Politik

Russland: „Westliche Kriegspropaganda ist gescheitert. Wir ziehen Truppen ab“

Russland will einige Truppen von der Grenze zur Ukraine abziehen. „Der 15. Februar 2022 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die westliche Kriegspropaganda scheiterte“, schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova.
15.02.2022 11:21
Aktualisiert: 15.02.2022 11:21
Lesezeit: 2 min
Russland: „Westliche Kriegspropaganda ist gescheitert. Wir ziehen Truppen ab“
Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt per Videokonferenz an einer Sitzung des Sicherheitsrates in der Residenz Novo-Ogaryovo außerhalb von Moskau teil. (Foto: dpa) Foto: Alexei Nikolsky

Das russische Verteidigungsministerium hat angekündigt, einen Teil seiner Truppen von der Grenze zur Ukraine abzuziehen, um die Gefahr einer möglichen Invasion zu deeskalieren. Berichtet der „Guardian“.

Das Ausmaß des Rückzugs bleibt unklar und betrifft möglicherweise nur einen Bruchteil der russischen Streitkräfte an der ukrainischen Grenze, die westliche Beamte auf mehr als 60 Prozent der Bodentruppen des Landes schätzen.

Die Ankündigung des Rückzugs erfolgte in einer Erklärung des Sprechers des Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, der laufende Übungen beschrieb, an denen Truppen aus „praktisch allen Militärbezirken, Flotten und Luftlandetruppen“ beteiligt waren.

„Einheiten der südlichen und westlichen Militärbezirke, die ihre Missionen erfüllt haben, besteigen Züge und Lastwagen und werden im Laufe des Tages zu ihren Garnisonen aufbrechen“, sagte Konashenkov in der Erklärung.

Das Verteidigungsministerium veröffentlichte auch ein Video von russischen Panzern und anderen schweren Waffen, die auf Eisenbahnwaggons geladen werden, so die russische Nachrichtenagentur „Interfax“.

Berichten zufolge verzeichnete der russische Rubel nach der Ankündigung Gewinne, was darauf hindeutet, dass die Anleger hofften, dass dies den Beginn einer Deeskalation der Spannungen zwischen Russland und dem Westen markieren würde.

Russland hat zuvor den Abschluss von Militärübungen nahe der ukrainischen Grenze angekündigt, aber die sozialen Medien und Satellitenaufnahmen, die in den folgenden Tagen aufgenommen wurden, haben keine wesentlichen Veränderungen der russischen Truppenhaltung gezeigt. An diesen Übungen war nur eine kleine Anzahl von Truppen beteiligt.

„Der 15. Februar 2022 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die westliche Kriegspropaganda scheiterte“, schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova, nach der Ankündigung in einem Facebook-Post. „Sie wurden entehrt und zerstört, ohne dass ein einziger Schuss abgefeuert wurde.“

Doch westliche Kommentatoren beurteilen die Lage etwas anders. Timothy Ash, Emerging Markets Senior Sovereign Strategist bei „BlueBay“ Asset Management, sagte am Dienstag in einer Mitteilung: „Wenn Putin wirklich geblinzelt hat, wäre dies ein großer Gewinn für Biden, [den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr] Selenskyj und den Westen.“

Ash fügte hinzu, dass es schwierig sei, die gesamte Situation als etwas anderes als eine große Niederlage für Putin zu sehen. Als Ergebnis der aggressiven Aktivitäten Russlands sei das ukrainische Militär nun besser bewaffnet und besser in der Lage, sich selbst zu verteidigen, fügte Ash hinzu.

„Russland wurde als unzuverlässiger Energielieferant bezeichnet – der Westen wird die Diversifizierung weg von russischen Energiequellen beschleunigen“, so Ash. „[Putins] Bluff wurde gecallt. Er mag einen langen Aufsatz über die engen historischen Verbindungen zwischen Russland und der Ukraine geschrieben haben, aber einige werden sagen, er sei der russische Führer gewesen, der die Ukraine tatsächlich verloren habe. Das wird seine Rolle in der Geschichte sein – er hat die Westorientierung der Ukraine beschleunigt“, zitiert „CNBC“ Ash.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft WEF-Jahrestreffen in Davos: Furcht vor geoökonomischer Konfrontation
14.01.2026

Welche Folgen hat es, wenn Staaten gezielt mit wirtschaftlichen Mitteln Macht ausüben? Im Bericht über globale Risiken der Stiftung World...

DWN
Politik
Politik Bekämpfung der Inflation: Österreich senkt Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel
14.01.2026

Die Inflation in Österreich ist im Vergleich zum EU-Durchschnitt hoch. Die Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos einigt sich auf eine...

DWN
Politik
Politik Ukraine verlängert Kriegsrecht: Neuer EU-Kredit soll vor allem Militär stärken
14.01.2026

Das neue riesige EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro soll nach dem Willen der Europäischen Kommission zu einem großen Teil den...

DWN
Immobilien
Immobilien Pflegeimmobilie als Geldanlage: Finanzbranche entdeckt das Pflegeheim
14.01.2026

Die deutsche Bevölkerung altert, und damit steigt der Bedarf an Betreuung. Banken und private Kapitalgeber suchen nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Handschriftliches Testament: Wenn eine einfache Quittung über Millionen entscheidet
14.01.2026

Handschriftliches Testament: Wie sicher ist Ihr letzter Wille? Ein aktueller Prozess um eine Darlehensquittung hat die Tücken des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robotikmarkt: Bosch kooperiert mit Roboterhersteller Neura Robotics
14.01.2026

Zwei schwäbische Unternehmen kooperieren. Bosch sieht Potenzial bei humanoiden Robotern, dem Kerngeschäft von Neura Robotics. Was...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Arbeitslosigkeit: Kommt bald die eigene Kündigung?
14.01.2026

Angst vorm Jobverlust durch KI und Wirtschaftskrise: Immer mehr Deutsche sind vom Stellenabbau persönlich betroffen. Wer wird als...

DWN
Finanzen
Finanzen Energiepreise: Winter und Gaspreise treiben Heizkosten 2025 nach oben
14.01.2026

Kälteeinbrüche und höhere Gaspreise lassen die Heizkosten 2025 spürbar steigen. Besonders Haushalte mit Fernwärme und Gas sind laut...