Politik

Alles nur Fake? „Bellingcat“ behauptet, dass Videos von Evakuierungen vor Bombenanschlag gedreht wurden

Ein Video zeigt Bilder von angeblichen Evakuierungen nach einem Autobombenanschlag im östlichen Teil der Ukraine. Eine Gruppe investigativer Journalisten behauptet jetzt, anhand von Metadaten belegen zu können, dass pro-russische Separatisten das Video drehten, bevor der Anschlag stattfand.
19.02.2022 15:58
Aktualisiert: 19.02.2022 15:58
Lesezeit: 1 min
Alles nur Fake? „Bellingcat“ behauptet, dass Videos von Evakuierungen vor Bombenanschlag gedreht wurden
Eine ältere Frau und ein Junge schauen durch das Fenster eines Busses und warten auf ihre Evakuierung nach Russland. (Foto: dpa) Foto: Alexei Alexandrov

Sind die angeblichen Evakuierungen wegen des Autobombenanschlags in der Ostukraine nur ein Fake? Metadaten aus der Messaging-App "Telegram" sollen darauf hinweisen, dass die Videos, welche die Notfall-Evakuierungen zeigen, von prorussischen Separatistenführern bereits zwei Tage vor dem angeblichen Autobombenanschlag in Donezk gedreht wurden. Das berichtet „Bellingcat“ (eine in den Niederlanden ansässige Website für investigativen Journalismus). Der Journalist Aric Toler dokumentiert die Ereignisse auf Twitter.

US-Regierungsbeamte beschuldigen Russland seit Tagen, einen Vorwand für einen Einmarsch in die Ukraine zu erfinden. Und tatsächlich: Die zwei Tage alten Metadaten der Führer der selbsternannten „Volksrepubliken Donezk und Luhansk“ könnten Behauptungen widerlegen, dass sie die Evakuierungen wegen einer unmittelbar drohenden ukrainischen Offensive angeordnet hätten. Sind die Videos also ein Fake - und womöglich die angeblichen Anschläge auch?

Der Präsident der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“, Denis Pushilin, sagte in einem online und auf Telegram am Freitag veröffentlichten Video, dass seine Streitkräfte eine Zunahme der Zahl ukrainischer Militärangehöriger und Waffen entlang der Kontaktlinie beobachtet hätten. Wenig später veröffentlichte auch der Präsident der selbsternannten „Volksrepublik Lugansk“ ein Video.

Pushilin behauptete, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Militär bald den Befehl erteilen werde, „in das Territorium der Volksrepubliken Donezk und Luhansk einzudringen“, weshalb er befohlen habe, Kinder, Frauen und ältere Zivilisten nach Russland zu evakuieren.

Die ukrainische Regierung hat jede Art von Offensivoperationen bestritten und den Separatisten vorgeworfen, die Spannungen in den letzten 48 Stunden mit Artilleriebeschuss eskaliert zu haben.

Ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums stufte die separatistischen Behauptungen als „weitere Versuche, durch Lügen und Desinformation zu verschleiern, dass Russland der Aggressor in diesem Konflikt ist“, ein.

Der heftigste Artilleriebeschuss in der Ostukraine seit 2015 brach am Donnerstag aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: US-Aktien schließen uneinheitlich, während sich die Rendite 10-jähriger Anleihen 5,2 Prozent nähert
24.09.2026

Erfahren Sie, welche Kräfte die Wall Street aktuell in Atem halten und was das für Ihre Anlagen bedeutet.

DWN
Politik
Politik Debatte im Bundestag: Neuer Anlauf für umstrittene Widerspruchsregelung bei Organspenden
24.09.2026

Tausende schwerkranke Patienten warten dringend auf ein Spenderorgan wie eine Niere oder eine Leber. Um die Zahl der Transplantationen zu...

DWN
Politik
Politik Tiefe Gräben beim Staatsvertrauen: Wie die Bürger das politische System bewerten
24.09.2026

Während eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor auf die Qualität der Demokratie vertraut, offenbart eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Audi China-Modelle: Diese Elektroautos will Audi in Deutschland stoppen
24.09.2026

Audi entwickelt Elektroautos eigens für China, doch plötzlich stehen sie bei Händlern in Deutschland. Was wie ein Erfolg der eigenen...

DWN
Politik
Politik EuGH-Urteil zu Energiepreisen: Grundsatzentscheidung stärkt Rechte der Verbraucher und widerspricht dem BGH
24.09.2026

Jahrelang zu hohe Beträge für Wärme gezahlt? Nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs verjähren...

DWN
Technologie
Technologie Rückgang bei Industrierobotern: Deutschland droht im weltweiten Wettlauf den Anschluss zu verlieren
24.09.2026

Trotz seiner führenden Rolle bei der industriellen Automatisierung in Europa gerät der Standort Deutschland im globalen Vergleich ins...

DWN
Politik
Politik Atempause beim Tanken vorbei? Spritpreise steigen wieder an
24.09.2026

Autofahrer müssen nach einer kurzen Verschnaufpause an den Zapfsäulen wieder mit höheren Ausgaben rechnen. Obwohl Benzin und Diesel im...

DWN
Technologie
Technologie Experten schlagen Alarm: Forderungen nach grundlegendem Umdenken bei KI-Konzernen
24.09.2026

Angesichts potenziell unkontrollierbarer Gefahren durch Künstliche Intelligenz dringen Fachleute auf neue Regeln für die führenden...