Deutschland

Bundesbank blickt mit Sorge auf Preissteigerungen am Immobilienmarkt

Die Bundesbank sieht die auf breiter Front gestiegenen Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland mit Sorge.
06.12.2021 15:00
Lesezeit: 1 min
Bundesbank blickt mit Sorge auf Preissteigerungen am Immobilienmarkt
Blick auf das Wohngebiet «Seekurpark» zwischen Feldern und dem Naturschutzgebiet «Saale-Ilm-Platten». Das Interesse am Kauf und Verkauf von Immobilien ist in Sachsen-Anhalt ungebrochen. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Die Bundesbank sieht die auf breiter Front gestiegenen Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland mit Sorge. „Unseren Berechnungen zufolge liegen die Preise von Wohnimmobilien um 10 bis 30 Prozent über dem Wert, der durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist. Das ist zunehmend auch außerhalb der Ballungsräume der Fall“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch.

„Kritisch für die Finanzstabilität können steigende Immobilienpreise dann sein, wenn vermehrt Kredite mit stark gelockerten Vergabestandards vergeben und steigende Preise erwartet werden“, führte Buch aus. Rund die Hälfte der Bankkredite für Wohnimmobilien habe eine Zinsbindungsfrist von mehr als zehn Jahren. „Ein hoher Anteil von lang laufenden Krediten und Kapitalanlagen macht das deutsche Finanzsystem verwundbar gegenüber Zinsänderungsrisiken“, erläuterte die Bundesbank.

Insgesamt habe das Finanzsystem während der Pandemie gut funktioniert, bilanzierte die Notenbank. „Die umfangreichen staatlichen Maßnahmen haben den Finanzsektor vor Verlusten geschützt. Aber es bauen sich weiter Verwundbarkeiten auf - gegenüber negativen makroökonomischen Entwicklungen und speziell auf dem Immobilienmarkt“, bekräftigte Buch.

Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling stellte fest: „Das deutsche Finanzsystem ist derzeit ausreichend widerstandsfähig, um eine gebremste wirtschaftliche Entwicklung gut verkraften zu können.“ Banken könnten die aufgebauten Kapitalpuffer nutzen, um eine mögliche Einschränkung der Kreditvergabe zu verhindern. Zugleich mahnte Wuermeling, die Geldhäuser müssten sich für den Fall einer Änderung des Zinsumfeldes wappnen.

Buch erläuterte: „Bei einem Anstieg der Inflation, der deutlich stärker oder länger ausfällt als erwartet, könnten die Zinsen an den Finanzmärkten spürbar steigen. Marktkorrekturen und Kursverluste wären die Folge.“ Steigende Zinsen würden in der kurzen Frist insbesondere auf den Bankensektor wirken: Die Refinanzierungskosten würden unmittelbar zunehmen, die Erträge aber nur langsam steigen. Buch betonte: „Jetzt ist die richtige Zeit für Prävention gegenüber zukünftigen Risiken.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU – AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht
06.09.2026

Ein Rekordergebnis, eine historische Niederlage und kaum realistische Koalitionsoptionen: Die Landtagswahl stellt Sachsen-Anhalt vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Titan bis Neodym: So abhängig ist Europas Rüstungsindustrie von Russland und China
06.09.2026

Flugzeugstrukturen, Triebwerke und Raketenkörper brauchen hochreinen Titanschwamm, und die Hälfte davon stammt aus China und Russland....

DWN
Finanzen
Finanzen Die serbische Börse ist die rentabelste der Welt? Das muss ein Fehler sein
06.09.2026

Der serbische Aktienindex Belex15 soll laut Bloomberg seit Jahresbeginn mehr als 515.000 Prozent Gesamtrendite erzielt haben. Doch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Projekte scheitern – und wie Sie den Kollaps verhindern
06.09.2026

Stuttgart 21 als Warnung für den Mittelstand: Atreus-Experte Thomas Gläßer erklärt, warum Projekte scheitern, welche Ursachen...

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...