Politik

„EU Observer“ enthüllt Namen von mutmaßlichen russischen Spionen

Die Zeitung „EU Observer“ hat die Namen von acht mutmaßlichen russischen Spionen bei der Nato enthüllt.
10.01.2022 16:00
Lesezeit: 1 min
„EU Observer“ enthüllt Namen von mutmaßlichen russischen Spionen
Der Spionage-Roman zwischen der Nato und Russland geht weiter. (Foto: dpa) Foto: Uli Deck

Die acht Personen, die Russland in seiner Botschaft beim Nato-Hauptquartier in Brüssel als „Diplomaten“ bezeichnete, waren in Wirklichkeit „nicht angemeldete Geheimdienstler“, die „Aktivitäten nicht im Einklang mit ihrer Akkreditierung“ ausführten, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei der Ankündigung der Ausweisungen im vergangenen Oktober.

Nun hat der „EU Observer“ die Identitäten der mutmaßlichen Spione enthüllt. Es handelt sich dabei um Sergei Chesnokov, Oleg Demekhin, Wassili Epischkin, Dmitry Filippenok, Igor Kovalev, Nadezhda Obukhova, Alexander Smushko und Stanislav Telegin. Smushko war derjenige, der über Freunde in hohen Positionen verfügte.

Smushko hatte ursprünglich die Fakultät für Fremdsprachen und ausländische Militärinformationen der Militäruniversität des Verteidigungsministeriums (VUMO) in Moskau absolviert und wurde Oberstleutnant und stellvertretender Abteilungsleiter der VUMO.

Irgendwann trat er auch dem russischen Militärgeheimdienst GRU bei. Bevor er nach Brüssel kam, hatte er als persönlicher Dolmetscher für den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu, den russischen Armeechef Valery Gerasimov und den ehemaligen russischen Verteidigungsminister Anatoly Serdyukov in Gesprächen mit ausländischen VIPs auf der ganzen Welt gearbeitet.

Smushko selbst äußerte sich 2015 in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender „Zvezda“ zu seiner engen Beziehung zu Schoigu. Russland hat rund 200 Diplomaten und Konsularbeamte an verschiedenen Vertretungen in Brüssel und in Belgiens zweitgrößter Stadt Antwerpen.

Ein EU-diplomat teilte dem „EU Observer“ unter der Bedingung der Anonymität mit: „Unter dem diplomatischen Personal westlicher Länder in den Zentren der internationalen Diplomatie können auch einige Vertreter von Geheimdiensten sein. Aber bei den russischen Missionen bei der Nato und der EU ist die Zahl der Spitzel, die aggressive Geheimdienstoperationen durchführen, auffallend hoch. Und Sie müssen bedenken, dass Russland in der russischen Militärdoktrin und nationalen Sicherheitsstrategie die Nato als seinen Hauptfeind bezeichnet. SVR und GRU verüben politische Morde, rekrutieren Informanten und Agenten und sind per Definition zu 100 Prozent Nato- und EU-feindlich.“

Die Nato hatte bereits im Jahr 2018 Sanktionen gegen die russische Vertretung in Brüssel erlassen: Als Reaktion auf den Nervengiftanschlag im britischen Salisbury wurden damals sieben russische Mitarbeiter ausgewiesen und die Maximalgröße der russischen Delegation von 30 auf 20 Personen reduziert.

Russland weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft „Ein Albtraum für den Handel“: EU kontert Trumps Strafzoll-Drohungen
19.01.2026

Donald Trump will mit Strafzöllen Druck auf Europa ausüben – doch kann er sich dabei überhaupt einzelne EU-Staaten herauspicken?...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie fällt kräftig: Was sind die Gründe – und ist das die Chance zum Einstieg?
19.01.2026

Die Novo Nordisk-Aktie startet nach einer starken Aufwärtsrally überraschend schwächer in die neue Börsenwoche. Hinter dem Rücksetzer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Anleihemarkt in Alarmbereitschaft: Aus Sicht eines Top-Ökonoms wächst das Risiko für Investoren
19.01.2026

Ein dänischer Star-Ökonom schlägt in den USA Alarm: Die Mischung aus aggressiver Finanzpolitik, politischem Druck auf die Notenbank und...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten an den US-Börsen: Goldpreis zu hoch – weg aus den USA, kaufen Sie diese Aktien
19.01.2026

Geopolitische Schocks, politische Unberechenbarkeit und dennoch: Die Börsen laufen weiter. Während Gold auf Rekordniveau polarisiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF sieht Deutschland 2026 stärker wachsen – Optimismus für Wirtschaft
19.01.2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2026 stärker wächst als andere G7-Staaten. Damit...

DWN
Panorama
Panorama Putins Angst vor Journalisten: Der Fall eines norwegischen Mediums
19.01.2026

Fünf Journalisten im norwegischen Grenzort Kirkenes geraten ins Visier des Kreml: Russland erklärt ihr Medium zur „unerwünschten...

DWN
Politik
Politik Elektroauto-Kaufprämie: Schneider lockt mit bis zu 6.000 Euro Förderung
19.01.2026

Die Bundesregierung fördert den Kauf oder das Leasing von Elektroautos wieder mit bis zu 6.000 Euro. Umweltminister Carsten Schneider...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Start-up-Finanzierung 2025 steigt wieder – Bayern überholt Berlin
19.01.2026

Deutsche Start-ups profitieren 2025 von einem leichteren Zugang zu Investorengeldern. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY...