Deutschland

Deutsche Bauern stehen wegen hoher Kosten vor dem Aus

Die deutschen Bauern rechnen angesichts höherer Energiekosten und unsicherer Marktaussichten in der Corona-Krise weiterhin mit schwierigen Bedingungen.
10.12.2021 10:00
Lesezeit: 2 min
Deutsche Bauern stehen wegen hoher Kosten vor dem Aus
Ein Mähdrescher auf einem Weizenfeld Foto: Jan Woitas

Teure Energie, schwankende Preise, offene Fragen auf dem politischen Feld: Die deutschen Bauern machen sich auf weiterhin schwierige Bedingungen gefasst. Massive Einbußen bei Schweinehaltern drückten die Unternehmensgewinne in der Gesamtbranche im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2020/21 deutlich herunter - im Schnitt um 15 Prozent auf 52 100 Euro, wie der Bauernverband am Donnerstag in Berlin mitteilte. Dabei konnten Rinderhalter und Bio-Bauern aber sogar zulegen. Gespannt blickt die Ernährungsbranche auf konkretere Ansagen des neuen Bundesministers Cem Özdemir von den Grünen.

«Die wirtschaftliche Situation ist nach wie vor angespannt», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Bei Schweinehaltern sehe es sogar «zappenduster» aus. Bei ihnen stürzten die Gewinne im Schnitt um 69 Prozent auf 36 800 Euro ab. In den Büchern schlug sich jetzt hart nieder, dass sich wegen Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen zeitweise bis zu eine Million Schweine in den Ställen stauten. Und nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland sind Exporte in wichtige Absatzmärkte wie China weggebrochen. Zuvor hatten die Schweinehalter aber noch von einem Ausfuhrboom profitieren können.

Bei den Schlachtkapazitäten habe sich die Lage inzwischen wesentlich entspannt, erläuterte Rukwied. Die Preise seien aber schlichtweg «katastrophal» und brächten Schweinehaltern 30 bis 50 Euro pro Tier an Verlust ein. Wichtig sei deswegen auch, dass Betriebe in Finanznöten weiterhin mit staatlichen Corona-Hilfen gestützt werden.

Dagegen verbesserten sich die durchschnittlichen Ergebnisse bei Rinder- und Milchviehhaltern. Und bei Milch lägen auch die Preise für die Bauern mit 38 Cent pro Kilogramm stabil über Vorjahresniveau. Bei Bio-Betrieben legten die Gewinne um neun Prozent auf 76 000 Euro zu. Der Ökolandbau habe sich für viele Höfe als interessant und zukunftsfest erwiesen, sagte der Bauernpräsident. Ob mehr Betriebe umsteigen, werde auch der Markt richten - etwa wenn Bio-Umstellungen in Kantinen und Mensen die Nachfrage ankurbeln. Die Ampel-Koalition hat das Ziel für den Ökolandbau hochgeschraubt: bis 2030 von 20 auf 30 Prozent der Agrarflächen. Aktueller Stand sind 10,3 Prozent.

Hohe Erwartungen gibt es mit Blick auf einen anstehenden großen Umbau der Tierhaltung. Neu-Minister Özdemir sicherte schon Unterstützung beim Wandel zu mehr Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz zu. «Ich sehe mich als obersten Anwalt der Landwirtinnen und Landwirte», verkündete er direkt zum Amtsantritt. «Gleichzeitig bin ich auch oberster Tierschützer dieses Landes.» Ziel ist, dass Höfe nicht allein auf Milliarden-Investitionen sitzen bleiben. Gebraucht würden Zuschüsse und am Ende auch höhere Preise an der Ladentheke, sagte Rukwied. Zum konkreten Finanzierungsmodell sei der Koalitionsvertrag aber vage.

Inwiefern sich die wirtschaftliche Lage insgesamt erhole, sei unsicher, erklärte der Verband. Da seien einerseits bessere Preise zum Beispiel bei Raps und Getreide. Andererseits seien Futter, Energie, Maschinen-Diesel und akut auch Stickstoffdünger drastisch teurer geworden. Und mit den zu erzielenden Preisen ist es so eine Sache: Aktuell seien bis zu 300 Euro pro Tonne Weizen drin. Teils seien aber schon Verträge im Frühjahr auf dem Niveau von 180 Euro abgeschlossen worden. Prognosen will Rukwied lieber nicht abgeben, vieles hänge von den Marktentwicklungen im ersten Halbjahr 2022 ab.

Generell setzt der Bauernverband nach 16 Jahren mit Ministerinnen und Ministern der Union auf einen «guten Austausch» mit dem neuen grünen Ressortchef, der ja auch Pragmatiker sei. Eine günstige Gelegenheit, sich auf einer großen Bühne vorzustellen, hat sich für Özdemir gerade zerschlagen: Der Branchentreff in den Messehallen der «Grünen Woche» in Berlin im Januar wurde wegen der Corona-Pandemie wieder abgesagt.

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