Deutschland

Virologe Drosten fordert von Politik, höhere Impfquote durchzusetzen

Nach Ansicht des Berliner Virologen Drosten ist der derzeitige Impffortschritt unzureichend. Dies sei jedoch keine wissenschaftliche Aufgabe mehr, sondern eine politische.
29.09.2021 12:10
Lesezeit: 2 min
Virologe Drosten fordert von Politik, höhere Impfquote durchzusetzen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 13. September bei einer Impfaktion des Malteser Hilfsdienstes an der Ruth-Cohn-Schule in Berlin-Charlottenburg. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Virologe Drosten: Corona-Herbstwelle deutet sich mancherorts an

Die deutlich ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus dominiert in Deutschland. Dennoch war die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt rückläufig. Was erwarten Experten für die nächste Zeit?

Berlin (dpa) - Der Virologe Christian Drosten hält die derzeitige Beruhigung der bundesweiten Corona-Infektionszahlen für ein vorübergehendes Phänomen. Es sei schon zu sehen, dass in ostdeutschen Bundesländern die Inzidenz offenbar unabhängig vom Ferienende wieder Fahrt aufnehme. «Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstagabend in einem Auszug aus dem Podcast «Coronavirus-Update» bei NDR-Info.

Die Infektionslage ist nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) nach einem leichten Rückgang derzeit relativ stabil. So gab das RKI die 7-Tage-Inzidenz am Mittwoch mit 61,0 an (Vortag: 60,3; Vorwoche: 65,0; Vormonat: 74,1). Auch bei der Hospitalisierungsinzidenz - dem für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - tut sich wenig. Sie lag am Mittwoch bei 1,60 Klinikeinweisungen pro 100 000 Einwohner und Woche (Vortag 1,54), und damit um 0,05 niedriger als der Vergleichswert der Vorwoche.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 11 780 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 10 454 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 67 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 71 Todesfälle.

Der Anstieg der Infektions-Inzidenz bis Anfang September sei insbesondere auf das Testen an Schulen nach Ende der Sommerferien und eingeschleppte Fälle zurückzuführen gewesen - und war nach Drostens Einschätzung noch nicht unbedingt der Beginn der Winterwelle. Angesichts der gegenwärtigen Quote von 64,3 Prozent (Stand 29.9.) vollständig Geimpfter in der Bevölkerung gehe er in diesem Jahr von deren Losrollen zu einem Zeitpunkt wie im Vorjahr aus, sagte der Corona-Experte dem Sender. Damals sei es in der zweiten Oktoberhälfte eindeutig gewesen, «dass wir wieder in einen exponentiellen Anstieg gehen».

Das Schließen der Impflücken müsse gesamtgesellschaftliches Ziel sein, betonte Drosten weiter. Es gelte, noch Ungeimpfte zu überzeugen oder anderweitig dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. Dies sei keine wissenschaftliche Aufgabe mehr, sondern eine politische. Den derzeitigen Impffortschritt wertete der Virologe als unzureichend. «Die Zahlen sehen übel aus.» Dänemark etwa sei in einer deutlich besseren Position als Deutschland. Drosten verwies zwar auf die Unsicherheit, dass sich hierzulande möglicherweise bereits mehr Menschen impfen ließen als bislang im Meldesystem erfasst. Dies sei im Moment eine «schöne Hoffnung», dürfe aber nicht Basis für Entscheidungen und Planungen sein.

In Bezug auf die Behandlung von Covid-19 wies der Virologe darauf hin, dass es bei schweren Verläufen zwar inzwischen bessere Möglichkeiten gebe. Im Anfangsstadium der Ansteckung jedoch stünden allenfalls sogenannte monoklonale Antikörper zur Verfügung. Diese relativ teuren, laut Drosten nicht sehr breit verfügbaren Präparate könnten frisch infizierte Ungeimpfte mit bestimmten Risikofaktoren erhalten. Mit diesen Mitteln soll die Entwicklung eines schweren Krankheitsverlaufs verhindert werden.

Er sehe monoklonale Antikörper eher als vorbehalten für die wenigen Patienten, die nicht geimpft werden können oder die nicht auf die Impfung reagieren, schilderte Drosten. Auch eine vorbeugende Anwendung bei hoch gefährdeten Patienten sei denkbar. «Aber das ist alles keine Lösung, die man allgemein empfehlen würde. Und das ist in Konkurrenz zur Impfung einfach immer die schlechtere Lösung.»

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