Finanzen

Russland wird Schuldenzahlungen an ausländische Gläubiger nur noch in Rubel leisten

Künftig sollen ausländische Gläubiger von russischen Dollar-Anleihen nur noch in Rubel ausgezahlt werden. Doch der Rubel verliert durchgehend an Wert.
06.03.2022 20:10
Aktualisiert: 06.03.2022 20:10
Lesezeit: 2 min

Am Freitag berichtete „Bloomberg“, dass ausländische Inhaber von russischen Staatsanleihen in lokaler Währung drei Tage nach Fälligkeit immer noch keine Kuponzahlungen erhalten haben.

Russlands „National Settlement Depository“ erhielt die Zinsen – 11,2 Milliarden Rubel (98 Millionen US-Dollar) auf 339 Milliarden Rubel an Anleihen, bekannt als OFZs, die im Februar 2024 fällig werden – von der Regierung und bezahlte zwar einheimische Investoren, doch internationale Investoren wurden wegen der Anordnung der russischen Zentralbank, Auslandszahlungen zu sperren, nicht bezahlt.

„Die Gelder an russische Anleihegläubiger wurden getätigt“, sagte Elena Avdonicheva, Leiterin der Abteilung für festverzinsliche Wertpapiere Russlands und der GUS bei „CBonds“. „Zahlungen an Nichtansässige wurden aufgrund eines staatlichen Verbots nicht getätigt. Diese Gelder sind bis auf Weiteres im NSD eingefroren. Technisch gesehen können wir davon ausgehen, dass das Geld später bei den Anleihegläubigern ankommt.“

Ist es also an der Zeit, Russland offiziell für zahlungsunfähig zu erklären? Noch nicht ganz: Lokale russische Schulden haben laut „Cbonds“ eine Nachfrist von 10 Arbeitstagen. Ob die Tatsache, dass die Gelder nicht rechtzeitig bei den Anleihegläubigern angekommen sind, als Zahlungsausfall oder als technischer Ausfall gewertet wird, bleibt den Ratingagenturen überlassen.

Letztendlich wird die Entscheidung, ob Russland ausgefallen ist oder nicht, von den Ratingagenturen kommen, die irgendwann Mitte März 2022 bekannt geben werden, dass Russland in einen sogenannten „selektiven Zahlungsausfall“ eingetreten ist, an dem es in seinem gesamten Land in Verzug geraten wird gesamte Bond-Universum.

Während Russland eine Teilzahlung seiner auf Rubel lautenden Schulden geleistet hat, sind alle Augen jetzt auf Russlands Fremdwährungsschulden gerichtet, wo die Regierung am 16. März 2022 Kupons in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar für zweijährige Dollar-Anleihen zahlen soll. Eine weitere Zinszahlung wird am 21. März und eine 2-Milliarden-Dollar-Anleihe am 4. April 2022 fällig. Internationale Anleihen haben eine 30-tägige Nachfrist, und eine Nichtzahlung in dieser Zeit könnte „Credit Default Swaps“ („CDS“) auslösen, obwohl es Bedenken gibt, ob dies der Fall wäre auch auszahlen.

„Springer Gabler“ berichtet: „Ein CDS ist ein Instrument zur Absicherung eines Zahlungsausfalls bei einem Kreditnehmer; sehr vereinfacht: ein CDS schützt wie eine Kreditausfallversicherung vor dem Totalverlust des geliehenen Kapitals (zumeist Anleihen) im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners; Gläubiger zahlen einen bestimmten Betrag z.B. an ihre Bank, der auf dem Nominalwert der Anleihe beruht, damit sie im Falle des Zahlungsausfalls des Schuldners einspringt. Da CDS an den Finanzmärkten auch frei, d.h. getrennt von ihren zugehörigen Anleihen, gehandelt werden dürfen, können sie auch zu spekulativen Zwecken eingesetzt werden.“

Da es Russland praktisch verboten ist, ins Ausland gehende Dollar-Transaktionen zu tätigen, ist ein auf Dollar lautender Zahlungsausfall nur noch eine Formalität.

In einem innovativen Versuch, diese Eventualität zu umgehen, unterzeichnete Wladimir Putin am 5. März 2022 ein Dekret, das es Unternehmen erlaubt, ausländische Gläubiger in Rubel zu bezahlen, obwohl wir bezweifeln, dass irgendein ausländischer Gläubiger Russlands irgendein Interesse daran hat, in Rubel bezahlt zu werden, da der Rubel in der vergangenen Woche 50 Prozent an Wert verloren hat.

Das Dekret legt vorübergehende Regeln für Staats- und Unternehmensschuldner fest, um Zahlungen an Gläubiger aus „Ländern zu leisten, die sich an feindlichen Aktivitäten“ gegen Russland, seine Unternehmen und Bürger beteiligen. Die Regierung wird innerhalb von zwei Tagen eine Liste solcher Länder erstellen.

Während die meisten russischen Unternehmensanleihen, die auf Fremdwährungen denominiert sind, in den vergangenen Tagen auf ein tief erschüttertes Niveau gefallen sind, veröffentlichte JPMorgan am 4. März 2022 eine Liste von Unternehmen, deren Anleihen gewinnbringend sein sollen, darunter „Lukoil“, „Novolipetsk Steel“ und „Magnitogorsk Iron and Steel“.

Gemäß dem Dekret vom Samstag über den Schuldendienst im Ausland gelten Zahlungen als ausgeführt, wenn sie in Rubel zum offiziellen Kurs der Zentralbank ausgeführt werden.

Während einige der ausländischen Staatsanleihen Russlands Zahlungen in Rubel zulassen, wird die neue Maßnahme den Inhabern von „CDS“ große Kopfschmerzen bereiten. Denn angesichts der Kapitalverkehrskontrollen in Russland und der Sanktionen könnte die Zahlung in Rubel „diese Anleihen aus dem Geltungsbereich von ,CDS‘ als ‚Verpflichtungen‘ und ‚lieferbare Verpflichtungen‘ herausnehmen“, so JPMorgan. Insgesamt decken CDS russische Schulden in Höhe von brutto 41 Milliarden US-Dollar.

Auf jeden Fall ist ein Ausfallereignis selbst nach den lockersten Bedingungen nur noch höchstens zehn Tage entfernt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...

DWN
Politik
Politik Midterms 2026: Doppelniederlage für Trumps Republikaner
04.11.2026

Zwanzig Jahre hat es gedauert, jetzt ist es wieder passiert: Trumps Republikaner verlieren Repräsentantenhaus und Senat zugleich. Selbst...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto und Finanzamt: Wo Anleger in Steuerfallen geraten – und wann Steuerhinterziehung droht
04.11.2026

Ab 2027 melden Krypto-Anbieter erstmals automatisch Transaktionsdaten an das Bundeszentralamt für Steuern – und zwar für das gesamte...