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Ostdeutsche Privatbahn kauft 31 Batterie-Züge von Siemens - ein neuer Innovationsschub für die ganze Branche?

Die Deutsche Bahn will ab 2040 klimaneutral werden. Da wollen die vielen kleinen deutschen regionalen Bahnen nicht nachstehen. Jetzt wurde in Ostdeutschland ein neues klimafreundliches Projekt angestoßen.
05.01.2022 18:13
Aktualisiert: 05.01.2022 18:13
Lesezeit: 2 min
Ostdeutsche Privatbahn kauft 31 Batterie-Züge von Siemens - ein neuer Innovationsschub für die ganze Branche?
Ein batteriebetriebener Zug im Einsatz. (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Die private Ostbrandenburger Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) will ab 2024 auf zehn Strecken erstmals Batterie-Hybrid-Triebzüge einsetzen, die auf dem Gebiet des staatlichen Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg fahren sollen. Es geht um 31 Fahrzeuge von Siemens der Marke „Mireo plus B Züge“.

Wie der Fachdienst „Internationales Verkehrswesen“ (IV) berichtet, wird das Unternehmen die Fahrzeuge von einer speziellen Finanzgesellschaft leasen und auf Mittel unterschiedlicher Banken zurückgreifen – beispielsweise die Europäischen Investitionsbank (EIB). Das Finanzierungsvolumen wird nicht genannt.

Der Fachdienst berichtet, dass die Triebfahrzeuge ihren Strom zum Aufladen der Lithium-Ionen-Akkus aus den Oberleitungen der elektrifizierten Streckenabschnitte beziehen. Wenn die externe Stromversorgung endet, greift das Fahrzeug auf die Energie aus seinen aufgeladenen Batterien zurück. Die Reichweite beträgt mehr als 90 Kilometer. Um den Betrieb vollständig abzusichern, entstehen zusätzliche Ladestationen an der Strecke, schreibt IV.

Sofern der Strom der elektrifizierten Streckenabschnitte und der Ladestationen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, sind die Züge CO2-neutral. Jährlich sparen die neuen Triebfahrzeuge so über vier Millionen Liter Dieseltreibstoff ein und können damit den lokalen CO2-Ausstoß um über 11.000 Tonnen verringern. Zum Vergleich: Die Dieselfahrzeuge der Deutschen Bahn verbrauchen pro Jahr rund 250 Millionen Liter Treibstoff.

Hintergrund: Die regionale Bahn fährt derzeit auf insgesamt elf Strecken im Osten Deutschlands – und ist damit ein kleiner Akteur am Markt. Fünf Linien davon verbinden Berlin mit unterschiedlichen ostdeutschen Städten – beispielsweise mit Küstrin, das an der Grenze zu Polen liegt. Dies ist eine der wenigen täglichen Nahverkehrsangebote zwischen Deutschland und dem östlichen Nachbarn. Die NEB beschäftigt 275 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügt über rund 40 Triebwagen – also angetriebene Schienenfahrzeuge, die Personen befördern.

Sie gehört zu den insgesamt mehr als 600 aktiven Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in Deutschland, wie den Statistiken des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) zu entnehmen ist. Das Amt, das die Aufsicht über die Bahnbranche hat, zählt neben der alles dominierenden Deutschen Bahn, lokale und regionale Verkehrsgesellschaften und Infrastrukturdienstleister dazu.

In Schleswig-Holstein letzter Zuschlag im Vergabeverfahren erteilt

In der jüngsten Vergangenheit ist die Zahl der neuen Initiativen für klimafreundliche Antriebe am Markt überschaubar geblieben. Deswegen lässt es sich schwer sagen, dass durch den geplanten Einsatz von Batterie-Zügen durch die NEB die gesamte Branche einen richtigen Innovationsschub bekommt.

Eines der wenigen Vorhaben wurde gerade in Schleswig-Holstein weiter umgesetzt: So hat Anfang Dezember die Nahverkehrsgesellschaft NAH.SH ihren letzten Zuschlag im Vergabeverfahren im künftigen Akkunetz des Landes erteilt: Dieser ging an die private Gesellschaft NBE, die ab Dezember 2023 auf besonderen Teilstrecken die Verantwortung dafür übernehmen soll. Für einen anderen Teilbereich des Netzes hatte es bereits ein anderer Betreiber den Zuschlag erhalten. Die Verantwortlichen erhoffen sich, dass auf den zahlreichen Bahnstrecken ohne Oberleitung jedes Jahr rund zehn Millionen Liter Diesel eingespart und jährlich ca. 26.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

Darüber hinaus will der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) aus Nordrhein-Westfalen künftig auf klimafreundlichere Batteriefahrzeuge setzen. Die Lokalzeitung „Neue Westfälische“ teilt mit, dass der Kreis Ostwestfalen-Lippe, der über zwei Millionen Einwohner verfügt, solche Fahrzeuge auf insgesamt acht Strecken einsetzen will, die eine Leistung von 6,1 Millionen Zugkilometern umfassen. „Die Dieselstrecken wollen wir mit batteriebetriebenen Fahrzeugen bedienen nach der nächsten Ausschreibung", sagt Joachim Künzel, Geschäftsführer des NWL.

Ein weitere wichtige Initiative hat die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg bereits im März 2020 gestartet. Die Organsation kaufte batteriegetriebene Fahrzeuge - und zwar auch wieder den Typ Mireo Plus B von Siemens. Es wurden 20 Züge bestellt, die insgesamt 78 Millionen Euro kosten. Die Auslieferung soll Dezember 2023 über die Bühne gehen.

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