Politik

Ist Russland der Nato beigetreten? Erdogan will militärische Kooperation mit Putin massiv ausbauen

Die türkische Regierung will ihre Zusammenarbeit mit Russland im militärischen Bereich massiv vertiefen. Im amerikanisch-türkischen Verhältnis stehen neue Belastungsproben bevor.
30.09.2021 13:56
Aktualisiert: 30.09.2021 13:56
Lesezeit: 1 min

Trotz Kritik aus den USA will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die militärische Zusammenarbeit mit Russland ausbauen. Er habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dem Treffen in Sotschi am Vortag über mögliche gemeinsame Projekte in der Rüstungsindustrie gesprochen, sagte Erdogan nach Angaben türkischer Medien vom Donnerstag auf seiner Rückreise. Als Beispiel nannte Erdogan Kooperationen beim Bau von Flugzeugtriebwerken und in Bezug auf Kampfflugzeuge.

Erdogan betonte zudem, dass es kein Zurück vom Kauf des russischen Abwehrsystems S-400 gebe, den die USA scharf kritisiert hatten. Die USA hatten im vergangenen Jahr noch unter dem früheren US-Präsidenten Donald Trump wegen des S-400-Kaufs Sanktionen gegen das Nato-Mitglied Türkei verhängt. Die USA sehen die russische Raketenabwehr als Gefahr für die Nato.

Die Türkei beabsichtigt laut Erdogan zudem den Kauf von weiteren Raketenabwehrsystemen aus Russland. Künftig werde sich auch niemand mehr einmischen können, welche Art von Verteidigungssystemen die Türkei von welchem Land erwerbe, sagte Erdogan in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender CBS.

Gegenüber Journalisten gab Erdogan zudem bekannt, dass er mit Putin den Bau weiterer Atomkraftwerke mithilfe russischer Technologie in der Türkei erwogen haben, berichtet The Middle East Eye. Auch der gemeinsame Bau von Kriegsschiffen und sogar U-Booten stehe auf der Agenda, wird Erdogan zitiert.

Erdogan kritisierte zudem erneut die Unterstützung der USA für die Kurdenmiliz YPG in Syrien, welche die Türkei als Terrororganisation listet. Dass Washington gemeinsame Sache mit „Terroristen“ mache, „beunruhigt mich ernsthaft“, sagte Erdogan. Früher oder später müssten die USA Syrien verlassen. Er hoffe US-Präsident Joe Biden Ende Oktober beim G-20 Gipfel in Rom treffen zu können. Erdogan hatte erst vergangene Woche die Verschlechterung der Beziehungen zu den USA beklagt und gesagt, er habe mit Biden keinen guten Start gehabt.

Nicht erwähnt hat Erdogan die Unterstützung, welche er radikalislamischen Milizen in der nordwestsyrischen Provinz Idlib gewährt. Dort hat die türkische Armee rund 60 „Beobachtungsposten“ aufgebaut, um das von ihren Söldnern besetzte Territorium des Nachbarlandes vor Angriffen der syrischen Armee zu schützen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt Erdgas-Preis nach oben schnellen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der Erdgaspreis so stark wie lange nicht. Analysten warnen vor weiteren Preissprüngen, sollte der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Bundeswehr letzte Wahl bei der Rückholung von Deutschen
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...

DWN
Technologie
Technologie Blackout-Vorsorge: Notstromlösung mit Solaranlagen auf Balkon oder Dach – was dabei wichtig ist
02.03.2026

Ein plötzlicher Blackout kann Haushalte und Unternehmen unvorbereitet treffen. Immer mehr Eigentümer setzen deshalb auf eine...