Reform der Dax-Familie gut 33 Jahre nach dem Start des Dax am 1. Juli 1988 hatte die Deutsche Börse als Betreiberin des Frankfurter Marktes im vergangenen Jahr nach dem Wirecard-Desaster beschlossen.

Lange wurde das wichtigste deutsche Börsenbarometer, dessen Kurse Abend für Abend zur besten TV-Sendezeit in deutsche Wohnzimmer flimmern, von den vier Branchen Chemie, Autoindustrie, Energie und Finanzdienstleistungen dominiert. Nun soll die Mischung ausgewogener werden und zum Beispiel auch aufstrebenden Internetfirmen einen Platz im Schaufenster der deutschen Wirtschaft sichern. Viele der Dax-Aufsteiger versprechen sich Rückenwind fürs Geschäft.

Im Gegenzug wird der MDax der mittelgroßen Werte von 60 auf 50 Titel verkleinert und verliert somit erheblich an Gewicht. Fünf Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index SDax rücken an diesem Montag (20.9.) in den verkleinerten MDax auf: die Vodafone-Sendemastentochter Vantage Towers, der Recycling-Spezialist Befesa, der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich, der Finanzdienstleister Hypoport sowie Zooplus, ein Online-Händler für Haustierbedarf.

Die Zusammensetzung des Dax will die Deutsche Börse künftig zweimal statt einmal jährlich regulär überprüfen. Neu aufgenommen werden sollen nur noch profitable Unternehmen. Pleitekandidaten und Konzerne, die ihrer Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung von Zwischenberichten nicht nachkommen, sollen nichts mehr in der ersten deutschen Börsenliga verloren haben.

Die Verschärfung der Regeln für die Dax-Familie ist eine Reaktion auf den Wirecard-Skandal. Der Münchener Zahlungsdienstleister hatte sich trotz milliardenschwerer Luftbuchungen, die im Sommer 2020 aufflogen, noch über Monate im Dax halten können, weil die Regeln einen raschen Rauswurf aus dem Leitindex nicht zuließen. Für Kritik sorgte auch, dass für Wirecard der Essenslieferant Delivery Hero in den Dax aufrückte und damit ein Unternehmen, das seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient hat.

Auswirkungen auf den aktuellen Punktestand des Dax hat die Aufnahme der zehn zusätzlichen Unternehmen nicht. Die bisherigen 30 Mitglieder verlieren zugunsten der Neuaufnahmen einen Teil ihres Gewichts.

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