Finanzen

Warum Saudi-Arabien Dollar nicht durch Yuan ersetzen wird

Saudi-Arabien und China unterhalten starke wirtschaftliche Beziehungen. Dennoch nutzen sie im Handel miteinander nicht den Yuan, sondern den Dollar - aus guten Gründen.
02.04.2022 09:26
Lesezeit: 4 min
Warum Saudi-Arabien Dollar nicht durch Yuan ersetzen wird
Saudi-Arabien hat wenig Gründe, statt dem Dollar den Yuan für Öl-Exporte nach China zu akzeptieren. (Foto: dpa) Foto: Qilai_Shen

Der Krieg in der Ukraine bringt auch entscheidende Veränderungen für das globale Finanzsystem mit sich oder beschleunigt diese zumindest. Dies betrifft vor allem die erwartete stärkere Rolle des Goldes im Finanzsystem sowie die schwindende Vorherrschaft des Dollars. Selbst der Chef der US-Notenbank Federal Reserve hat am 2. März während einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses eingeräumt, dass es in Zukunft mehrere Leitwährungen geben könnte.

Ein Konkurrent für den Dollar ist der Euro, den zahlreiche Staaten als Teil ihrer Fremdwährungsreserven halten. Ein weiterer Konkurrent ist der russische Rubel, der sich gerade zum Zahlungsmittel für Gas, Öl und zahlreiche weitere Rohstoffe entwickelt, die Russland in alle Welt exportiert. Denn da die russische Notenbank und weitere Finanzinstitute des Landes aus dem Swift-System ausgeschlossen wurden, kann man dort mit Dollar oder Euro kaum noch etwas anfangen. Zudem strebt Russland offenbar eine Goldbindung des Rubel an.

Ein dritter möglicher Konkurrent zum Dollar, über den seit vielen Jahren geschrieben wird, ist der chinesische Yuan, auch weil China nach einigen Rechnungen bereits zur größten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen ist. So hat man zum Beispiel darüber spekuliert, ob möglicherweise Saudi-Arabien den Yuan für seine Ölexporte verwenden könnte. Denn nach nirgendwo exportiert das Königreich so viel Öl wie nach China. Nach Angaben der OECD waren im Jahr 2019 die größten Abnehmer saudischen Öls

  • China mit 45,8 Milliarden Dollar
  • Indien mit 25,1 Milliarden Dollar
  • Japan mit 24,5 Milliarden Dollar
  • Südkorea mit 19,5 Milliarden Dollar
  • die USA mit 12,2 Milliarden Dollar

Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien mit jährlich 145 Milliarden Dollar der weltgrößte Ölexporteur ist und China mit 204 Milliarden Dollar der größte Ölimporteur. Die staatlichen Finanzen Saudi-Arabiens sind gut aufgestellt. Nach einem Defizit von 4,8 Prozent im vergangenen Jahr erwartet das Königreich für 2022 einen Überschuss. Das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist mit nur 30,8 Prozent eines der niedrigsten der Welt. Zum Vergleich: Die deutsche Staatsschuldenquote dürfte dieses Jahr auf 70 Prozent steigen.

Trotz des Einbruchs der Ölnachfrage infolge der Corona-Pandemie beliefen sich die saudischen Devisenreserven einschließlich Gold im Jahr 2020 auf 472,8 Milliarden Dollar. Die Fremdwährungsreserven des Landes decken seine Auslandsverschuldung bequem ab und verleihen Saudi-Arabien ein hohes Maß an finanzieller Stabilität im Vergleich zu den meisten anderen OPEC-Ländern (Organisation erdölexportierender Länder), die große Handels- und Haushaltsdefizite aufweisen.

Lohnt sich der Yuan für Saudi-Arabien?

"China braucht seine Ölimporte mehr, als Saudi-Arabien die chinesische Landeswährung braucht", schreibt der einflussreiche Ökonom Daniel Lacalle. Seiner Ansicht gibt es "keinen wirklichen Beweis dafür, dass die Exporte nach China zurückgehen würden, wenn Saudi-Arabien weiterhin den US-Dollar verwendet". Mit anderen Worten: Saudi-Arabien nimmt mit seinen Öl-Exporten nach China mehr Yuan ein, als es für seine Importe aus China benötigt. Und die Chinesen verfügen über ausreichend Dollar, um damit ihre Öl-Importe zu bezahlen.

