Finanzen

Insiderhandel? Federal Reserve verweigert US-Kongress Einsicht in wichtige Akten

Im Zuge eines Skandals um möglichen Insiderhandel hochrangiger Funktionäre erbittet der US-Kongress Einsicht in Unterlagen der Zentralbank. Diese blockiert das Anliegen.
11.02.2022 07:56
Aktualisiert: 11.02.2022 07:56
Lesezeit: 2 min
Insiderhandel? Federal Reserve verweigert US-Kongress Einsicht in wichtige Akten
Der Präsident der Federal Reserve, Jerome Powell. (Foto: dpa) Foto: Kiichiro Sato

Die US-Zentralbank Federal Reserve System wird dem US-Kongress keine Einsicht in sensible Akten gewähren, die im Zusammenhang mit einem möglicherweise handfesten Korruptionsskandal und dem anschließenen Rücktritt dreier hochrangiger Fed- Funktionäre stehen.

Wie der englischsprachige Dienst von Reuters berichtet, sollen 60 Seiten, welche die Kommunikation zwischen der Ethik-Abteilung der Zentralbank und ihren hochrangigen Funktionären aus dem Corona-Jahr 2020 enthalten, nicht freigegeben werden. Die Notenbank beruft sich zur Begründung dieses ungewöhnlichen Schrittes auf Ausnahmen, die nach dem geltenden Informationsgesetz ("Freedom of Information Act“) möglich seien. Solche Ausnahmen betreffen traditionell eigentlich nur schwerwiegende und weitreichende Faktoren - etwa Angelegenheiten der nationalen Sicherheit der USA.

Reuters berichtet, dass es im Rahmen des Informationsgesetzes die Freigabe aller Mitteilungen „in Bezug auf die Angemessenheit einzelner Finanztransaktionen“ im Jahr 2020 beantragt hatte, die zwischen dem General Counsel oder dem Ethikstab der Fed einerseits und Mitgliedern des Board of Governors, insbesondere dem damaligen Präsidenten des Bezirks Dallas, Robert Kaplan, und dem Präsidenten des Bezirks Boston, Eric Rosengren, andererseits gegeben habe. Die Fed-Beauftragte und stellvertretende Vorstandssekretärin Margaret McCloskey Shanks antwortete Reuters, dass ihre Mitarbeiter „ungefähr 47 Seiten mit Informationen“ identifiziert hätten, die Mitglieder des Fed-Vorstands betrafen, und etwa 13 Seiten, die entweder Kaplan oder Rosengren betrafen. Die Freigabe der Dokumente sei jedoch verweigert worden.

Drei Rücktritte innerhalb weniger Monate

Drei hochrangige Fed-Beamte - neben den bereits erwähnten Bezirkspräsidenten von Dallas und Boston handelte es sich um den stellvertretenden Vorsitzenden Richard Clarida - waren Ende des vergangenen Jahres beziehungsweise im Januar (Clarida) in rascher Folge zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass sie im Krisenjahr 2020 auf eigene Rechnung umfangreiche Investitionen getätigt hatten.

So spekulierten Robert Kaplan und Richard Clarida offenbar mit Aktien, während Eric Rosengren in immobilienbesicherte Wertpapiere investierte. Weil die Finanzmärkte im Zuge der Corona-Pandemie erst massive Einbußen und Preiszusammenbrüche verzeichneten und schließlich dank massiver geldpolitischer Hilfsaktionen der Federal Reserve selbst (sowie des amerikanischen Staates) wieder neue Höchststände erklommen, wurde der Vorwurf des Insiderhandels laut. Denn alle drei Funktionäre verfügten aufgrund ihrer Tätigkeit bei der Zentralbank über hochkarätiges Insider-Wissen mit marktbewegendem Potenzial - beispielsweise, wann die Fed ihre Hilfsmaßnahmen bekanntgeben würde und wie diese ausfallen würden. Es bot sich damit für die Funktionäre die Chance, Wertpapiere zu niedrigen Preisen aufzukaufen in dem Wissen, dass eine kräftige Erholung kurz bevorstehen würde.

Kaplan und Rosengren verwiesen zur Zeit der Enthüllungen ihrer Aktivitäten darauf, dass ihre Handelsaktivität den Ethikregeln der Zentralbank entsprochen hätten. Angesichts des starken öffentlichen Drucks - welcher nicht zuletzt von Enthüllungsberichten in der New York Tims ausgelöst wurde - traten sie jedoch schließlich recht schnell zurück.

Die internen Untersuchungen der Federal Reserve zu den Vorgängen sind noch nicht abgeschlossen und die Zentralbank ist überdies gerade dabei, Maßnahmen und konkrete Elemente der von Fed-Präsident Jerome Powell zur Beilegung des Skandals vorgestellten neuen Ethikregeln zu finalisieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX-Aktien legen deutlich zu, während sich Tech-Werte erholen
29.06.2026

Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Märkte jetzt bewegen und warum Anleger wieder optimistischer in die Zukunft blicken.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Deutsche Bank senkt Erwartungen deutlich
29.06.2026

Eine weitere Großbank hat ihre Goldpreis-Prognose nach unten korrigiert. Die Experten der Deutschen Bank haben ihre Erwartungen für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
29.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Panorama
Panorama Sechs Tote in Stade nach Schießerei – Was bisher über die Tat bekannt ist
29.06.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind Schüsse gefallen. Es gibt mehrere Tote und Schwerverletzte und die Politik...

DWN
Finanzen
Finanzen Airbus bekommt Rekordsumme: EU-Förderbank zahlt drei Milliarden 
29.06.2026

Die Europäische Investitionsbank soll Prioritäten der EU finanzieren helfen - etwa bei Sicherheit und Verteidigung. Die Förderbank...

DWN
Politik
Politik Spitzel, Quellen und Agenten: Maaßen kritisiert Verfassungsschutz
29.06.2026

Der frühere Chef des Inlandsnachrichtendienstes Hans-Georg Maaßen kritisiert beim 1. Demokratiekongress der AfD seine ehemaligen...

DWN
Politik
Politik Europäische Fonds: Wo EU-Geld am häufigsten durch Betrug verschwindet
29.06.2026

Während Italien und Rumänien in absoluten Zahlen an der Spitze der Länder stehen, ist der geschätzte Schaden pro Einwohner durch Betrug...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzverfahren: Deko-Kette Depot schließt 66 Filialen in Deutschland
29.06.2026

Depot betrieb vor einigen Jahren noch rund 400 Geschäfte. Jetzt macht der Einzelhändler erneut eine große Zahl an Geschäften dicht....