Politik

Normandie-Format tot? Ukraine feuert gegen Deutschland und Frankreich

Der oberste Sicherheitschef der Ukraine geht hart ins Gericht mit Frankreich und Deutschland. Dem Minsker Abkommen und dem von Deutschland und Frankreich angeführten Normandie-Format erteilt er eine klare Absage.
01.02.2022 14:32
Aktualisiert: 01.02.2022 14:32
Lesezeit: 1 min
Normandie-Format tot? Ukraine feuert gegen Deutschland und Frankreich
Annalena Baerbock, Außenministerin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und ihr französischer Amtskollege Jean-Yves Le Drian verabschieden sich nach einem gemeinsamen Gespräch und einer Pressekonferenz. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Der ukrainische Sicherheitschef Oleksiy Danilov warnte den Westen am Montag davor, das Land zu zwingen, ein von Frankreich und Deutschland vermitteltes Friedensabkommen für die Ostukraine zu erfüllen, und beschuldigte, dass ein Versuch, es umzusetzen, interne Unruhen auslösen könnte, die Moskau zugutekämen.

„Die Erfüllung des Minsker Abkommens bedeutet die Zerstörung des Landes. Als es unter dem russischen Kanonenrohr unterschrieben wurde – und die Deutschen und die Franzosen zuschauten – war allen vernünftigen Menschen bereits klar, dass es unmöglich ist, diese Dokumente umzusetzen“, zitiert „U.S. News“ Danilov.

Danilov, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, sagte gegenüber dem englischsprachigen Dienst „The Associated Press“, dass die Ukraine die Fähigkeit hat, bis zu 2,5 Millionen Menschen zu mobilisieren, wenn Russland einmarschiert.

„Die Vorbereitungszeit, die von der ganzen Welt wahrgenommen wird, könnte drei bis sieben Tage dauern“, sagte Danilov. „Wir sehen es noch nicht. Wir verstehen genau, was vor sich geht, und bereiten uns in aller Ruhe darauf vor.“

Er kritisierte Deutschland dafür, dass es sich geweigert habe, der Ukraine Waffen zu liefern, und beschuldigte Berlin, sich auch nicht ordnungsgemäß bei den Ukrainern für Nazi-Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs zu entschuldigen, als die Ukraine Teil der Sowjetunion war. „Leider haben sie sich nicht dafür entschuldigt, Millionen unserer Bürger getötet zu haben. Sie entschuldigen sich bei den Russen. Sie sollten dann nicht über Demokratie reden und sagen, dass sie autoritäre Regime unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten“, meint Danilov.

Danilovs Aussagen richten sich vor allem gegen das Normandie-Format, das von Deutschland und Frankreich ins Leben gerufen wurde. Im Zentrum des Normandie-Formats steht die Umsetzung des Minsker Friedensabkommens. Paris und Berlin hatten einen maßgeblichen Anteil am Abschluss des Abkommens.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Dinge, die mir bei Teslas aktuellem Quartalsbericht aufgefallen sind
28.10.2026

Beim Lesen von Teslas aktuellem Quartalsbericht entstand bei mir der Eindruck, es mit zwei getrennten Unternehmen zu tun zu haben. Das eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Longevity-Aktien: Wohin die Milliarden des Booms wirklich fließen – und wo Investoren auf Sand bauen
28.10.2026

Nach Angaben des Longevity Biotech Report von Longevity.Technology stieg das weltweite Investmentvolumen in Longevity-Biotech von 4,7...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben
28.10.2026

Wer stimmte für die AfD-Kandidaten im Landtag von Sachsen-Anhalt? Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Technologieunternehmen: Jio Platforms legt größten Börsengang Indiens hin
28.10.2026

530 Millionen Kunden, digitale Dienste und KI: Jio Platforms ist längst mehr als ein Mobilfunkanbieter. Wie das Unternehmen seine...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Blase platzt: Technologieunternehmen verlieren 480 Milliarden Dollar
28.10.2026

Chinas Markt für künstliche Intelligenz (KI) befindet sich in einer starken Korrekturphase. Innerhalb von weniger als vier Monaten haben...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
28.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Technologie
Technologie Fusionsenergie: Proxima Fusion findet Partner für den Bau von Reaktoren
28.10.2026

Münchner Start-up setzt auf japanisches High-Tech: Proxima Fusion verbündet sich mit Fujikura und Kyoto Fusioneering für den Bau...

DWN
Politik
Politik Ex-Diplomat Clyde Kull: Steht eine globale Lebensmittelkrise vor der Tür?
28.10.2026

Der Krieg im Nahen Osten, Russlands Aggression gegen die Ukraine, Störungen auf den Energiemärkten und extreme Wetterbedingungen könnten...