Politik

Deutsche Welle in der Türkei von Verbot bedroht

Die Staatssender Deutsche Welle und Voice of America widersetzen sich den Behörden in der Türkei und riskieren damit ein Verbot. Sie sprechen von "Zensur".
23.02.2022 17:35
Lesezeit: 2 min

Den beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutsche Welle (DW) aus Deutschland und Voice of America (VoA) aus den USA droht ein Verbot in der Türkei. Denn die Sender haben sich geweigert, einer am Montag vom Obersten Rundfunk- und Fernsehrat der Türkei veröffentlichten Aufforderung nachzukommen, wie die Financial Times berichtet.

Der Aufforderung zufolge sollten sie innerhalb von 72 Stunden eine Sendelizenz beantragen, sonst werde der Zugang zu ihren Webseiten in der Türkei gesperrt. Deutsche Welle und Voice of America, die beide eine Reihe von türkischsprachigen Nachrichteninhalten produzieren, haben das Vorgehen der türkischen Behörden als "Zensur" bezeichnet. Sie wollen nun gegen die Aufforderung Berufung einlegen.

Der in Frankreich ansässige Nachrichtensender Euronews hat von der türkischen Rundfunkaufsicht die gleiche Aufforderung erhalten wie Deutsche Welle und Voice of America. Allerdings hat sich Euronews bisher nicht dazu geäußert, ob er der Aufforderung der Behörde nachkommen wird oder nicht.

Der Vorfall könnte zu erneuten Spannungen zwischen der Türkei und dem Westen führen. Als sich der Konflikt zwischen Ankara und den drei Sendern Anfang des Monats ankündigte, erklärte das US-Außenministerium gegenüber Voice of America: "Unsere Besorgnis über die Pressefreiheit in der Türkei ist gut dokumentiert, und wir fordern die Türkei weiterhin auf, die Meinungsfreiheit zu respektieren und zu gewährleisten."

Der Rundfunkaufsicht zufolge sollen die drei ausländischen Sender ein Gesetz einhalten, das für Online-Sender eine Lizenz vorschreibt, da sie türkischsprachige On-Demand- und Live-Videoberichte sowie textbasierte Nachrichten produzieren. Diese Forderung wurde von Voice of America zurückgewiesen, da eine Lizenzierung dazu führen würde, dass die Regulierungsbehörde "Zensur oder Entfernung von Inhalten" anordnen kann.

Der in Washington ansässige Nachrichtendienst Voice of America erklärte in einer Stellungnahme: "Im Gegensatz zu Radio- und Fernsehsendungen ist das Internet keine begrenzte Ressource, und der einzige mögliche Zweck einer Lizenzierungspflicht für die Internetverbreitung ist die Ermöglichung von Zensur."

Die Deutsche Welle erklärte, dass die Unterwerfung unter den Antrag den türkischen Behörden die Möglichkeit geben würde, den gesamten Dienst auf der Grundlage einzelner kritischer Berichte zu sperren, sofern diese Berichte nicht gelöscht würden. "Dies würde die Möglichkeit der Zensur eröffnen", sagte DW-Intendant Peter Limbourg.

"Wir werden gegen diese Entscheidung Berufung einlegen und vor den türkischen Gerichten klagen", so Limbourg weiter. Die Deutsche Welle fügte hinzu, dass sie bereits ein Verbindungsbüro in der Türkei gemäß dem Gesetz von 2019 eingerichtet habe und seit Februar 2020 bei den türkischen Behörden registriert sei.

Die Türkei ist in den letzten Jahren hart gegen lokale Medien vorgegangen. Die Verhaftungen, Schließungen, Medienübernahmen und strengen Gerichtsurteile, die nach dem Putschversuch von 2016 stattfanden, "haben die Mainstream-Medien des Landes effektiv ausgelöscht und viele Journalisten dazu bewegt, ihren Beruf aufzugeben", so das Komitee zum Schutz von Journalisten.

YouTube, Facebook und Twitter hingegen beugten sich dem Druck der türkischen Regierung, nachdem die Türkei ihnen mit einem faktischen Verbot gedroht hatte. Sie richteten Büros in dem Land ein und ernannten lokale Vertreter. Kritiker sagten, der Schritt würde sie für den Druck der Regierung anfälliger machen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lamborghini Urus SE im Test: Was leistet der Plug-in-Hybrid mit V8-Motor?
03.04.2026

Lamborghini entwickelt sein erfolgreichstes Modell weiter und kombiniert beim Urus erstmals einen V8-Motor mit Plug-in-Hybridtechnik....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Remote-Jobs werden knapper: Der Kampf ums Homeoffice nimmt zu
03.04.2026

Der Arbeitsmarkt für Remote-Arbeit verändert sich spürbar, während Unternehmen ihre Strategien neu ausrichten und die Nachfrage nach...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Orbán oder von der Leyen: Wahlen in Ungarn werden Europa verändern - steht die EU vor einem Machtverlust?
02.04.2026

Die Parlamentswahl am 12. April in Ungarn rückt nicht nur die Zukunft von Viktor Orbáns politischem System sondern auch die Zukunft der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach
02.04.2026

Ein nervenaufreibender Handelstag an den Märkten: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse jetzt in Bewegung halten.

DWN
Politik
Politik BlackRock: Investmentpläne vor Iran-Angriff? Pete Hegseths BlackRock-Investition im Fokus
02.04.2026

Während des Iran-Krieges rücken mögliche frühere Verbindungen zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, BlackRock und den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp
02.04.2026

Drohnenangriffe treffen Energiesektor: Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kfz-Steuer-Prämie aufs Konto geplant: Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
02.04.2026

Die Bundesregierung prüft neue Wege, um Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise schneller finanziell zu entlasten, und setzt dabei auf...