Technologie

Kohle ist die Lösung der deutschen Energieprobleme

Deutschland verfügt über keine Energie-Notreserven. Was, wenn das russische Gas nicht mehr fließt? Weder Wind noch Sonne stellen eine zuverlässige Alternative dar. Bleibt die Kohle: auf die ist Verlass!
20.03.2022 11:00
Lesezeit: 4 min
Kohle ist die Lösung der deutschen Energieprobleme
Das Kohlekraftwerk "Mehrum" (Landkreis Peine) trägt weitaus mehr zur Energie-Sicherheit bei als die nahegelegenen Windräder, die bei Flaute einfach stillstehen. (Foto: dpa)

Deutschland hat keine Notreserven

Der Einmarsch der Russen in die Ukraine und die darauffolgenden westlichen Sanktionen könnte zu einem Erdgas-Lieferstopp unseres Hauptlieferanten führen. Dann fehlt uns mehr als die Hälfte unseres Gasbedarfs. Damit dürften zumindest zeitweise die Lichter ausgehen und die Wohnungen kalt bleiben, denn mehr als zehn Prozent unseres Stromes wird durch Gas erzeugt, und die meisten Wohnungen werden mit Gas beheizt. Die Gaskavernen in Deutschland sind keine Reservespeicher. Sie dienen nur als Puffer zwischen dem unterschiedlichen Bedarf im Sommer und Winter.

Etwas sicherer ist die Versorgung mit Erdöl. Deutschland hat schon vor 50 Jahren unter der Regie des Erdölbevorratungsverbandes eine Reserve für 90 Tage eingelagert. Der größte Teil von rund 10 Millionen Tonnen liegt in Salzkavernen unter Wilhelmshaven. Diese Sicherheit kostet uns 0,5 Cent für jeden Liter Treibstoff.

Eine Reserve für Steinkohle gibt es in Deutschland nicht. Kraftwerke, die Stahlindustrie und andere Kohleverbraucher haben nur Vorräte für wenige Tage. Sie sind auf kurzfristigen Nachschub angewiesen. Kraftwerke müssen immer mal wieder ihre Produktion drosseln oder einstellen, weil beispielsweise ein Frachtkahn havarierte oder durch Eis behindert wurde. Dabei ist die Lagerung von Kohle problemlos. Sie kann unter freien Himmel beliebig lange auf Halde geschüttet werden.

Braunkohle nicht aufgeben

Braunkohle ist der letzte heimische Brennstoff mit ausreichenden Reserven für die nächsten Jahrzehnte. Er ist optimal für eine Verstromung am Gewinnungsort. Längere Transporte sind unwirtschaftlich, weil wegen ihres geringen Energiegehalts die dreifache Masse bewegt werden muss. Briketts aus Braunkohle werden lokal noch häufig zum Heizen genutzt. Für die Eisenverhüttung ist Koks aus Braunkohle eine Notlösung mit vielen Problemen. Die DDR verwendete sie, weil sie erschwerten Zugang zu Steinkohlenkoks hatte.

Ein Drittel unseres Stroms wird mit der heimischen Braunkohle erzeugt. Die Braunkohlenkraftwerke liefern durchgehend mit ihren großen Generatoren Grundlast mit einer stabilen Netzfrequenz. Sie sind das verbleibende Rückgrat unserer Stromversorgung nach Abschaltung der Kernkraftwerke und haben mit drei Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) die geringsten Erzeugungskosten. Es bleibt unverständlich, dass die Regierung diese wichtige und kostengünstige Energiequelle aufgeben will wegen einer nicht beweisbaren „Klimarettung“.

Wind- und Solarstrom ist „Fakepower“

Der russische Überfall auf die Ukraine hat die deutsche Regierung zu einer Kehrtwende in der Verteidigungspolitik veranlasst und zum Nachdenken über Energiereserven gebracht. Nach den bisherigen Äußerungen vom zuständigen Minister Robert Habeck (Grüne) sollen Reserven von Gas und Kohle eingelagert werden. Doch bisher ist noch kein Wort bekannt geworden über eine Kehrtwende in der Energiepolitik. Im Gegenteil, Habeck und sein Ministerkollege Christian Lindner (FDP / Ressort: Finanzen) behaupten, mit Wind- und Solarstrom könne Deutschland die Abhängigkeit von Energie-Importen mindern. Ein Wunschdenken ohne technischen Sachverstand! Mit dem vom Wetter abhängigen und nicht regelbaren Strom kann kein stabiles Versorgungsnetz aufgebaut werden. Fakt ist: Es werden immer regelbare Kraftwerke gebraucht werden. Um das deutlich zu machen, bezeichnet der Verein Stromverbraucherschutz NAEB diesen Strom als „Fakepower“.

Energiewende ist Preistreiber

Die Energiewende treibt die Kosten für Strom, Gas und Treibstoffe zusätzlich zu den weltweit gestiegenen Energiepreisen kräftig in die Höhe. Die Weltpreise werden sich wohl wieder auf ein niedrigeres Niveau einpendeln. Die Kostensteigerungen durch die Energiewende bleiben aber auf Dauer und steigen mit dem Ausbau der Fakepower-Anlagen weiter.

