Deutschland

Steuereinnahmen von Bund und Ländern 2021 deutlich gestiegen

Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen – trotz Corona.
29.01.2022 09:57
Aktualisiert: 29.01.2022 09:57
Lesezeit: 2 min

Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen. Im Vergleich mit dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 legten sie um 11,5 Prozent auf knapp 761 Milliarden Euro zu, wie das Bundesfinanzministerium am Freitag mitteilte. Damit wurden die Prognosen von Experten noch einmal klar übertroffen. Der Arbeitskreis Steuerschätzung war zuletzt von knapp 745 Milliarden ausgegangen. Im Dezember 2021 war die Dynamik noch stärker. Hier gab es bei Bund und Ländern mit 111,5 Milliarden Euro ein Einnahmeplus von 19,5 Prozent.

„Der Bund schwimmt im Geld - auch als Folge der zuletzt ausufernden Inflation“, sagte der finanz- und haushaltspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Sebastian Brehm. Trotzdem verschiebe die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mit dem Nachtragshaushalt zusätzlich 60 Milliarden Euro in den Klimafonds. Der Fokus müsste aber sein, die Inflationsbelastungen der Menschen auszugleichen. Die Teuerungsrate wird dieses Jahr nach Schätzung der Regierung noch einmal auf 3,3 (2021: 3,1) Prozent zulegen.

Die Linke empfahl FDP-Finanzminister Christian Lindner, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. „Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für Steuersenkungen“, so Finanzpolitiker Christian Görke. Auch eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie käme infrage. „Das würde nicht nur Geringverdiener und die Mittelschicht entlasten, sondern auch die Wirtschaft anschieben.“

Allerdings profitierten vergangenes Jahr vor allem die Länder von der Erholung der Wirtschaft, während der Bund weiterhin viele Corona-Lasten zu schultern hat. Insgesamt gingen die reinen Bundessteuern 2021 um 7,1 Prozent zurück, die allein den Ländern zufließenden Steuern kletterten dagegen um 13,8 Prozent. Bei den Steuern, die beiden Ebenen zustehen, gab es einen Zuwachs von 15 Prozent.

Ökonomen wie Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sind deswegen vorsichtig. „Der Staat kämpft noch immer mit Defiziten, etwa in den Sozialversicherungen. Und die Ausgaben zur Bekämpfung der Pandemie sind weiterhin erheblich“, sagte er zu Reuters. Die hohen Energiepreise seien nur bedingt bei den Steuern zu spüren gewesen. „Besonders stark ist die Inflation im Dezember bei der Umsatzsteuer zu sehen.“ Kräftig im Plus seien im Dezember und Gesamtjahr 2021 die gewinnabhängigen Steuern gewesen. „Das geht auch darauf zurück, dass Unternehmen ihre Margen verbessert haben, also höhere Preise durchsetzen konnten.“

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,7 Prozent gewachsen. Damit konnte der Einbruch aus dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 von damals 4,6 Prozent aber noch nicht wieder ausgeglichen werden. Die zumindest bessere konjunkturelle Entwicklung spiegelt sich bei vielen Steuern wider: Die - 2020 für sechs Monate abgesenkte - Umsatzsteuer kletterte 2021 um 14,3 Prozent, die Einkommenssteuer um 14,8 Prozent und die maßgeblich von der Gewinnentwicklung der Unternehmen abhängende Körperschaftssteuer um fast 74 Prozent. Auch die wieder stärkere Reisetätigkeit schlug sich nieder: Die Luftverkehrssteuer lag knapp 94 Prozent oberhalb des Niveaus von 2020.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung: Welche Hilfe das Finanzamt wirklich leisten darf
06.04.2026

Das Finanzamt gilt für viele als erste Anlaufstelle bei Steuerfragen. Doch nicht jede Antwort ist erlaubt oder verbindlich. Welche Hilfe...

DWN
Technologie
Technologie KI im E-Learning: Wie ChatGPT Kursanbieter entlarvt
06.04.2026

Was früher niemand las, prüft heute eine Maschine in Sekunden. Kunden lassen Verträge, E-Books und Onlinekurse von KI analysieren und...

DWN
Panorama
Panorama Die unsichtbaren Schatzkammern der Welt: 10 Rohstoffquellen unter dem Radar
06.04.2026

Rohstoffe sind zurück im Zentrum der Weltpolitik – doch die größten Konflikte entstehen nicht in Venezuela, Iran oder China. Tiefsee,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektrischer Mercedes GLC: Preise, Technik und Reichweite im Überblick
06.04.2026

Mit dem elektrischen GLC will Mercedes den Umstieg in die Elektromobilität attraktiver machen und kombiniert moderne Technik mit...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg im Westen: Trotz Skandalen ist die Partei auf dem Vormarsch
06.04.2026

Trotz Vetternwirtschaftsdebatten, Extremismus-Vorwürfen und interner Konflikte gewinnt die AfD weiter an Zustimmung, auch im Westen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus
06.04.2026

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben....

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? "Fiktives Realsplitting": Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
05.04.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Technologie
Technologie Chinas Vorherrschaft bei Batterien ist eine Tatsache. Was bleibt Europa noch?
05.04.2026

Europa erhält keine Energiespeicher höchster Qualität. Diese werden vom heimischen chinesischen Markt absorbiert, ähnlich verhält es...