Politik

Wie der WEF und der digital-finanzielle Komplex den Zeitenwandel einleiten

DWN-Autor Ernst Wolff zeigt auf, wie sich die Mächtigen weltweit darüber einig sind, welche Ziele jetzt verfolgt werden sollten.
Autor
avtor
03.04.2022 08:18
Lesezeit: 4 min
Wie der WEF und der digital-finanzielle Komplex den Zeitenwandel einleiten
Von links nach rechts: Der Präsident des World Economic Forums (WEF), Klaus Schwab, der damalige Bundespräsident der Schweiz, Hans-Rudolf Merz, sowie der damalige Ministerpräsident und jetzige Präsident Russlands, Wladimir Putin, auf der Eröffnungsveranstaltung des WEF-Treffens in Davos (Schweiz) am 28. Januar 2009. (Foto: dpa)

Die Welt befindet sich seit einiger Zeit in einem absoluten Ausnahmezustand. Zwei Jahre lang wurde das globale Geschehen von der Reaktion auf ein Virus bestimmt, seit Ende Februar gibt es nur noch eine Bedrohung, die alles andere überlagert – die Eskalation des Krieges um die Ukraine.

Bemerkenswerte Parallele zwischen beiden Vorgängen ist die weitgehend gleichgeschaltete Reaktion der fast zweihundert Regierungen der Welt. Hatten sie sich in der Corona-Krise fast ausnahmslos hinter die Politik von Lockdowns, Masken- und Impfpflicht gestellt, so fordern sie im Fall der Ukraine so gut wie einhellig Sanktionen und militärische Aufrüstung gegen Russland.

Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt, dass es eine derartige Übereinstimmung in der strategischen Ausrichtung von Machthabern bisher nicht gegeben hat. Was also hat sich verändert?

Die großen Paradigmenwechsel

Die Welt hat in den vergangenen Jahren drei grundlegende Wandlungen durchgemacht.

  • Zum einen hat die Digitalisierung die Tür zur vierten industriellen Revolution aufgestoßen, die die Arbeitswelt in nie dagewesener Weise verändern wird. Wir werden bis 2030 weltweit den Verlust von bis zu einer Milliarde Arbeitsplätze, eine gewaltige Ausweitung des Einsatzes der Künstlichen Intelligenz und damit einen historischen Siegeszug der Digitalkonzerne erleben.
  • Des Weiteren ist das globale Finanzsystem, das heute von den großen Vermögensberatungen wie BlackRock und Vanguard beherrscht wird, mit dem Erreichen der Null-Zins-Marke in sein Endstadium eingetreten und kann nur noch durch bedingungslose Geldschöpfung am Leben erhalten werden. Das bedeutet, dass wir zwangsläufig der vollständigen Entwertung sämtlicher Währungen entgegengehen.
  • Drittens haben wir in der jüngeren Vergangenheit eine exponentielle Zunahme der Wohlstandsumverteilung von unten nach oben erlebt. Noch nie haben so wenige Konzerne und Einzelpersonen über so viel Geld verfügt wie in unserer Zeit.

Die Vermögenskonzentration wiederum hat eine nie dagewesene Machtkonzentration bewirkt, die die politischen Verhältnisse von Grund auf verändert hat. Zwar wurde der Lauf der Welt auch in der Vergangenheit zu großen Teilen von der Wirtschaft und insbesondere dem Finanzsektor bestimmt, aber es gab immer eine gewisse Bandbreite, innerhalb derer die Politik handeln konnte.

Dieser Spielraum existiert nicht mehr. In unserer Zeit hat sich die Politik den Interessen des digital-finanziellen Komplexes vollständig unterzuordnen. Tun einzelne Politiker das nicht, so sind ihre Tage im Amt gezählt. Aber wie schafft es der digital-finanzielle Komplex, seinen Druck so gezielt auf die Politik im Allgemeinen und die Regierungen im Besonderen auszuüben?

Die Antwort lautet: Er hat in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche globale Schlüsselorganisationen gekapert oder den eigenen Interessen unterworfen und benutzt diese, um seine Strategie der kompletten Machtübernahme durchzusetzen.

Die Hilfstruppen des digital-finanziellen Komplexes

Zu den wichtigsten dieser Organisationen zählen die Zentralbanken. Ihre Politik wird heute weitgehend von den Vermögensberatungen - allen voran BlackRock - gesteuert, das seit der Weltfinanzkrise sogar offizieller Berater der amerikanischen Zentralbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Was die Medien angeht: Sie werden zu einem großen Teil von einer Handvoll Konzerne gesteuert, hinter denen ebenfalls die Vermögensberatungen stehen. Besonderen Einfluss haben die sozialen Medien, die zu 100 Prozent dem digital-finanziellen Komplex gehören.

Die Forschungsprogramme großer Universitäten verschlingen Unsummen, die fast immer von der Wirtschaft gezahlt und damit auch an deren Interessen gebunden werden. Internationale Organisationen wie die WHO werden heute großenteils nicht mehr von den Gründerstaaten, sondern durch zweckgebundene Spenden privater Geldgeber finanziert, die auf diese Weise auch die politische und gesellschaftliche Ausrichtung der Organisationen festlegen. Besonders wichtig sind dabei die privaten Stiftungen ultrareicher Individuen, die teilweise wie Hedgefonds geführt werden.

