Wirtschaft

Weniger Autos und schwache Zahlen: Chipkrise bremst Industrie aus

Kurzarbeit bei Mercedes-Benz, Produktionsverlust bei Renault: Weltweit leidet die Industrie unter der Chipkrise. Das trifft sogar Unternehmen, die man eigentlich unter den Gewinnern vermuten würde.
22.10.2021 15:49
Aktualisiert: 22.10.2021 15:49
Lesezeit: 2 min

Die Versorgungsengpässe bei elektronischen Halbleitern und anderen wichtigen Bauteilen bremsen die Industrie weiter aus. Stark betroffen ist nach wie vor die Autobranche: Der Zulieferer Continental senkte wegen des Chipmangels und unsicherer Lieferketten am Freitag den Ausblick auf das Geschäftsjahr. Und beim französischen Konzern Renault soll in diesem Jahr wegen der Chipkrise schätzungsweise eine halbe Million Fahrzeuge weniger als geplant vom Band rollen, wie der Konzern in Boulogne-Billancourt bei Paris mitteilte. Im Juli war das Unternehmen noch von rund 200 000 fehlenden Autos ausgegangen.

Allein im dritten Quartal habe der Produktionsverlust des Autobauers rund 170 000 Wagen betragen, hieß es vom Unternehmen. An Aufträgen fehlt es dem Konzern nicht: Das Orderbuch sei Ende September so gefüllt gewesen wie seit 15 Jahren nicht.

Auch bei Mercedes-Benz läuft die Produktion nicht rund: Wegen des Bauteilemangels soll es in der kommenden Woche im Rastatter Werk Kurzarbeit geben. Das teilte eine Sprecherin von Mercedes-Benz Cars & Vans am Freitag auf Anfrage in Stuttgart mit. Zuvor hatte die Zeitung „Badische Neueste Nachrichten“ darüber berichtet.

Das Werk hat mehr als 6500 Beschäftigte und eine führende Rolle im Daimler-Produktionsverbund für Kompaktfahrzeuge. Die „Fahrweise“ der Fabrik werde nun angepasst, so die Sprecherin. Das werde „für die Beschäftigten größtenteils über Kurzarbeit ausgeglichen“. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind, blieb offen. Die weltweiten Werke von Mercedes-Benz werden in der kommenden Woche (ab 25.10.) hingegen „größtenteils uneingeschränkt“ laufen.

Schon im Sommer hatte es in Rastatt und an mehreren anderen Standorten Produktionseinschränkungen gegeben, ebenso wie bei anderen Autoherstellern. Die Versorgungsprobleme machen sich auch in den Verkaufszahlen von Mercedes-Benz bemerkbar: Von Juli bis September 2021 lieferte die Marke weltweit 428 361 Autos aus - mehr als 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die weltweit schwächere Autoproduktion trifft nicht nur die Hersteller selbst, sondern auch Zulieferer: Wegen der Folgen des Teilemangels hat Continental seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Conti-Chef Nikolai Setzer rechnet in diesem Jahr nur noch mit 32,5 bis 33,5 Milliarden Euro Umsatz, wie der Dax-Konzern in Hannover mitteilte. Bisher stand jeweils eine Milliarde Euro mehr im Plan.

Hintergrund der Versorgungsengpässe ist die coronabedingte Unterbrechung der Produktion von elektronischen Halbleitern in Asien. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach den Halbleitern - nicht nur von Autoherstellern, sondern auch aus anderen Branchen wie IT, Energie, Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik.

Unter der Chipkrise leiden indirekt sogar Unternehmen wie Intel, die davon eigentlich profitieren müssten. Im vergangenen Quartal etwa konnte der Halbleiter-Riese im Jahresvergleich sogar weniger Chips für Notebooks verkaufen - weil den Herstellern andere Bauteile fehlten, um die Geräte fertigzustellen.

Um die Engpässe zu überwinden, investiert Intel wie andere Branchengrößen kräftig in den Ausbau von Kapazitäten in der Chipfertigung. Diese Milliardeninvestitionen werden aber erst in einigen Jahren greifen, sagte Konzernchef Pat Gelsinger. Und bis es soweit ist, machen die hohen Ausgaben das Geschäft zunächst weniger profitabel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Warum der Osten gegen Merz rebelliert
30.07.2026

Kaum ist der CDU-interne Streit um die Kabinettsumbildung entschärft, droht Bundeskanzler Friedrich Merz neuer Ärger. Drei ostdeutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...