Politik

Medienecho zur Wahl von Friedrich Merz zum Chef der CDU

Während einige Medien die Wahl von Friedrich Merz zum CDU-Chef begrüßen, beäugen andere Medien seine Wahl mit Argwohn.
18.12.2021 11:48
Lesezeit: 3 min
Medienecho zur Wahl von Friedrich Merz zum Chef der CDU
30.11.2018, Berlin: Friedrich Merz (CDU), früherer Unions-Fraktionschef, spricht bei der CDU-Regionalkonferenz Berlin/Brandenburg vor Parteimitgliedern. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Die „Schwäbische Zeitung“ wörtlich:

„Die CDU hat einen neuen Parteivorsitzenden, den dritten innerhalb von drei Jahren. Drei Anläufe hat auch Friedrich Merz gebraucht, um an die Spitze aufzusteigen. Dass sich die Basis in der Mitgliederbefragung überraschend deutlich für ihn ausgesprochen hat, zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einer klaren, aber auch konservativen politischen Linie der CDU ist – und nach einem Neuanfang nach Merkel. Höchste Priorität muss es für ihn haben, dass die CDU in der Opposition ankommt – nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit Leidenschaft. In 16 Jahren in Regierungsverantwortung hat die CDU inhaltliche Debatten viel zu lange weggedrückt, weil sie wegen des Merkel-Bonus ohnehin gewählt wurde. Aber auch den Angriffsmodus muss die Union wieder lernen, wenn sie neben den frischen Ampel-Koalitionären nicht wie ein Auslaufmodell erscheinen will. Viele Junge haben sich ohnehin schon abgewandt, dieser Trend könnte sich beschleunigen. Von Merz verlangt das zweierlei: größere integrierende Fähigkeiten, als er sie bislang gezeigt hat, und genau den Biss, den er ohnehin hat. Nur wenn er beides hinbekommt, wird er als Parteichef und die CDU als Partei am Ball bleiben.“

Die „Ostfriesen-Zeitung“ berichtet:

„Das Problem der CDU ist nicht der (leere) Chefsessel im obersten Stock des Konrad-Adenauer-Hauses, das Problem der CDU ist sie selbst. Kaum jemand kann aus dem Stand beantworten, wo die Partei im politischen Spektrum eigentlich zu verorten ist. Merz ist der Liebling der CDU-Basis – Merkels Liebling hingegen war er nie. Ein doppeltes Pfund, mit dem er nun wuchern kann. Per se ein Mann der Erneuerung ist Merz trotz aller Vorfreude auf klare Kante nicht. Er sollte auch gar nicht erst versuchen, sich als Reformator zu inszenieren. Frische Ideen, ein lebendiges Programm und endlich wieder ein echtes CDU-Thema müssen aus der Basis kommen. Merz‘ Herausforderung ist es, dies nun auch zuzulassen.“

„Mit seinem deutlichen Ergebnis als Pfund wird Merz in der Frage des ersten Redners der Opposition wuchern können. Er wird nun aber alle Teile der Partei zusammenhalten müssen. Um dann geeint die Finger in die Wunden und Fehler der Ampelkoalition zu legen. Diese werden kommen. Die Union muss dies geeint nutzen – dann hat man die Chance, die Oppositionsbank auch wieder zu verlassen“, so die „Rhein-Zeitung“.

„Das Bild von Friedrich Merz, das von Teilen der Öffentlichkeit gezeichnet wurde, stimmt heute nicht mehr mit der Wirklichkeit überein. Er hat verstanden, dass er die Frauen in der Partei braucht, um erfolgreich zu sein. Er weiß auch, dass er mit markigen wirtschaftsliberalen Sprüchen in der Breite der Gesellschaft keinen Zuspruch findet. Und er spricht schon lange nicht mehr davon, dass er AfD-Wähler in Scharen zurückholen will. Er darf die CDU nicht nach rechts rücken, muss sie aber zu neuer Klarheit führen. Merz hat zwar betont, dass seine Wahl ausdrücklich keine Vorentscheidung für die Kanzlerkandidatur 2025 ist. Im Zweifel wird er einem oder einer anderen den Vortritt lassen müssen. Das aber dürfte ihm, da ist er dann vermutlich doch noch der Alte, sehr schwerfallen“, führt die „Neue Osnabrücker Zeitung“ aus.

Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet:

„Friedrich Merz also. Ehrlich? Die CDU-Basis hat sich für den 66-jährigen Sauerländer als neuen Parteivorsitzenden entschieden. Mit einer derart überraschend unangefochtenen Zustimmung obendrein, dass man sie getrost überwältigend nennen darf. Richtungsweisend über den Tag hinaus. Das Votum ist das eine Abrechnung mit all jenen glücklos-konfusen Führungsgremien, die gleich zwei Bundesparteitage zu fragwürdigen personellen Entscheidungen gedrängt haben, ohne sich um die Basis zu scheren oder sie ernstzunehmen. Das für so viele Mitglieder aufatmende Ja zu Friedrich Merz, das einen bemühten zweiten Wahlgang überflüssig macht und für Ende Januar das Votum des zuständigen Bundesparteitags in Beton gießt, ist deshalb das, was seine Initiatoren bezweckt hatten: ein überfälliges Aufbegehren einer viel zu lange ignorierten und für zu leicht befundenen Basis.“

„Den Titel ,Das politische Comeback des Jahres‘ kann die SPD jetzt nicht mehr ausschließlich für sich und Olaf Scholz beanspruchen. Friedrich Merz’ deutlicher Sieg schon in der ersten Runde der Mitgliederbefragung der CDU spielt in derselben Liga, auch wenn dieser Erfolg nicht zum Einzug ins Kanzleramt, sondern nur in den obersten Stock des Konrad-Adenauer-Hauses verhilft. (…) Im Vertrauen auf seine Beliebtheit bei der Parteibasis nahm er auch noch einen dritten Anlauf, um CDU-Vorsitzender zu werden. Seine Einschätzung, dass er bei den ,einfachen‘ Mitgliedern mehr Anhänger habe als beim ,Establishment‘, trog nicht. Den Statuten entsprechend wird Merz zwar erst auf dem Parteitag im Januar gewählt. Nach diesem Vorlauf wird das aber eine Formalie mit einem noch besseren Ergebnis sein“, so die „FAZ.

Die „Volksstimme“ führt aus:

„So deutlich ist noch kein Parteivorsitzender von der Basis bestätigt worden. Friedrich Merz nimmt ein wahrlich robustes Mandat mit nach Berlin. Er wird es brauchen. Denn dort ist er noch ein ,König ohne Land‘. Der Machtkampf hat ohne ihn schon vor der Abstimmung begonnen. Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus hat das Machtvakuum genutzt und die Reihen dichtgemacht. Mit Thorsten Frei ist sein Vertrauter Erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Helge Braun ist für den Vorsitz des wichtigen Haushaltsausschusses nominiert. Beide hatten sich zuvor für Brinkhaus als Chef ausgesprochen. Merz muss die Macht von Brinkhaus beschränken, am besten seinen bis zum 30. April befristeten Posten übernehmen, ohne den Zusammenhalt von Fraktion und Partei zu gefährden. Dafür umgarnt er den Arbeitnehmerflügel, der ihm bisher fremd war, oder setzt auf Abgeordnete aus dem Osten. Auch ein sehr gutes Ergebnis beim Parteitag würde ihm helfen.“

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