Deutschland

Deutsche Exporte fielen schon vor Kriegsbeginn - "Dunkles Jahr"

Deutschlands Exporte sind schon im Januar gefallen. Eine Ratingagentur senkt die Wachstumsprognose für Deutschland. Der DIHK spricht von einem "dunklen Jahr".
04.03.2022 10:33
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Exporteure haben schon vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine einen unerwarteten Rückschlag erlitten. Ihre Ausfuhren fielen im Januar um 2,8 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Wachstum von 1,0 Prozent gerechnet. Die Importe sanken sogar um 4,2 Prozent. Hier hatten Experten einen Anstieg von 2,0 Prozent vorhergesagt.

Dagegen zog das Russland-Geschäft wenige Wochen vor den inzwischen verhängten Sanktionen gegen den Trend an. Die Exporte dorthin nahmen um 14,4 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu, die Importe sogar um 18,9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Wegen der westlichen Sanktionen erwarten Experten aber in den kommenden Monaten schwere Einbrüche im Exportgeschäft mit Russland. "Unternehmen mit starkem Russland-Fokus kommen derzeit nämlich unter die Räder", sagte etwa der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. "Gleichzeitig fachen hohe Öl- und Gaspreise die Importe an."

SCOPE SENKT PROGNOSE

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rückt wegen des Ukraine-Kriegs von seiner Exportprognose für dieses Jahr ab. "Der Rückgang zu Jahresbeginn zeigt, wie schwierig das Umfeld für die deutsche Exportwirtschaft im Jahr 2022 ist", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Angesichts des Krieges in der Ukraine wird klar, dass das Gesamtjahr ein absolut dunkles sein wird." Das bisher vom DIHK prognostizierte Exportwachstum von sechs Prozent für 2022 sei nicht mehr zu schaffen. "Es kann sogar sein, dass der preisbereinigte Export in negative Zonen abrutscht", sagte Treier.

Das hat Folgen für die Konjunktur insgesamt, die nach zwei Corona-Jahren eigentlich wieder kräftig wachsen sollte. "Die Wachstumsaussichten Deutschlands verschlechtern sich, da die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts die bestehenden Störungen in der Lieferkette und den Inflationsdruck verstärken", heißt es in dem neuen Ausblick der Ratingagentur Scope. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte deshalb in diesem Jahr nur um 3,5 Prozent zulegen, nachdem bislang von einem Plus von 4,4 Prozent ausgegangen worden war. Für 2023 wird ein Anstieg von 2,7 Prozent erwartet.

Die direkten Folgen nach den verhängten Sanktionen seien zwar bislang "überschaubar", da Russland nur einen Anteil von 2,3 Prozent am deutschen Außenhandel habe. "Deutschlands exportorientierte Wirtschaft und die Abhängigkeit der Exporteure von internationalen Zulieferern impliziert jedoch, dass der Krieg in der Ukraine zu weiteren Störungen führen wird", schrieb Scope-Experte Eiko Sievert. Besonders betroffen sein dürfte der Automobilsektor, da dieser auch von Zulieferern aus der Ukraine und Russland abhängig sei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford E-Transit Courier im Test: Der Elektro-Spezialist für die Stadt
29.08.2026

Der Ford E-Transit Courier ist konsequent auf städtische Lieferdienste zugeschnitten. Er bietet ausreichend Reichweite für den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volkswagen unter Druck: Wie umfangreich muss der Konzern sparen?
29.08.2026

Hohe Kosten, Überkapazitäten und ein unerbittlicher Wettbewerb setzen Volkswagen massiv unter Druck. Mehrere Werke fürchten um ihre...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Engpass bei Diesel: Warum Autofahrer einen teuren Winter fürchten müssen
29.08.2026

Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr für den weltweiten Ölhandel. Trumps neue Sanktionen sollen den Iran wirtschaftlich treffen,...

DWN
Technologie
Technologie Neue KI-Offensive könnte Bäckereien Millionen sparen
29.08.2026

Die Bäckereikette Bodenhoff will mit einem neuen KI-Werkzeug Abfall reduzieren und Mehrverkäufe sichern. Es soll die Planung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deindustrialisierung schreitet voran: Deutschlands Industrie verliert weiter Arbeitsplätze
29.08.2026

Laut Daten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) verliert Deutschland derzeit monatlich durchschnittlich rund 15.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld: Hamburg Direct Bank hebt Aktionszins für Tagesgeldkonto an
29.08.2026

Ein höherer Aktionszins und eine verlängerte Garantie machen das Tagesgeld der Hamburg Direct Bank noch interessanter. Weil Experten eine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warsh verspricht Kampf gegen die Inflation; S&P 500 und Chipwerte geben nach
28.08.2026

Wie die jüngsten Signale der US-Notenbank und überraschende Einzelmeldungen die Wall Street in Bewegung versetzen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt 2.000 Fälle pro Tag: Wie das Legal-KI JUPUS aus Köln von der Kanzleikrise profitiert
28.08.2026

Weil Anwaltskanzleien keine Fachkräfte finden, boomt das Legal Tech von René Fergen. Das Unternehmen lässt eine KI die...