Technologie

Erste öffentliche Forderungen nach Rückkehr zur Atomkraft in Politik und Wirtschaft

Angesichts der durch die Energiewende ausgelösten Verwerfungen in der Energieversorgung rückt eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland näher.
01.11.2021 14:00
Aktualisiert: 01.11.2021 14:11
Lesezeit: 1 min
Erste öffentliche Forderungen nach Rückkehr zur Atomkraft in Politik und Wirtschaft
Die Atomkraftwerke (AKW) Isar 1 (l) und Isar 2 mit dem Kühlturm in der Mitte. (Foto: dpa) Foto: Armin Weigel

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze hat sich offen für eine Laufzeitverlängerung der aktuell sechs laufenden Atomkraftwerke in Deutschland gezeigt. Laut "Bild Live" vom Montag sprach sich der CDU-Politiker für eine Debatte darüber aus "unter der Voraussetzung, dass wir das wirklich brauchen". Unter einer neuen Bundesregierung könne eine Laufzeitverlängerung mit Blick auf die Klimaziele und Pläne zum vorgezogenen Kohleausstieg notwendig werden. In dem Zusammenhang warnte Schulze demnach auch vor einem Energieengpass. Künftig werde weit mehr Strom benötigt. Zudem gebe es bei Erneuerbaren Energien nicht die Sicherheit, dass die Energie ständig zur Verfügung stehe.

Auch in der Wirtschaft werden Stimmen laut, die eine Rückkehr zur Nuklearenergie fordern. So spricht sich etwa der ehemalige Vorstandsvorsitzende der BASF, Jürgen Hambrecht, für eine Laufzeitverlängerung aus. Hambrecht, der Mitglied der nach dem Reaktorunglück in Fukushima von der Bundesregierung eingesetzten Ethikkommission war, die 2011 einen beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie empfahl, bezeichnete den Beschluss im Nachhinein als falsch. "Wenn ich aus heutiger Sicht, mit dem heutigen Wissen zurückschaue: Ja, es war ein Fehler", sagte Hambrecht der Online-Ausgabe des Magazins "Cicero". "Wir haben die Komplexität der Probleme unterschätzt. Wir haben uns damals singulär auf die Risiken der Kernkraft konzentriert und andere Aspekte der Energieversorgung vernachlässigt." Auf erneuerbare Energien zu setzen sei richtig, "diesen Weg sollten wir weiter verfolgen", so der frühere BASF-Chef. "Aber wir brauchen grundlastfeste Energieversorgungssysteme und dafür bietet sich die Kernkraft an."

Die Rückkehr Deutschlands zur Atomkraft ist angesichts der Energiewende zwingend erforderlich, will man hierzulande auch in Zukunft über eine gesicherte Stromversorgung verfügen. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatten in den vergangenen Jahren mehrfach prognostiziert, dass es angesichts drohender Stromlücken und mit Blick auf die Emissionsfreiheit von Kernkraftwerken zu einer schrittweisen Renaissance der Technologie kommen könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...