Allein die Stromwende kostet jährlich rund 50 Milliarden Euro. Die wohl weitgehend bekannte Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), mit der die Verluste beim Verkauf des hochvergüteten regenerativen Stroms ausgeglichen werden, liegen bei 25 Milliarden Euro im Jahr. Die von den Medien viel gelobte Abschaffung der EEG-Umlage ist Augenwischerei. Denn die Vergütungen werden weitergezahlt. Das Geld kommt nun intransparent aus der Steuerkasse. Die Stromrechnung wird zwar etwas geringer - aber die Steuern steigen.

Hohe Netzkosten

Zu der Umlage kommen noch viele weitere Kosten. Kraftwerke müssen die schwankende Fakepower auf den Bedarf regeln. Das kostet inzwischen 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Vor der Energiewende waren es 100 Millionen. Der geplante teure Ausbau der Netze muss gleichfalls vom Stromkunden bezahlt werden. Ein Kilometer Leitungstrasse kostet ein bis zwei Millionen Euro. Als Erdkabel sind es sieben Millionen. Weiter wird eine Umlage für abschaltbare Lasten gefordert. Das Geld erhalten stromintensive Betriebe als Ausfallentschädigung, wenn sie abgeschaltet werden, weil wegen Flauten und Dunkelheit nicht genügend Strom im Netz ist. Die Netzanbindung von Offshore-Windgeneratoren verteuert diesen Strom um fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde. Auch diese Kosten werden als gesetzliche Umlage an den Verbraucher weitergegeben.

Stromtransport durch Leitungen ist nicht umsonst. Bei voller Leistung werden die Leitungen bis zu 60 °C warm. Das sind Leitungsverluste, die auf 100 Kilometer ein bis zwei Prozent erreichen. Hinzu kommen die Verluste in den Umspannwerken. Wechselstrom hat zusätzlich noch nennenswerte Induktionsverluste. Vom Windstrom, der von den Küsten nach Süden geschickt wird, dürften etwa zehn Prozent verloren gehen.

CO2-Abgaben sind falsche Anreize für Investitionen

Abgaben auf Kohlenstoffdioxid (CO2)-Emissionen aus fossilen Brennstoffen verteuern die Energie und geben falsche Anreize für Investitionen. So sind Zertifikate für eine Tonne CO2-Emission in den letzten Jahren von fünf auf 100 Euro angestiegen. Die Zertifikate wurden politisch verknappt bei gleichzeitig steigender Produktion der Kohlekraftwerke, die den Kernkraftstrom ersetzen mussten. Zehn Euro pro Tonne CO2 macht die Erzeugung einen Cent pro Kilowattstunde teurer. Der sichere und preiswerte Braunkohlestrom wurde durch die Zertifikatkosten viermal teurer und dadurch unwirtschaftlich. Die Abgaben auf CO2-Emissionen sind ein Hauptpreistreiber für Energie in Deutschland.

Neue Energiepolitik ohne Tabus

Es wird dringend Zeit für eine Wende in der Energieversorgung. Dazu müssen alle Möglichkeiten ohne politische und ideologische Vorgaben von der Quelle bis zur Entsorgung sachlich von Fachleuten bewertet werden. Es darf kein Tabu geben. Das gilt für Braunkohle, Steinkohle, Erdgas, Erdöl, Kernkraft, Biomasse, Wind, Sonne, Erdwärme und Wasserkraft. Dazu gehört auch die Wiederaufnahme der Förderung von Steinkohle-Förderung und Aufgabe des Fracking-Verbots in Deutschland sowie ein Hinterfragen der derzeitigen Grenzwerte für CO2 und Stickstoffdioxid.

Ziel muss es sein, die Energie optimal zu nutzen und Verluste auf dem Weg zum Verbraucher so gering wie möglich zu halten. Die angestrebte Wasserstofftechnologie, Wärmepumpen zum Heizen von Wohnungen und Elektroautos erfüllen diese Forderungen nicht. Es ist zu hoffen, dass auch die Bundesregierung zu dieser Erkenntnis kommt. Wirtschaftsminister Habeck glaubt nach wie vor, wie man diesem Interview entnehmen kann, Fakepower allein könne Deutschland autark und bezahlbar mit Energie versorgen.

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Hans-Günter Appel

Zur Person: Prof. Dr. Hans-Günter Appel studierte Eisenhüttenkunde an der TU Clausthal-Zellerfeld und promovierte an der TU Aachen. Er war unter anderem als Forschungs-Ingenieur bei den Vereinigten Metallwerken in Altena (bei Lüdenscheid) sowie als Werkstoff-Ingenieur und Leiter der Zentralen Metallographie bei VW in Wolfsburg tätig. Als Professor lehrte er Werkstoffkunde an der Fachhochschule Wilhelmshaven. 

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