Die finanzstärkste unter ihnen ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die über einen Etat von etwa 50 Milliarden Dollar verfügt und sich seit circa 20 Jahren vor allem im Gesundheitsbereich engagiert. Ihr weltweiter Einfluss dürfte nur von einer Stiftung übertroffen werden, die in dem kleinen Ort Cologny am Genfer See angesiedelt ist und der breiten Öffentlichkeit bis vor Kurzem kaum bekannt war: dem World Economic Forum (WEF) des deutschen Professors Klaus Schwab.

Das WEF – Schaltzentrale des globalen Geschehens

1971 als „European Management Forum“ gegründet, hat sich das WEF innerhalb von fünfzig Jahren zu einer der wichtigsten Schaltzentralen des globalen Geschehens entwickelt. Waren seine Aktivitäten anfänglich auf die europäische Wirtschaftselite ausgerichtet, so hat es im Laufe der Zeit weltweite Bedeutung als Ausbildungsstätte für die korporative und politische Elite der Welt gewonnen.

Von 1993 bis 2003 wurden dort die „Global Leaders of Tomorrow“ ausgebildet, seit 2004 sind es die „Young Global Leaders“. Ein Blick auf einige Teilnehmer des ersten Jahrgangs lässt ahnen, welchen Einfluss diese Kaderschmiede ausübt. Dort finden sich Namen wie Bill Gates, Richard Branson, Tony Blair, Gordon Brown, José Maria Aznar, Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso, sowie aus Deutschland Angela Merkel, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Claudia Nolte und Wolfgang Kubicki.

In den folgenden Jahren haben sich unter anderen Jeff Bezos, Steve Ballmer, Jean-Claude Juncker, Benazir Bhutto, Emmanuel Macron, und aus Deutschland Lars Windhorst, Christian Wulff, Guido Westerwelle, Matthias Döpfner, Sandra Maischberger, Cem Özdemir und Annalena Baerbock hinzugesellt. Im Führungsteam des WEF sitzen neben Klaus Schwab unter anderen Christine Lagarde, Kristalina Georgiewa, Al Gore und BlackRock-Chef Larry Fink.

Die Schlüsselfiguren des WEF

Wie groß der Einfluss des WEF auf die internationale Politik ist, ließ sich vor allem während der Corona-Krise gut erkennen. Die Organisation GAVI (Global Alliance for Vaccination and Immunization - Globale Allianz für Impfung und Immunisierung), die 2000 im Rahmen des WEF gegründet wurde, spielte eine herausragende Rolle, während die vom WEF ausgebildeten Politiker sich durchgehend als absolute Hardliner erwiesen.

Ob Justin Trudeau, Sebastian Kurz, Emmanuel Macron, Jens Spahn, Jacinda Ardern oder der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom – sie alle standen an vorderster Front, wenn es darum ging, Freiheitsbeschränkungen oder eine Impfpflicht durchzusetzen.

Unterstützt wurden sie im Pharmabereich von Albert Bourla, Pfizer-CEO, der vom WEF ebenso wie Anthony Fauci als „Agenda Contributor“ (Beitragender zur Agenda) geführt wird. Bourlas Stellvertreter hat sich 2021 als „Young Global Leader“ qualifiziert, während Moderna-CEO Stéphane Bancel bereits seit 2009 dazugehört. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Philipp Rösler, von 2009 bis 2011 deutscher Gesundheitsminister, von Klaus Schwab 2014 zum Geschäftsführer des WEF ernannt wurde.

Noch brisanter erscheinen einige Personalien im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. So wird Joe Biden[1], der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, ebenso als Agenda-Contributor des WEF geführt wie Herman Gref, der Chef der von den US-Sanktionen zunächst ausgenommenen Sberbank, dessen Eintrag jedoch Anfang März gelöscht wurde.[2]

Noch dubioser sieht es im Fall Wladimir Putin aus. Er erscheint in keiner Liste, wird aber von Klaus Schwab in mehreren Interviews als „Young Global Leader“ bezeichnet[3] und hat, wie seine diversen Ansprachen bei den Davoser Treffen des WEF zeigen, offenbar ein sehr enges Verhältnis zum Chef des WEF.

Fazit: Mit Klaus Schwabs World Economic Forum und den mit ihm affiliierten Personen hat sich eine Macht etabliert, die alles, was die Welt bisher an grauen Eminenzen gesehen hat, bei Weitem übertrifft, und deren Existenz es dringend erforderlich macht, alles, was uns als Realität verkauft wird, grundsätzlich infrage zu stellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Ernst Wolff

                                                                            ***

Ernst Wolff, 69, befasst sich mit der Wechselbeziehung zwischen internationaler Politik und globaler Finanzwirtschaft.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU bei Sachsen-Anhalt-Wahl
06.09.2026

Die AfD distanziert die CDU. Die SPD bleibt stabil, die Linke büßt Stimmen ein. Die Grünen schaffen es in den Landtag, das BSW kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Titan bis Neodym: So abhängig ist Europas Rüstungsindustrie von Russland und China
06.09.2026

Flugzeugstrukturen, Triebwerke und Raketenkörper brauchen hochreinen Titanschwamm, und die Hälfte davon stammt aus China und Russland....

DWN
Finanzen
Finanzen Die serbische Börse ist die rentabelste der Welt? Das muss ein Fehler sein
06.09.2026

Der serbische Aktienindex Belex15 soll laut Bloomberg seit Jahresbeginn mehr als 515.000 Prozent Gesamtrendite erzielt haben. Doch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Projekte scheitern – und wie Sie den Kollaps verhindern
06.09.2026

Stuttgart 21 als Warnung für den Mittelstand: Atreus-Experte Thomas Gläßer erklärt, warum Projekte scheitern, welche Ursachen...

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...