Die Verwendung des Yuan bei globalen Transaktionen ist weiterhin sehr begrenzt. Die Swift-Daten zeigen, dass "die Aktivität im Renminbi, wie die chinesische Währung auch genannt wird, im Jahr 2021 auf den zweithöchsten Stand aller Zeiten gestiegen ist", wie Bloomberg berichtet. Das bedeutet allerdings nur, dass der Anteil des Yuan an den weltweiten Transaktionen bei 2,7 Prozent lag gegenüber dem Dollar mit 41 Prozent, dem Euro mit 36,6 Prozent, dem britischen Pfund mit 5,9 Prozent und dem japanischen Yen mit 2,6 Prozent.

Selbst die Währung Großbritanniens, dessen Wirtschaft im Vergleich zur chinesischen winzig ist, kommt bei mehr als doppelt so vielen Transaktionen zum Einsatz wie der Yuan. Dem Ökonomen Lacalle zufolge ist aber noch wichtiger, dass sich die Bedeutung des Yuan als Währung - trotz des starken Anstiegs der Bedeutung der chinesischen Wirtschaft auf globaler Ebene - gegenüber seinem Höchststand im Jahr 2015, als er den vierten Platz erreichte, kaum verbessert hat.

Warum taugt der Yuan nicht für weltweite Transaktionen?

Die chinesische Wirtschaft macht rund 14 Prozent des weltweiten BIP aus. Dennoch wird die Währung des Landes nur bei 2,7 Prozent der internationalen Transaktionen verwendet. Grund dafür ist Lacalle zufolge, dass China Kapitalverkehrskontrollen und Preiskontrollen durchsetzt. "Daher ist jeder Inhaber der chinesischen Währung der ständigen Gefahr einer abrupten Abwertung ausgesetzt und kann die Währung nicht mehr frei für Zahlungen verwenden", schreibt der Ökonom.

So kündigte die chinesische Zentralbank etwa im Jahr 2015 plötzlich eine aggressive Abwertung an. "Der Yuan ist keine Alternative zum US-Dollar, weil es Kapitalverkehrskontrollen gibt, Preise vom Staat festgelegt werden und, was noch schlimmer ist, weil die Geldpolitik der People's Bank of China noch aggressiver ist als die der Federal Reserve", so Lacalle. Die Ausweitung der Geldmenge in China ist seit zwei Jahrzehnten um ein Vielfaches höher als in den USA, obwohl die weltweite Nachfrage nach Yuan deutlich geringer ist.

Bei globalen Öltransaktionen wird der Yuan nur in äußerst geringem Umfang verwendet. Selbst die großen chinesischen Ölgesellschaften bevorzugen dabei den Dollar. Chinas Goldreserven belaufen sich auf weniger als 0,3 Prozent seiner Geldmenge (M2), und seine Dollarreserven in Höhe von 3,35 Billionen Dollar decken kaum seine Devisenverbindlichkeiten. Wenn Öl- und Rohstoffproduzenten anderer Ländern, insbesondere in Lateinamerika, in der Vergangenheit Yuan akzeptierten, so geschah dies einfach wegen der hohen Schulden gegenüber China.

Saudi-Arabien verwendet vielleicht in sehr geringem Umfang den chinesischen Yuan für seine Ölexporte, aber eine Fiat-Währung mit Kapitalkontrollen ist Lacalle zufolge keine echte Alternative zu Fiat-Währungen ohne Kapitalkontrollen. Jeder Rohstoffproduzent, der den Yuan anstelle des Dollars akzeptiert, geht das Risiko von Kapitalverkehrskontrollen und Preiskontrollen ein, und es gibt keine wirklichen Anzeichen dafür, dass die chinesische Zentralbank etwas daran ändern wird.

Die chinesische Notenbank wird voraussichtlich weiter im großen Stil Geld drucken und damit die Kaufkraft der Währung untergraben. Der Yuan weist also die negativen Eigenschaften einer Fiat-Währung auf, hat aber Lacalle zufolge keinen der Vorteile von Dollar, Euro und Pfund: frei schwankende Preise, Rechts- und Anlegersicherheit und ein offenes Finanzsystem. Saudi-Arabien würde eher auf Gold oder Kryptowährungen umsteigen, als auf den Yuan.

Doch wenn Lacalle sagt, dass man mit Dollar, Euro oder Pfund das Risiko von Kapitalverkehrskontrollen vermeiden kann, dann hat er wohl nicht die westlichen Sanktionen gegen Russland berücksichtigt. Der Westen hat von heute auf morgen die Devisenreserven der russischen Notenbank im Umfang von 300 Milliarden Dollar beschlagnahmt. Damit haben Dollar, Euro und Pfund einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Yuan verloren. Und all jene Staaten, die diese Währungen halten, dürften den Warnschuss gehört haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...