Unternehmen

Klöckner & Co: Wie deutsche Industrieunternehmen beim "grünen Stahl" den Turbo einlegen

Die Bundesregierung hat im August bei den Klimazielen mächtig aufs Tempo gedrückt. Deswegen haben jetzt Klöckner, ThyssenKrupp und Daimler ganz wichtige Projekte gestartet.
07.10.2021 16:54
Aktualisiert: 07.10.2021 16:54
Lesezeit: 2 min
Klöckner & Co: Wie deutsche Industrieunternehmen beim "grünen Stahl" den Turbo einlegen
Die Zentrale von Klöckner in Duisburg. (Foto: dpa) Foto: Martin Gerten

Der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) hat sich über das schwedische Start-up H2 Green Steel erstmals Zugang zu grünem Stahl gesichert. Die beiden Firmen hätten eine Kooperation vereinbart, berichtet KlöCo in einer offiziellen Erklärung. Der Stahl des Unternehmens gilt als nahezu CO2-emissionsfrei, da bei seiner Herstellung über 95 Prozent weniger Emissionen als in der konventionellen Produktion anfallen.

Die schwedische Firma, die im vergangenen Jahr gegründet worden ist, produziert auf diese Weise etwa fünf Millionen Tonnen. Klöckner soll ab 2025 im Rahmen der Partnerschaft zunächst bis zu 250.000 Tonnen geliefert bekommen – mit einer möglichen zukünftigen Erweiterung der Liefermengen.

„Durch unsere Partnerschaft mit H2 Green Steel erhöhen wir die Verfügbarkeit von grünem Stahl für unsere Kunden erheblich und ermöglichen ihnen den Aufbau einer emissionsfreien Wertschöpfungskette“, erklärte KlöCo-Chef Guido Kerkhoff. „Im Rahmen unserer Konzernstrategie arbeiten wir mit Hochdruck daran, dieses neue Angebot zu schaffen und uns damit als Vorreiter einer nachhaltigen Stahlindustrie zu etablieren. So können wir unseren Kunden neben unserer Unabhängigkeit und unserer fortgeschrittenen Digitalisierung weitere Vorteile bieten“, erklärte Kerkhoff.

Bundesregierung setzt Firmen mit verschärften Klimazielen unter Druck

Damit macht der Konzern, der 2020 einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, einen wichtigen Schritt nach vorne, um seine Produktion sauberer zu machen. Gerade die Stahlfirmen stehen derzeit unter Druck, weil ihre Herstellung sehr umweltbelastend ist. Die Bundesregierung hat gerade im August die Klimaziele verschärft. Bis 2030 soll der Ausstoß von Kohlendioxid um zehn Prozentpunkte mehr verringert werden, als die ursprünglichen Pläne vorgesehen haben.

Deswegen bemühen sich die deutschen Industrieunternehmen nun besonders, ihre Herstellung zu modernisieren. Das Schweizer Fachportal „Maschinenmarkt“ teilt mit, dass auch ThyssenKrupp hier in diesem Bereich nach vorne eilt. Der Hersteller hat gerade erstmals größere Mengen von Stahl mit reduzierten CO2-Emissionen produziert. Die Methode ist denkbar einfach: So wird ein Teil des Eisenerzes durch Eisenschwamm ersetzt, der sich mit weniger Kohle als beim herkömmlichen Verfahren schmelzen lässt. Der Ausstoß von Kohlendioxid sinkt so um satte 70 Prozent.

ThyssenKrupp hat die Einführung des grünen Stahls fest in seiner Strategie verankert. Der Hersteller will bis 2030 drei Millionen Tonnen davon produzieren und so 30 Prozent der anfallenden CO2-Emissionen einsparen. Das Management rechnet mit Investitionen von rund zwei Milliarden Euro. Zur Einordnung: ThyssenKrupp hat 2020 einen Umsatz von 28,9 Milliarden Euro erzielt.

Darüber hinaus setzt auch Daimler auf grünen Stahl. Das Unternehmen, das bis 2039 klimaneutral werden will, hat sich bereits im Mai des laufenden Jahres einen Anteil an dem skandinavischen Startup gesichert, dessen Größe der Autoproduzent nicht nennt. „Mit dem Aktienpaket an H2 Green Steel sendet Mercedes-Benz ein wichtiges Signal, um einen Wandel in der Stahlindustrie zu erreichen und um die Verfügbarkeit von kohlendioxidfreiem Stahl zu erhöhen“, sagte das Vorstandsmitglied von Daimler, Markus Schäfer.

„In einem ersten Schritt investieren wir eine Summe im einstelligen Millionen-Bereich. Als ein bevorzugter Partner von Startups werden wir den grünen Stahl in unterschiedlichen Modellen frühestens im Jahr 2025 an den Markt bringen“, warf der Manager einen Blick nach vorne.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...