Deutschland

Klima-Steuern und Krieg: Deutsche Unternehmen erwarten Energiepreis-Schock

Die deutschen Unternehmen erwarten mit Blick auf die Zukunft schwere Belastungen.
09.03.2022 12:00
Aktualisiert: 09.03.2022 12:02
Lesezeit: 2 min

Drei von fünf deutschen Unternehmen erwarten „große bis sehr große“ Belastungen durch die hohen Energiepreise infolge der von der Bundesregierung eingeführten Klima-Sondersteuern und die russische Invasion in die Ukraine. Das geht aus einer der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorliegenden Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor, das in der ersten Kriegswoche gut 200 Industriebetriebe und industrienahe Dienstleister befragt hat. Bei den Industrieunternehmen sind es aufgrund der energieintensiven Herstellungsprozesse sogar gut 70 Prozent, die infolge der höheren Produktionskosten eine Schwächung vorhersehen.

Ausfallende Zulieferungen von Gas stellen für fast ein Drittel der Firmen ein Problem dar. Auch hier sind in der Industrie die Sorgen besonders groß: 37 Prozent sehen eine ausbleibende Gasversorgung als einen großen oder sogar sehr großen Angebotsschock. Dass Lieferanten wegen des Krieges ausfallen oder nicht liefern können, stellt ebenfalls für fast jedes dritte Unternehmen eine Belastung dar: Gut 30 Prozent bewerten ausfallende Zulieferungen von anderen Vorleistungen für ihre Produktion als problematisch. Unter den Industriefirmen sind es angesichts der international stärker aufgestellten Wertschöpfungsketten sogar fast 40 Prozent.

„Deutlich weniger bedeutend sind wegfallende Absatzmärkte in Russland und der Ukraine“, so die IW-Forscher Hubertus Bardt, Michael Grömling und Edgar Schmitz. „Weniger als ein Zehntel aller Firmen sieht aufgrund eines wegfallenden Absatzmarktes große oder sehr große Probleme in absehbarer Zeit.“ Hauptgrund: Allenfalls zwei Prozent des deutschen Außenhandelsumsatzes würden mit Russland erzielt.

Die Ölpreise sind um mehr als 30 Prozent gestiegen, seit Russland in die Ukraine einmarschiert ist und die USA sowie andere Länder eine Reihe von Sanktionen verhängt haben. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sprach sich wie zuvor Wirtschaftsminister Robert Habeck gegen ein Importstopp für russisches Öl aus. Deutschland sei viel abhängiger davon als etwa die USA, sagte Baerbock bei Bild-TV.

Die Grundlage für den massiven Anstieg der Energie-, Rohstoff- und Strompreise in Deutschland und Europa stellen Sondersteuern und Abgaben dar, mit denen die Regierungen eigenen Angaben zufolge eine weitere Erwärmung des Weltklimas abfedern wollen. Schon vor dem Krieg in der Ukraine waren europäische Firmen beispielsweise gezwungen, die Produktion angesischts der aus den Fugen geratenen Energiepreise zurückzufahren.

Lesen Sie dazu: Schwerindustrie fährt Produktion wegen extrem hoher Energiekosten zurück

Taxibranche - Exorbitante Spritpreise verschärfen wirtschaftliche Lage

Die Taxibranche in Deutschland rechnet angesichts der seit Beginn des Ukraine-Kriegs gestiegenen Benzin- und Dieselpreise mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. „Unsere Situation ist seit Ausbruch der Corona-Krise extrem angespannt. Und wir sind noch längst nicht wieder auf dem Stand von vor der Pandemie. Jetzt kommen zur Anhebung des Mindestlohns auch noch die exorbitanten Spritpreise“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen, Michael Oppermann, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Das ist aktuell unter keinem Gesichtspunkt auskömmlich.“

Taxiunternehmen können ihre Preise nicht an den Spritkosten orientieren, sondern sind an behördlich vorab festgelegte Tarife gebunden. „Wenn die Kosten steigen, müssen auch die Tarife zügig steigen“, forderte Oppermann. Normalerweise dauere eine Tarifanpassung ein Jahr, das passe mit dem Tempo der Zapfsäulen nicht überein. Spätestens im Oktober müsse sich etwas tun, denn dann gelte auch der Mindestlohn von zwölf Euro, der sich noch gravierender auswirke als die Spritpreise. „Das schlägt drastisch auf unsere Kostenstruktur durch. Rund 70 Prozent aller Kosten sind Personalkosten“, sagte Oppermann.

Inzwischen ist Diesel teurer als Benzin, was dem Taxigewerbe zusätzlich zu schaffen macht. „Lange war es wirtschaftlich sinnvoller, Diesel zu fahren“, sagte Oppermann. Angesichts der weiter anziehenden Ölpreise dürften auch die Spritkosten noch zulegen. Oppermann zufolge waren in Deutschland vor der Corona-Krise rund 100.000 Taxis auf den Straßen unterwegs und rund 250.000 Menschen arbeiteten als Fahrer.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musks KI zerstörte in einem Experiment die Welt innerhalb von vier Tagen
21.06.2026

Das Forschungslabor für künstliche Intelligenz Emergence AI führte ein 15-tägiges Experiment durch, bei dem gängige KI-Modelle eine...

DWN
Panorama
Panorama Last Minute buchen: Wo Urlauber jetzt noch sparen können
20.06.2026

Kurzentschlossene setzen auch in diesem Sommer auf Last-Minute-Angebote. Doch der Reisemarkt hat sich verändert: Nicht jede spontane...

DWN
Technologie
Technologie KI-Pionier Bengio: „Wir können die Vorteile nutzen, ohne die Katastrophe zu riskieren“
20.06.2026

Yoshua Bengio ist ein kanadischer Informatiker, der bekannt wurde durch seine Forschung zu künstlichen neuronalen Netzen und Deep...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiewende: Milliardenauftrag für Windstrom-Plattform geht nach Rostock
20.06.2026

Für die Anbindung von Windparks auf See an Stromleitungen an Land sind Konverter notwendig. Warum der Milliardenauftrag des Netzbetreibers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die 7 gefährlichsten Bürokratiefallen für Mittelständler: So hebeln Sie sie aus
20.06.2026

Immer neue Regeln, Formulare und Dokumentationspflichten treiben Mittelständler an ihre Grenzen – oft weit stärker als große Konzerne....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Inster im Test: Kleiner Elektro-SUV für fast jeden Geldbeutel
20.06.2026

Der Hyundai Inster wirkt auf den ersten Blick wie ein elektrischer Stadtzwerg. Im Test zeigt der kleine SUV aber mehr Platz, Komfort und...

DWN
Panorama
Panorama KI-Bewerbung: Diese 5 Fehler sollten Sie vermeiden
20.06.2026

Immer mehr Bewerber nutzen KI, um ihre Jobsuche zu beschleunigen. Doch die besten Ergebnisse entstehen nicht auf Knopfdruck. Wer Chatbots...

DWN
Panorama
Panorama EU einigt sich auf Fluggastrechte-Reform: Das ändert sich für Reisende
20.06.2026

Die EU hat sich auf neue Regeln für Flugreisende verständigt. Künftig sollen Passagiere bei Gepäck, Sitzplätzen und Informationen...